Internet für alle: Woran Google scheitern könnte

Internet für alle: Woran Google scheitern könnte

von Markus Okur

Google will die ganze Welt über schwebende Ballons mit Internet versorgen. Eine tolle Idee - wären da nicht ein paar Haken.

Mitte Juni stellte Googles Think-Tank Google[x], der sich für “Moonshot Thinking” verantwortlich zeigt und nach radikal neuen Technologielösungen sucht, ein spektakulär anmutendes Experiment vor – das Project Loon.

Mithilfe einer ganzen Flotte von Ballons, die in 20 Kilometern Höhe den Erdball umrundet, sollen abgelegene Regionen von der Luft aus mit einem Internetzugang versorgt werden.

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Dieses Unterfangen ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass man in den meisten Ländern der Südhalbkugel für einen Internetanschluss im Moment mehr als ein Monatseinkommen bezahlen muss – vorausgesetzt, er ist überhaupt verfügbar. Und das, obwohl die Vereinten Nationen letztes Jahr einen Internetzugang als Menschenrecht erklärten. Hier scheint sich der Anspruch von Google[x] tatsächlich einzulösen, mit seinen Ideen "die wirklich großen Probleme der Welt anzugehen". Zudem stehen etliche geographischen Hindernisse wie Dschungel, Inselgruppen oder Gebirge einer flächendeckenden Versorgung noch immer entgegen.

Googles größtes Hindernis ist nicht die Technologie – es ist die Politik

Ein erster Pilotversuch mit dem fliegenden Internet findet derzeit in der Region von Canterbury auf der Südinsel Neuseelands statt. Dort ließ das Team des “Project Loon” getauften Versuchs 30 Ballons bis in die Stratosphäre aufsteigen, um Internetsignale an 50 Testkunden am Boden weiterzuleiten.

Wirklich neu ist die von Google eingesetzte Mesh-Technologie nicht – sie existiert schon seit Jahrzehnten. Auch Ballons sind nichts Neues – sie fliegen schon seit Graf Zeppelin in den Lüften. Neu hingegen ist die Kombination, also der Einsatz von Mesh-Technologie in Ballons, die in doppelter Flughöhe kommerzieller Transportflugzeuge vom Wind angetrieben über der Erde schweben, um den Menschen am Boden eine Verbindung zum Internet ermöglichen. Und sich dabei um keinerlei Grenzen scheren.

Das Google-Projekt erinnert ein wenig an das weltumspannende Satellitenkommunikationssystem Iridium oder Globalstar. Dabei umkreisen Satelliten die Erde auf Umlaufbahnen, sind allerdings viel weiter von der Erdoberfläche entfernt unterwegs. Sie umkreisen die Erde in einer Höhe von etwa 780 Kilometern innerhalb von rund 100 Minuten.

Doch der Weltraum ist kaum durch internationale Verträge geregelt. Die Stratosphäre hingegen, in denen Google Ballons fliegen, betrachten die meisten Regierungen als ihren souveränen Luftraum – es passiert nicht selten, dass in dieser Höhe Aufklärungsflugzeuge abgeschossen werden.

Jillian York, der Direktor für Internationale Meinungsfreiheit bei der Electronic Frontier Foundation warf während einer Diskussion mit der Huffington Post die Frage auf : "Wie lange wird es wohl dauern, bis einige instabile Regierungen versuchen, Chaos in weltweiten Kommunikationsinfrastruktur anzurichten, indem sie die Google-Ballons abschießen?" Es ist schwer vorstellbar, dass Regierungen, die das Internet auf dem Boden zensieren, ein offenes Netz, das 20 Kilometer über ihnen schwebt, akzeptieren werden. Zudem muss Google auch das Problem der unterschiedlichen Wellenlängen in den Regionen für die Übertragung der Signale an die Erde lösen.

Feedback aus Afrika

Ein ganz anderes Feedback kommt von Jackson Hungu, der die Abteilung für mobile Gesundheitstechnologien bei der Clinton Health Access Initiative in Kenia leitet. Er wünscht sich, dass Google seine Ballons auch dafür einsetzt, um Informationen zum Wetter zu sammeln. "Google Loon gibt einigen Leuten in der Wildnis Zugang zum Internet – das ist schön und gut. Aber noch mehr Sinn würde das Projekt ergeben, wenn es Daten vom Großen Afrikanischen Grabenbruch liefern würde, einer fruchtbaren Zone, die unser gesamtes Land ernährt."

Aber auch aus Afrika gibt es Kritik: “In Kenya zum Beispiel haben wir eigentlich schon im ganzen Land 3G-Verbindungen", sagte Phares Kariuki gegenüber dem Web-Ableger des Techmagazins Technology Review. Der Ex-Weltbanker fürchtet, dass das Google Projekt dann in Konkurrenz zu lokalen Telekommunikationsunternehmen tritt. Und überhaupt: Auch in anderen afrikanischen Staaten sind nicht so oft fehlende Verbindungen das Problem, sondern fehlende Hardware, um das Internet auch zu nutzen - zum Beispiel Smartphones.

Eine Lösung für das Hardware-Problem könnte allerdings die Organisation "One Laptop Per Child" sein, die zumindest Schulen mit Laptops ausstatten könnte. Die könnten wiederum über die Google-Ballons ins Netz gehen.

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