Kampf gegen Müll im Meer: Fünf innovative Ideen für saubere Ozeane

Kampf gegen Müll im Meer: Fünf innovative Ideen für saubere Ozeane

von Birk Grüling

Die Ozeane gleichen einer riesigen, nassen Müllkippe. Wir stellen fünf kreative Ideen gegen den Müll im Meer vor.

Die Weltmeere sind zu einer Müllkippe verkommen, mit großen Flächen, die voll von Plastiktüten, Flaschen und Verpackungen sind. Laut dem Umweltbundesamt schwimmen bis zu 140 Millionen Tonnen Abfall im Meer. Die Folgen für die Umwelt sind verheerend.

Vor gut einem Jahr wurde zum Beispiel an der spanischen Südküste ein Pottwal-Kadaver angespült. Die Todesursache stand schnell fest. Der Meeressäuger hatte sich an Plastikmüll überfressen. Auch die Hälfte der 400.000 Albatrosse, die jedes Jahr in der Nähe des Midway Atolls geboren werden, sterben, weil sie zu viel Kunststoff futtern. Selbst am Ende der Nahrungskette, in Schnecken und Muscheln, wiesen Forscher bereits Plastikrückstände nach.

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Doch wie lässt sich der Müllberg im Meer bekämpfen? Auf diese Frage gibt es bisher keine befriedigende Antwort, aber immerhin einige ausgefallene Lösungsansätze:

Raw for the Oceans Stilikone und Musiker Pharrell Williams macht nicht nur mit optimistischen Songs wie „Happy“ die Welt ein kleines bisschen besser, sondern unterstützt auch umweltfreundliche Mode aus Plastikresten. Der Müll wird direkt aus dem Meer gefischt und vom Biotech-Startup „Bionic Yarn“ zu Garn weiterverarbeitet. Williams selbst hat vor einigen Jahren in das Startup investiert.

Mit Erfolg: In Zusammenarbeit mit dem Modelabel „G-Star“ soll schon im Sommer eine „Raw for the Oceans“-Jeanskollektion auf den Markt kommen. In jeder Hose sind sieben Plastikflaschen verarbeitet. Weitere Produkte wie T-Shirts oder Jacken sollen folgen. Mittelfristig will G-Star das „Recyclinggarn“ sogar in die gesamte Kollektion integrieren.

Fishing for LitterDer maritime Plastikmüll landet häufig in den Netzen der Fischer. Leider werfen die meisten Seeleute den unerwünschten Fang gleich zurück ins Meer. Für die Entsorgung an Land müssen sie nämlich extra zahlen. Die Initiative „Fishing for Litter“ verteilt deshalb kostenlose Industrie-Müllsäcke an Fischer und hat außerdem in vielen europäischen Häfen Container zur kostenlosen Entsorgung aufgestellt. Teilweise bekommen die Arbeiter sogar Geld für ihren Plastikfang.

Auch in Deutschland gibt es bereits entsprechende Container. Die Müllmengen, die so gehoben werden, sind allerdings sehr gering. Grund dafür: Knapp 70 Prozent des maritimen Mülls treiben nicht an der Oberfläche, sondern in tieferen Wasserregionen.

Müllfressende MikrobenAuf dem Plastikmüll im Ozean siedelt eine große Zahl von Mikroben. Bereits vor einigen Jahren fanden britische und amerikanische Forscher heraus, dass manche dieser Bakterien den Kunststoff regelrecht auffressen. Solche Eigenschaften zeigten sich bis dahin nur bei Bakterien auf Müllhalden an Land.

Wie die Mikroorganismen das Plastik genau zersetzen und ob dabei möglicherweise Giftstoffe freigesetzt werden, wissen die Forscher bisher nicht. Die Idee müllfressende Mikroben auf dem Plastik im Meer auszusetzen, ist aber ohnehin umstritten. Immerhin weiß niemand, welche Auswirkungen neue Mikroorganismen auf das Ökosystem im Meer hätten.

Müllfang-PlattformenEin echter Star in Sachen „Maritime Müllbekämpfung“ ist Boyan Slat. Der 19-jährige Luft- und Raumfahrttechnik-Student will die Weltmeere mit riesigen schwimmenden Filtern vom Plastikmüll befreien. Seine am Meeresboden verankerten Konstruktionen erinnern dabei an einen großen Mantarochen mit langen Armen. Die Fangarme sollen den Müll von Meeresoberfläche sammeln und dabei die Meeresbewohner nicht stören. Für die Idee gab es bereits einige Designpreise. Ob die Müllfänger des Niederländers Slat wirklich praxistauglich sind, klären derzeit mehrere Machbarkeitsstudien. Das Problem an der Idee: Plastikmüll, der sich schon in Kleinstpartikel zersetzt hat, kann das System nicht einfangen - aber genau der ist es, der am häufigsten in Fischmägen landet.

Sammelaktionen am Strand Ein wichtiger Ansatz im Kampf gegen den Plastikmüll ist die Aufklärung über die Gefahren und Folgen. Die Surfrider Foundation Europe, ein Zusammenschluss von Wellenreitern, versucht deshalb unter anderem mit Strandsäuberungsaktionen das Bewusstsein der Bevölkerung zu stärken. Der Ansatz ist sinnvoll, immerhin ist der Tourismus an vielen Stränden die Müllquelle Nummer Eins, noch vor Abwässern und Abfall von der Schifffahrt.

Was bringen die Ideen wirklich?So kreativ und sinnvoll all diese Ideen seien mögen, aus Sicht von vielen Umweltexperten sind sie kaum mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Trotz großer Bestrebungen ist es bisher nicht gelungen, das Müllproblem einzudämmen.

Inzwischen ist man sich einig: Den Müll aus den Meeren zu fischen, wäre derzeit viel zu teuer und aufwendig. Denn eine Tonne Plastikabfall bringt in Deutschland nur zwischen 200 und 300 Euro ein - bezahlen lassen sich schwimmende Müllabfuhren davon nicht.

Der wichtigste Weg zur Problembekämpfung bleibt deshalb, Plastik von den Weltmeeren fernzuhalten und so viel wie möglich zu recyceln - oder am besten gar nicht zu gebrauchen.

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