Kampf gegen Klimawandel: "CO2 muss unter die Erde"

Kampf gegen Klimawandel: "CO2 muss unter die Erde"

von Jan Willmroth

Umweltschützer kämpfen gegen unterirdische CO2-Lager. Forscher warnen nun: Ohne die Speicher für Treibhausgase ist der Klimawandel nicht zu stoppen.

Eigentlich geht der Kampf gegen den Klimawandel gut voran, könnte man meinen. Neue Windkraftanlagen sind in Deutschland teilweise schon günstiger zu haben als neue Kohlekraftwerke, Solarstrom hat die Atomenergie bei den Kosten eingeholt. Wenn wir es uns leisten wollen und alle alten Anlagen abschalten, können wir uns im Jahr 2050 problemlos mit einem Energiesystem versorgen, das überwiegend auf erneuerbaren Energien fußt.

Das Klima retten wir so aber noch lange nicht. Das schicken auch Forscher des Potsdam-Instituts, des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Wien und Enerige-Experten der Stanford-Universität einer großen Studie voraus, die sie kürzlich in dem Fachmagazin „Climatic Science“ veröffentlicht haben. EMF27 nennen sie das Forschungsprojekt, bei der Expertenteams weltweit 18 verschiedene globale energiewirtschaftliche Modelle kombiniert und verglichen haben.

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Sowohl die Ausgangslage als auch die Perspektive für die weltweite Energieversorgung sind ernüchternd: Im Jahr 2010 sorgten Kohle, Öl und Gas für mehr als 80 Prozent der weltweiten Stromversorgung – es ist schier ausgeschlossen, dass sich das schnell ändert. Die Energienachfrage wird bis 2030 um rund 50 Prozent steigen und könnte bis zum Ende des Jahrhunderts um das Zwei- bis Dreifache zunehmen. Um diesen Bedarf zu decken, wird der weltweite Kohleverbrauch allein bis 2018 um rund zehn Prozent zunehmen.

„Wenn keine weltweiten Regeln geschaffen werden, wie diese Nachfrage aus umweltfreundliche Weise gedeckt werden kann, bleiben fossile Energieträger auch in den kommenden 100 Jahren die Stromquelle Nr. 1“, schreiben die Forscher. Das ist eine nüchterne Wahrheit der Klimapolitik.

Wann wird CCS wiederbelebt?Wenn das Zeitalter der fossilen Brennstoffe noch lange nicht vorbei ist – welche Technologien sind dann am geeignetsten, um die globale Erwärmung abzumildern? Die EMF27-Experten sind sich sicher: Carbon Capture and Storage (CCS), also die unterirdische Speicherung von CO2-Emissionen, muss früher oder später ein Comeback feiern.

Denn derzeit ist CCS immer noch vor allem eine Idee: Anstatt die Treibhausgase aus Kohlekraftwerken in die Luft zu pusten, würden sie aufgefangen und in unterirdische Stollen abgeleitet und dort verklappt. Anwendung findet der Prozess schon seit mehr als 20 Jahren in der Erdöl- und Gasförderung, wobei CO2 unter die Erde gepumpt wird, um den Druck und somit die Förderrate zu erhöhen. Als Klimaschutz-Instrument kommt CCS aber nicht aus der Erprobungsphase heraus.

Dabei könnten laut Schätzungen der europäischen Zero-Emissions-Plattform rund 50 Prozent der heutigen Emissionen durch CCS abgefangen werden, wie dieses Video zeigt:

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommen die Autoren der EMF27-Studie. Ihr deutliches Fazit: Werden nicht schnell weltweit strenge Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen eingeführt, komme die Welt um CCS nicht mehr herum.

Ungelöste ProblemeWenn da nicht ungelöste Probleme wären: Zunächst einmal ist die CO2-Speicherung noch extrem teuer. Mit der heute verfügbaren Technologie könnte der Brennstoffbedarf von Kohlekraftwerken um 25 bis 40 Prozent steigen, weil die Speicherung zusätzlichen Strom benötigt. Die produzierte Energie könnte dann um bis zu 90 Prozent teurer sein, haben Experten des Weltklimarats in einer umfangreichen Studie vorgerechnet.

Die in den vergangenen 50 Jahren erreichten Effizienzgewinne bei der Kohleverstromung wären mit einem Mal dahin. Bestehende Kraftwerke umzurüsten, wäre ebenso ein teures Unterfangen. Vor allem, wenn das CO2 in Tanklastwagen oder mit Pipelines über weite Strecken in die Endlager transportiert werden müsste.

Außerdem ist bislang noch wenig erforscht, wo das CO2 am besten aufgehoben wäre: In Salzstollen, ehemaligen Kohlebergwerken, versiegten Ölquellen? Den vielen Möglichkeiten steht eine große Ungewissheit gegenüber, auch darüber, ob das gespeicherte Gas nicht doch seinen Weg aus der Erde in die Atmosphäre findet. Genau das monierten auch die vielen Bürgerinitiativen und Demonstranten, die bisher alle Langzeit-Tests von CCS-Anlagen in Deutschland verhindert haben.

Langfristige Prognosen über die Sicherheit von unterirdischen CO2-Speichern sind in etwa so präzise wie Vorhersagen über die Sicherheit von Atommüll-Endlagern.

Das weltweit erste CCS-Kohlekraftwerk kann man – noch – in Deutschland bewundern: Rund 120 Kilometer südöstlich von Berlin betreibt Vattenfall in Spremberg das Braunkohlekraftwerk „Schwarze Pumpe“, neben dem die Schweden seit Herbst 2008 eine Pilotanlage zur CO2-Abscheidung betreiben.

Diese war ein Testballon für den Neubau eines Kraftwerkskessels im Kraftwerk Jänschwalde, mit dem Vattenfall die Technologie zur Serienreife führen wollte. Vattenfall gab die Pläne zwischenzeitlich auf, ob der Konzern die CCS-Technologie in Brandenburg weiterverfolgt, ist derzeit nicht endgültig entschieden.

Ähnlich wie in Ostdeutschland liegen derzeit in ganz Europa CCS-Projekte auf Eis. Derzeit versuchen Experten vor allem in Nordamerika die Technologie weiterzuentwickeln. Dass das sinnvoll ist, legt eine Untersuchung des Zero Emissions Project der EU nahe, das in einer umfassenden Studie die Kosten von CCS untersucht hat. Ergebnis: Wird weiter geforscht, kann die Technologie bald vielleicht doch mit anderen emissionsarmen Energiequellen mithalten.

In Deutschland an der Universität Darmstadt haben Forscher schon gezeigt, dass es vorangeht: Sie glauben, mit einem neuartigen Verfahren, die Kosten der CO2-Abscheidung um die Hälfte zu reduzieren. Tests in einer Pilotanlage waren vielversprechend.

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