Klima-Vorbilder: Wie Vancouver, Schweden und Niederösterreich der Umwelt helfen

Klima-Vorbilder: Wie Vancouver, Schweden und Niederösterreich der Umwelt helfen

von Sabrina Keßler

Die ersten Länder und Städte haben ihre Klima-Zaiele bereits erreicht. Drei Beispiele.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den die Politiker auf dem Pariser Klima-Gipfel dieser Tage antreten. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die Menschheit ein Atmosphären-Problem hat, doch geschehen ist bislang nur wenig. „Paris“, sagt der renommierte US-Klimaforscher Michael Mann, „ist wahrscheinlich die letzte Chance, die nötigen Emissionsreduzierungen noch auf den Weg zu bringen.“ Ein ehrgeiziges Ziel, das für viele unerreichbar scheint.

Dass es aber mit genügend Anstrengung durchaus funktionieren könnte, beweisen einige Länder und Städte bereits heute. Ein Vorreiter seit Jahren: Vancouver. Die Metropole an der Westküste Kanadas will bis 2020 die grünste Stadt der Welt werden. Dabei helfen soll unter anderem ein neuartiger Straßenbelag, der nicht nur Energie sparen, sondern vor allem die Müllberge der Stadt verringern könnte: Der grüne Asphalt besteht nämlich größtenteils aus recyceltem Plastik.

Anzeige

Vancouver: 300 Tonnen weniger CO2Die Idee stammt von der kanadischen Firma GreenMantra, ein Spezialist für Umwelttechnologien und Innovationen im Umweltsektor. Monatelang tüftelten die Ingenieure an einem Belag, der Wasserflaschen und Plastiktüten ein zweites Leben verleiht. Durch ein innovatives Verfahren wird der Abfall erst eingeschmolzen und danach als wachsartige Masse auf die Fahrbahn aufgetragen. „Dieser neue Straßenbelag ist gut für die Arbeiter und die Umwelt“, betont Peter Judd, Technik-Beauftragter der Stadt Toronto.

Das neuartige Verfahren reduziert dabei nicht nur die Müllberge der Stadt, sondern spart gleichzeitig bis zu 20 Prozent Energie. Während herkömmlicher Asphalt nämlich auf circa 160 Grad Celsius erhitzt werden muss, um ihn gleichmäßig auftragen zu können, reicht dem Plastik eine Arbeitstemperatur von 40 Grad Celsius. Grund ist die Viskosität der wachsartigen Masse, die bereits durch das Einschmelzen des Plastiks entsteht. Mindestens 20 Prozent Treibstoff zum Erhitzen – und damit eine enorme Menge CO2 – werden so bereits an den Mischanlagen vermieden. Die Stadt beziffert die Einsparungen auf 300 Tonnen CO2 jedes Jahr.

Auch bei den Kosten könnte Vancouver dank des Recyclingbelags sparen. Zwar sei der Plastikasphalt etwa ein bis drei Prozent teurer als herkömmlicher Belag, sagt Judd. Doch durch die steigenden Spritpreise könne die Stadt langfristig einen hohen Geldbetrag sparen.

Schweden: Nachhaltigstes Land der ErdeMindestens ebenso ehrgeizig kämpft Schweden gegen den Klimawandel. Obwohl schon jetzt bereits zwei Drittel des Landes mit Strom aus nicht fossilen Quellen versorgt werden, möchte Schweden ein klares Zeichen in Sachen Umwelt setzen: Das Königreich im Norden Europas will als eines der ersten Länder der Welt komplett auf fossile Brennstoffe verzichten.

Schon ab dem Jahr 2050 soll sich das Land komplett mit erneuerbaren Energien versorgen. Finanziert werden soll die Wende mit zusätzlichen Steuern auf fossile Brennstoffe. Dadurch sollen rund 485 Millionen Euro zusammenkommen, die die Regierung bereits für 2016 eingeplant hat. Allein für Sonnenenergie wurde das Budget um 800% erhöht.

Der Titel „Nachhaltigstes Land der Erde“ ist Schweden damit schon jetzt sicher. Nicht zuletzt, weil das Königreich erstaunliche 99 Prozent seines Mülls recycelt. Und auch die noch bestehenden zehn Atomkraftwerke sollen in den nächsten Jahren nach und nach geschlossen werden, wie der Ecologist berichtet.

Niederösterreich: Komplett ohne fossile EnergienWährend einige Länder noch Ziele definieren, hat Niederösterreich seine Pläne bereits erreicht: 100 Prozent des Stroms kommen seit diesem Jahr aus erneuerbaren Energien. 59 Prozent davon stammen aus Großwasserkraft, gefolgt von 26 Prozent aus Windkraft, neun aus Biomasse, vier aus Kleinwasserkraft und zwei Prozent aus Photovoltaik. "Wir sind unabhängig von Strom aus fossilen Energieträgern", stellte Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) fest.

Für diesen Erfolg hat das größte Bundesland Österreichs ordentlich investiert: Seit 2002 flossen rund 2,8 Milliarden Euro in den Ökostromausbau. Auf dem Erfolg werde sich das Land dennoch nicht ausruhen, versprach Pröll. Weil der Strombedarf weiter steige, sei ein konsequenter Ausbau notwendig. Bis 2030 sollen demnach 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Niederösterreich aus erneuerbarer Energie kommen.

Trotz Erfolg, ist auch in Niederösterreich noch Luft nach oben in Sachen Klimaschutz. Während Niederösterreich bilanziell rund 100 Prozent der verbrauchten Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen vorweisen kann, läuft das Kohlekraftwerk Dürnrohr nach wie vor. Dabei ist Kohle der klimaschädlichste und gesundheitsschädlichste fossile Energieträger, wie die Umweltschutzorganisation Global 2000 betont. Das Stromziel Niederösterreichs ist damit zwar ehrenwert, aber nur ein Etappensieg auf dem Weg zu einer umweltfreundlichen Zukunft.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%