Kleidung: Start-up verkauft fehlerhafte Fernost-Massenware an Designer

Kleidung: Start-up verkauft fehlerhafte Fernost-Massenware an Designer

von Lea Deuber

Jeden Tag landen tonnenweise fehlerhaft produzierter Kleidung auf dem Müll. Bunny Yan verkauft diese an Designer.

Eigentlich wollte Bunny Yan eine eigene Mode-Marke gründen. Die 34-Jährige Designerin wurde in China geboren, als sie zwölf Jahre alt war wanderte ihre Familie in die USA aus. Bei ihrer Suche nach einem Fabrikanten für ihre erste eigene Linie suchte sie auch in ihrer alten Heimat nach einem geeigneten Produzenten für ihre Kleidung.

In einer Fabrik, die sie besuchte, waren gerade knapp 1000 Arztkittel hergestellt worden waren – allesamt im falschen Blauton. Die Fabrik konnte sie nicht mehr verkaufen und wollte sie deshalb wegwerfen. Eine Schande, dachte Yan damals.

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Heute sind die Arztkittel zu Umhängetaschen verarbeitet. "Die kann man tausendmal waschen und sie sind trotzdem noch gut", sagt Yan. In einem Produktionsland wie China fallen täglich unzählige Tonnen an Stoffen an, die fehlerhaft produziert wurden. Allein in Shanghai gibt es 17.000 registrierte Fabriken. Bis zu fünf Prozent ihrer Aufträge sind im Schnitt mangelhaft.

Bei der Massenproduktion von Kleidung legt niemand Wert auf diese fünf Prozent - Yan sah genau darin eine Chance. Sie schloss sich mit einem befreundeten französischen Fashion-Designer zusammen, Nico Bouthors, und eröffnete einen kleinen Laden in Shanghai. Dort verkauften sie die aus den überschüssigen Materialien kreierten Produkte lokaler Designer.

"Eichhörnchen" sammeln fehlerhafte KleidungUm zu expandieren, begab sich das Duo Anfang 2015 auf die Suche nach Inkubatoren. Im Frühjahr wurden sie in ein Accelerator-Programm in Shanghai aufgenommen, bei der sie Beratung und Kapital für die Gründung ihres Start-ups "The Squirrelz" bekamen. Zwei Monate später vertraten Yan und Bouthors bereits das Land China beim Challenge Cup by 1776, einem internationalen Start-up-Wettbewerb. Dafür durften sie in die USA fahren und ihre Idee im Weißen Haus vorstellen.

Mittlerweile haben Yan und ihr Partner ihren Laden geschlossen und ihre Idee komplett ins Netz verlagert. Über ihre Webseite kann man heute einerseits die Produkte von rund 50 Designern kaufen. Darunter Geldbörsen, Teddybären und Schmuck, gefertigt beispielsweise aus alten Fischfutter-Säcken.

Dafür kassieren sie eine saftige Provision, immerhin rund die Hälfte des Verkaufspreises. Dafür kümmern sie sich auch nicht nur um die Materialien, sondern auch um Service und Verkauf - gerade das können oder wollen sich Designer häufig selbst nicht leisten.

Massenweise Stoffreste für wenige DollarDie Materialien, die Yan in den chinesischen Fabriken aufgestöbert hat, können sie auch über die Plattform beziehen. sie verschickt diese auf Anfrage weltweit an kreative Köpfe. Die finden dort für ein paar Dollar nicht nur Stoffe, sondern auch Knöpfe, Holzreste und Uhrwerke. Der Vorteil an den Massenproduktions-Ausschüssen: "Alle unsere Designs können wieder als Massenware gefertigt werden, weil sie häufig in großer Stückzahl anfallen", erklärt Yan.

Vor allem in den USA, Kanada und Australien steigt die Nachfrage nach ihren Materialien. Auch der Verkauf der Produkte läuft dort am besten. In China finden viele Menschen recycelte Produkte immer noch unhygienisch. Selbst die Produkte aus den aufgewerteten Resten und fehlerhaft produzierten Klamotten, die Yan aus den Fabriken mitbringt und damit "upcycelt", mögen viele Chinesen nicht. Aber auch hier findet ein Umdenken statt, glaubt Yan.

Mittlerweile hat "The Squirrelz" zehn Mitarbeiter. Im kommenden Jahr soll das Start-up schwarze Zahlen schreiben. Ihr Ziel: Den Leuten klar machen, dass Öko nicht viel kosten muss. Probleme damit, neue Materialien zu bekommen, haben Yan und Bouthors indes nicht. Mittlerweile hätten sie mehr Nachfrage auf Seiten der Fabrik, also sie überhaupt verarbeiten können: "Es ist einfach Fabriken zu erklären, dass wir für ihren Müll zahlen wollen", sagt Yan.

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