Kino: Grüner Pionier setzt auf CO2-neutralen Filmbetrieb

Kino: Grüner Pionier setzt auf CO2-neutralen Filmbetrieb

von Benjamin Reuter

Ein Klimasünder, den man bisher nicht auf der Rechnung hatte: Der Kinobesuch. Ein Betreiber aus dem Schwäbischen zieht jetzt schonungslos Bilanz.

Oft sind es die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben. Das schreiben wir oft genug bei WiWo Green. Was aber auch einmal gesagt werden muss: Manchmal haben die kleinen Dinge nur eine kleine Wirkung. Was wäre zum Beispiel, wenn wir alle von heute auf morgen nicht mehr ins Kino gingen? Um das Klima zu schützen.

So viel sei an dieser Stelle schon verraten: Filmenthusiasten, die Science Fiction, Romanze und Comedy auf der großen Leinwand sehen, tragen nicht entscheidend dazu bei, dass Eisbären und Pinguinen die Lebensgrundlage unter den Pfoten wegschmilzt. An dieser Stelle also: Viel Spaß mit dem nächsten Kinofilm.

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Einmal nachzurechnen, wie es mit der Klimabilanz des Kinogangs aussieht, hält den Kopf aber fit wie Klimmzüge den Filmhelden Arnold Schwarzenegger. Also los.

Die nötigen Zahlen für die Rechnung liefert ein grüner Pionier aus dem Schwäbischen. Nämlich Elmar Bux, Betreiber des Kinos im Waldhorn in Rottenburg am Neckar nahe Tübingen. Ein Mitarbeiter des Kinos hat jetzt für seine Studien-Abschlussarbeit haargenau aufgeschlüsselt, wie die Ökobilanz eines Besuchs in dem Filmtheater ausfällt.

Die Anfahrt ist das ProblemBei einer Umfrage unter den Besuchern stellte sich heraus: Über zwei Drittel der Kinobesucher kamen mit einem PKW zur Vorstellung und nur rund 30% zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Bus oder Bahn werden kaum genutzt.

Hier also das Ergebnis: Für den Betrieb des Kinos im Waldhorn, inklusive der Anfahrt der Besucher, wurden 2011 insgesamt 52.466,37 kg CO2-Äquivalente (verschiedene Treibhausgase werden dabei in Kohlendioxid umgerechnet) in die Atmosphäre gepustet. Bei den 37,617 Gästen, die ins Kino kamen, macht das im Durchschnitt 1,4 Kilogramm CO2 pro Besuch. Die 52.466,37 Kilogramm teilen sich dabei wie folgt auf:

• Anfahrt der Besucher: 57% der gesamten CO2-Emissionen• Betriebsfahrten und Dienstreisen der Kinobetreiber: 9% der gesamten CO2-Emissionen• Heizung: ca. 8% der Emissionen• Strom: ca. 8% der Emissionen• Verzehr der Getränke und Süßigkeiten: ca. 8% der Emissionen• Druckerpapier: 15,56 kg CO2-Äquivalente• ausgeschenktes Bier: 560,73 kg CO2-Äquivalente

Die Frage ist nun, kann man diese Zahlen auf Deutschland hochrechnen? Das Problem hierbei: Die meisten Kinos stehen in Städten, die Anfahrtswege sind also kürzer als auf dem Land und öffentliche Verkehrsmittel werden häufiger genutzt. Vielleicht wird in den Städten im Kino auch mehr Bier getrunken, aber dafür in den Büros weniger Papier genutzt – wer weiß das schon. Vielleicht müssen die Säle in Kiel auch stärker beheizt werden und so weiter.

Wagen wir uns dennoch an die Überschlagsrechnung: Die deutschen Kinos zählten im Jahr 2011 (die Zahlen für 2012 fehlen noch) 129,6 Millionen Zuschauer. Falls das ländliche Schwaben und Rottenburg exemplarisch für ganz Deutschland steht – wie es durchaus nicht wenige inzwischen fürchten, zum Beispiel der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Thierse – käme das einem CO2-Ausstoß von 180.440 Tonnen gleich. Die Deutschen pusteten 2011 aber ganze 800 Millionen Tonnen CO2 in die Luft. Der Kinobesuch hatte an der Klimabilanz also einen Anteil von 0,00022 Prozent. Katastrophenfilmtauglich ist diese Zahl nicht.

Aber da das Kino durchaus noch als gesellschaftsrelevante Kunstform gilt, sollte man es vielleicht trotz des beinahe unsichtbaren Anteils an der Klimabilanz nicht so einfach aus der Verantwortung entlassen. Das findet auch Kinomann Elmar Bux. „Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen ist einer unserer Programmschwerpunkte. Die Erderwärmung ist beispielsweise ein solches Thema. Im Widerspruch dazu stand aber bisher unsere eigene betriebliche CO2-Emission“, sagte er schon 2009. Deshalb betreibt er sein Kino seitdem klimaneutral, indem er Aufforstungsprojekte in Uganda unterstützt.

Vielleicht ist es in diesem Fall ja wie in einem Hollywoodstreifen: Auch ohne große Wirkung, sind kleine Maßnahmen dort oft das Vorbild für größere gesellschaftliche Veränderung.

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