Kleidung: Recycling reinigt T-Shirts von Schadstoffen

Kleidung: Recycling reinigt T-Shirts von Schadstoffen

von Sandra Lukatsch

Kleidungshersteller setzen zunehmend auf recycelte Stoffe. Unternehmen wie Puma und Pyua gehen jetzt noch einen Schritt weiter.

Beim Stichwort Öko-Mode denkt man unweigerlich an Baumwollunterwäsche, Birkenstock und Jutesack. Stellt man sich einen Bergsteiger oder Fußballspieler in dieser Aufmachung vor, wird schnell klar: Baumwolle und Leinen können beim Sport nicht mithalten. Hier muss Synthetik her: High-Tech-Stoffe, die Wasser und Wind abwehren und den Körper atmen lassen.

Im Rahmen der Studie „Chemie für jedes Wetter“ suchte Greenpeace im Herbst vergangenen Jahres nach Schadstoffen in diesen Multi-Funktionsstoffen und wurde fündig: In jedem der 14 untersuchten Outdoor-Kleidungsstücken fanden sich Spuren von poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC).

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PFC sorgt dafür, dass Kleidung von außen und innen trocken bleibt. Laut dem Bundesverband der Deutschen Sportartikelindustrie e.V. gefährden die Substanzen nicht direkt die Nutzer von Outdoor-Jacken, Schlafsäcken oder Zelten, da sie sich in den Außenstoffen verstecken.

Jedoch bedrohen sie bei der Herstellung, beim Waschen und beim Recycling die Umwelt und indirekt auch die Gesundheit des Menschen: Sie reichern sich z.B. im Trinkwasser und über die Nahrungskette im menschlichen Organismus an und bauen sich nur schwer ab.

Chemie für jedes WetterEine Outdoor-Firma namens Pyua aus Norddeutschland hat ein System namens Closed-Loop-Recycling entwickelt, um diese Schadstoffe aus seinen Produktkreisläufen zu verbannen. Sie stellt Produkte aus Altkleidern und PET-Flaschen her, die nach Gebrauch erneut zu 100 Prozent recycelt werden können. Auch der Jeanshersteller Levis verwebt neuerdings altes Plastik in seinen Jeans.

Gemeinsam mit zwei Recyclingunternehmen erfasst Pyua jedes einzelne Textilstück, um es in weiteren Sortier- und Trennschritten neuen Produkten zuzuführen. Mit diesem System betragen der Energieverbrauch sowie der CO2-Ausstoß jeweils nur ein Fünftel im Vergleich zur ursprünglichen Polyestergewinnung. Somit wird der Abfall auf ein Minimum beschränkt und der Verbrauch von Rohöl vermieden.

Damit setzt der Hersteller auf das Prinzip „Cradle-to-Cradle“ (C2C). Der Begriff stammt von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough. Die Grundlage sind zwei Kreisläufe: der technische und der biologische. Bei dem technischen Kreislauf wird aus einem Produkt ein anderes hergestellt – so wie bei Pyua. Beim biologischen Kreislauf werden die Produkte so hergestellt, dass sie wieder in den Naturkreislauf hineinfließen können.

Ein Beispiel für den biologischen Kreislauf ist die neue „In-Cycle“-Kollektion von Puma. Der Sportartikelhersteller hat Turnschuhe und Shirts entwickelt, die sich vollständig biologisch abbauen. „Durch die Entwicklung dieser Kollektion haben wir wichtige Erkenntnisse gewonnen, die uns dabei helfen, alle besonders schädlichen Chemikalien und Substanzen aus unserer Produktionskette zu verbannen“, sagt Stefan Seidel, Leiter des Programms PUMA.Safe Ecology.

Ein guter Anfang – ohne EndeDass wir alle „neuen“ Altkleider und Schuhe künftig nur noch bequem in die Biotonne oder auf den Komposthaufen werfen können, bleibt aber vorerst nur ein schöner Gedanke: „Die gesamte PUMA-Produktion komplett auf das C2C-Prinzip umzustellen, ist nach dem derzeitigen Stand der Technik nicht möglich", sagt Seidel. Besonders bei den Schuhen seien viele verschiedene Werkstoffe in einem Modell zusammenfügt. Diese wieder zu trennen und zu recyceln, sei mit den momentan vorhandenen Verfahren noch nicht vollständig möglich. Zudem sind die Kosten hoch.

Der Konsument muss sich also noch etwas gedulden, bis er seinen gesamten Kleiderschrank mit Recycling-Stoffen füllen kann. Aber Pyua hat immerhin eine Lösung für das Problem gefunden, dass Endverbraucher alte Kleidungsstücke einfach in den Hausmüll werfen.

Um das Recycling-System zu vereinfachen, kooperiert Pyua nach eigener Aussage als erstes Sportunternehmen weltweit mit Firmen, die professionell Altkleider sammeln. Damit ist die Rücknahme von gebrauchter Funktionsbekleidung nicht mehr – wie bisher – an das Engagement der Händler gebunden.

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