Kanada: Schmelzender Gletscher leitet Fluss um

Kanada: Schmelzender Gletscher leitet Fluss um

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Dieses Foto aus dem Jahr 2016 zeigt den Ausläufer des Kaskawulsh-Gletschers. Zahlreiche abgebrochene Eisbrocken sind zu sehen.

Foto: Jim Best/University of Illinois via AP

Dramatische Veränderung in Kanada: Weil der Kaskawulsh-Gletscher im Norden so stark abschmilzt, bahnen sich die Wassermassen neue Wege. Die Konsequenz: Der ursprüngliche Fluss hat kaum noch Wasser.

Wissenschaftler haben in Kanada eine dramatische Veränderung der Flusslandschaft beobachtet. Der Kaskawulsh-Gletscher im Nordwesten des Landes sei soweit abgeschmolzen, dass sein Schmelzwasser nicht mehr in den Slim River ströme, sondern in den Alsek River, schrieb Dan Shugar von der Universität Washington Tacoma in einem am Montag veröffentlichten Beitrag der Zeitschrift „Nature Geoscience“. Ein rund 30 Meter tiefer Canyon am Ende des Gletschers leite das Wasser um.

Normalerweise dauere es eine sehr lange Zeit, bis das Schmelzwasser eines Gletschers sich einen anderen Weg suche, sagte Shugars Mitautor Jim Best. Am Kaskawulsh-Gletscher sei das dagegen offenbar an einem einzigen Tag geschehen - dem 26. Mai vergangenen Jahres. Das zeigten Messdaten. Bis dahin sei der Slim River ein ziemlich gefährliches Gewässer gewesen - drei Meter tief, schnell und kalt.

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Shugar berichtete, inzwischen könne man dagegen hindurchwaten, ohne sich das Hemd nass zu machen. „Es war praktisch kein Wasser mehr im Fluss“, sagte er. „Er ist eher ein schlangenförmiger See als ein Fluss.“ Im einstigen Flussdelta gebe es Staubstürme. Dagegen sei der Alsek jetzt tiefer und ströme schneller. Das Wasser, das dem Slim fehle, fließe jetzt hier in Richtung Pazifik ab und nicht wie früher ins Bering-Meer.

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Grund für die abrupte Flussumleitung sei das Abschmelzen des Gletschers, der mit 25 000 Quadratkilometern größer ist als Mecklenburg-Vorpommern, sagte Shugar. Die Gletscherzunge sei seit 1899 knapp zwei Kilometer zurückgegangen. Beide Phänomene seien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Die Chance, dass es eine andere Ursache gibt, liege bei eins zu 200.

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