Kampf dem Meeresmüll: 20-Jähriger sammelt zwei Millionen Dollar für Pilotprojekt

Kampf dem Meeresmüll: 20-Jähriger sammelt zwei Millionen Dollar für Pilotprojekt

von Benjamin Reuter

Mit seiner Idee, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien, ist Boyan Slat berühmt geworden. Jetzt will er sein Projekt starten.

Am Anfang schien es nur eine nette Idee eines idealistischen 18-Jährigen aus den Niederlanden: Was wäre, wenn riesige Schiffe im Meer Plastik aus dem Wasser fischten und den Kunststoff dann recycelten? Schließlich ist die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik eines der großen Umweltprobleme unserer Zeit. Seit Boyan Slat seine Idee auf einer Innovationskonferenz im Jahr 2012 vorstellte, ist er zu einer Berühmtheit im Netz geworden (wir haben hier und hier über Slat berichtet).

Vergangenes Jahr machte sich der mittlerweile 20-jährige Student zu einer Segelreise auf, um Wasserproben zu nehmen und erste Einzelteile seiner Technik zu testen. Das Ergebnis der Reise war eine mehr als 500 Seiten starke Machbarkeitsstudie, die Slat im Juni vorstellte. Kurz darauf begann er das Geld für ein erstes Pilotprojekt zu sammeln: zwei Millionen Dollar sollten zusammenkommen.

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Geld für saubere MeereSeine Idee: Riesige Filteranlagen, die er mit seinem Projekt The Ocean Cleanup an ganz bestimmten Stellen in Atlantik, Pazifik und dem indischen Ozean installieren möchte, sollen den Plastikmüll einfangen. Dabei sollen die am Meeresboden fixierten Plattformen mit ihren riesigen Auslegern, die als gewaltige Fangarme fungieren, von den Strömungen in den riesigen Gewässern profitieren. Diese verlaufen kreisförmig, was den im Wasser treibenden Müll in die ausgebreiteten Arme der Filteranlagen hineintreibt.

Auch die zahlreichen Einwände, die Kritiker gegen die Idee vorbrachten, hat Slat überprüft. Er hält sie für lösbar. So könnten Fische unter den Fangarmen hindurchtauchen. Bei schweren Stürmen würden sich die Fangarme als Schutz vor Beschädigungen von der Anlage abkoppeln und könnten dann wieder eingefangen werden. Dass sein System nur an der Oberfläche bis in drei Meter Tiefe fischt, hält Slat auch nicht für ein Problem. Der meiste Müll schwimme an der Meeresoberfläche, glaubt er.

Das Konzept hat die Internetgemeinde anscheinend überzeugt. Denn Boyan Slat hat die Zwei-Millionen-Dollar-Marke jetzt kurz vor Ablauf der Frist am 13. September geknackt. Mit dem Geld will er den Bau eines ersten Prototypen seiner Filteranlage beginnen.WE DID IT! Thanks a million to everyone who believe in us and and our quest to develop the largest cleanup in history pic.twitter.com/858G8lM5sj

— Boyan Slat (@BoyanSlat) 11. September 2014Seine Kritiker wird der neuerliche Erfolg aber nicht verstummen lassen. Ganz im Gegenteil. Denn viele Experten sind immer noch skeptisch, ob das Verfahren wirklich etwas gegen die weitreichende Verschmutzung der Meere bewirken kann. Die US-Meeresbiologinnen Miriam Goldstein und Kim Martini hatten Slats Projekt schon vor der Machbarkeitsstudie als problematisch angesehen.

Kritik von MeeresbiologenDas änderte sich auch nicht, nachdem der 500-Seiten-Wälzer veröffentlicht war. Nach einer eingehenden Analyse schrieben Goldstein und Martini im Juli, dass Slat die Strömungen im Meer unterschätze, seine ganze Studie deshalb zu falschen Annahmen komme. Das Fazit der Forscherinnen: "Die Machbarkeitsstudie zeigt in keinster Weise, dass sein Projekt machbar ist." Die zwei Millionen Dollar wären demnach rausgeschmissenes Geld.

Mittlerweile warnen zahlreiche Meeresbiologen und Ozeanmüllexperten sogar davor, dass das Projekt mehr schaden als nutzen könnte. Denn neben dem Plastik könnten sich entgegen von Slats Behauptung auch Fische in der Anlage verfangen. Zudem treibe der Großteil des Mülls als Kleinstteilchen in den Tiefen der Ozeane und nicht an der Oberfläche, wie Slat behauptet (eine Tatsache, die auch eine Untersuchung kürzlich nahelegte).

Alle Experten empfehlen statt Slats Plastikschiff, den Kunstoffmüll besser erst gar nicht ins Meer hineinzuwerfen. So haben zum Beispiel US-NGOs erfolgreich dafür gekämpft, dass Unternehmen keine kleinen Plastikpartikel mehr in Kosmetika und Zahnpasta nutzen. Diese spülten mit dem Wasser aus den Haushalten erst in die Flüsse und dann in die Ozeane.

Allerdings spiegelt die Argumentation der Slat-Kritiker ein altes Dilemma des Umweltschutzes wider: Natürlich ist es besser, Umweltverschmutzung und Zerstörung gar nicht erst zuzulassen. Dennoch sind die Fortschritte quälend langsam. Bis alle Länder der Erde sich im Kampf gegen das Plastikproblem zusammenschließen könnten Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte vergehen. Dass Boyan Slat im jugendlichen Eifer nicht so lange warten will, ist verständlich.

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