Insekten statt Fleisch: Schweizer arbeiten an Sechsbeiner-Kochbuch

Insekten statt Fleisch: Schweizer arbeiten an Sechsbeiner-Kochbuch

von Nora Marie Zaremba

Insekten sind lecker, nahrhaft und ziemlich unbeliebt. Zwei Schweizer wollen das mit einem speziellen Kochbuch ändern.

Schon mal eine Maroni-Mehlwurm-Suppe mit Insekten-Vollkornbrot gekostet? Oder wie wäre es, beim nächsten Dinner mit Bramatanocken auf Mehlwurm-Pilzragout zu überraschen?

Diese und weitere Rezepte soll es in dem neuen Kochbuch "Heuschrecken, Grillen & Co." geben. Initiiert wurde das Projekt von zwei Schweizern, dem Unternehmer Christian Bärtsch und dem Koch Adrian Kessler. Derzeit werben sie auf der schweizerischen Crowdfunding-Plattform Wemakeit für ihr Vorhaben. Spendenziel: Umgerechnet 11.000 Euro.

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Mehlwürmer und Grillen als Vitaminbombe

Die Idee für ein Insektenkochbuch kam den Freunden durch ihre zahlreichen Reisen, besonders nach Asien. "In vielen Ländern sind Grillen und Co. beliebte Zutaten und werden sogar als Delikatesse betrachtet", sagt Kessler. Diese Erfahrung hat sie inspiriert, Insekten nun auch ihren Landsleuten nahezubringen.

Überzeugt waren sie auch von den vielen Vorteilen, die Würmer, Grillen und Heuschrecken als Nahrungsmittel haben: etwa einen hohen Proteinanteil, viele Vitamine, Mineralstoffe und auch gesunde, ungesättigte Fettsäuren.

Entscheidend war für Bärtsch und Kessler auch der positive Umweltaspekt von Speise-Insekten. "Für die gleiche Menge braucht es im Vergleich zur Rindfleischproduktion nicht nur ein Vielfaches weniger an Futtermittel, auch die CO2-Emissionen der Produktion können um das 10- bis 100-fache reduziert werden", sagt Bärtsch, der auch Gründer des Start-ups Essento ist. Dieses will den Handel mit Speise-Insekten voranbringen und tritt als Partner des Kochbuch-Projekts auf.

Auch Rezepte von Spitzenköchen

40 Rezepte für den Alltag und spezielle Anlässe soll es im Insektenkochbuch geben. Sieben davon wurden von europäischen Spitzenköchen entwickelt. Zudem informieren verschiedene Experten rund um die Ernährung mit Insekten. Der Leser erfährt auch, wo er Speise-Insekten kaufen kann. Ein Food-Historiker erklärt, welche Arten früher in Europa auf den Tisch kamen und wieso die Insektenküche sich nicht gehalten hat.

Informiert werden soll auch über die rechtlichen Aspekte. Denn in vielen europäischen Ländern, darunter die Schweiz und Deutschland, sind die nahrhaften Sechsbeiner noch nicht als Lebensmittel zugelassen. Das soll sich allerdings ändern. "In der Schweiz werden die drei Insektenarten Tenebrio Molitor (Mehlwurm), Locusta Migratoria (Wanderheuschrecke) und die Acheta Domesticus (Hausgrille) voraussichtlich ab Januar 2017 als Lebensmittel zugelassen", weiß Unternehmer Bärtsch.

Geschmack der Insekten soll überzeugenFür Deutschland und Österreich sieht es aktuell so aus, als ob die Zulassung ein Jahr später kommt. Der Handel mit Insekten in Lebensmittelqualität wird in diesen beiden Ländern von den Behörden aber bereits geduldet.

Dass viele Europäer Insekten möglicherweise als eklig betrachten und deshalb nicht in ihrem Essen haben wollen, schreckt die beiden Kochbuch-Initiatoren nicht ab. "Das ist nur eine Frage der Erziehung. In den meisten anderen Ländern werden Insekten als normale Lebewesen angesehen", erklärt Kessler. Und so glauben Bärtsch und Kessler auch: Wer einmal sein Ekelgefühl überwunden hat, den wird der Geschmack der Insekten überzeugen.

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