Klimabericht des Weißen Hauses: USA spüren Erderwärmung heute schon

Klimabericht des Weißen Hauses: USA spüren Erderwärmung heute schon

von Jan Willmroth

Die US-Regierung warnt: Schon heute sei der Klimawandel für viele Amerikaner zu spüren - und es wird noch schlimmer.

Die USA haben sich Zeit gelassen. Bislang war das Land nicht gerade dafür bekannt, bei internationalen Konferenzen für einen ambitionierten Klimaschutz zu trommeln. Bis heute sind die USA und Kanada die einzigen Staaten, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben.

Mit dem Demokraten Barack Obama auf dem Chefsessel der Nation begann eine Kehrtwende – im Juni 2013, 16 Jahre nach der Klimakonferenz in Kyoto. „Wir werden auf die Bedrohung des Klimawandels in dem Wissen reagieren, dass wir unsere Kinder und zukünftige Generationen verraten würden, wenn wir scheitern“, sagte Obama bei der Vorlage seines Klima-Aktionsplans (hier als PDF) im vergangenen Jahr.

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Kernpunkte des Plans waren eine Verringerung der CO2-Emissionen, eine Vorbereitung der USA auf die Folgen des Klimawandels und eine Führungsrolle bei internationalen Verhandlungen für den Klimaschutz.

Jetzt, ein knappes Jahr nach der Vorlage des Plans und nicht einmal zwei Monate nach Veröffentlichung des neuesten UN-Berichts zum Klimawandel, setzt die Obama-Administration noch einen drauf:

Der dritte Climate Assessment Report des Weißen Hauses (hier als PDF) ist voll von Warnungen vor den Folgen des Klimawandels für die USA. Und - vielleicht noch wichtiger: Der Bericht macht erstmals deutlich, wie die Bürger in vielen Teilen der USA schon heute diese Folgen zu spüren bekommen.

Klimawandel wird zur Maßgabe der US-UmweltpolitikDer Bericht ist ein im wahrsten Wortsinn gewichtiges Werk und wurde von 300 Klimawissenschaftlern in dreijähriger Arbeit erstellt. Auf mehr als 800 Seiten enthält er detaillierte Analysen, die zeigen, wie wärmere Temperaturen schon heute Landwirtschaft, Infrastruktur, biologische Vielfalt und menschliche Gesundheit in den USA beeinflussen. Unter anderem durch mehr Extremhitzen, Überschwemmungen an den Küsten, stärkere Niederschläge und häufigere Waldbrände.

Der wissenschaftliche Chefberater im Weißen Haus, John Holdren, stellte den Bericht am Dienstag vor. „Dessen Quintessenz ist: Der Klimawandel ist keine entfernte Bedrohung. Er betrifft schon heute die unterschiedlichen Regionen des Landes“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Welche Ergebnisse besonders bemerkenswert sind? Wir fassen einige zentrale Aussagen des Berichts zusammen.

So trifft der Klimawandel die USA

  •  

    Temperaturen:

    Wenn man den menschengemachten Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre herausrechnen würde, hätte sich die Atmosphäre während der vergangenen 60 Jahre sogar abgekühlt, schreiben die Forscher. Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im 19. Jahrhundert habe sich die Durchschnittstemperatur in den USA um 0,7 bis 1,1 Grad Celsius erhöht – wobei ein Großteil des Anstiegs seit den 1970er Jahren passierte. Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste in der Geschichte der USA.



  • Extremwetter:

    Hitzewellen und Dürren im Süden und Südwesten, Überschwemmungen im Osten, heftige Niederschläge im ganzen Land – all diese Wetterereignisse haben laut dem Bericht zugenommen und werden zu einem immer größeren Problem. Beispielsweise sei die Trinkwasserversorgung in vielen Teilen des Landes immer häufiger bedroht. Auch die Zahl und Intensität der Winterstürme hat seit den 1950er-Jahren zugenommen.



  • Küstengebiete:

    Mehr als die Hälfte (!) aller US-Amerikaner lebt in Küstengebieten. Bei steigendem Meeresspiegel und einer Zunahme tropischer Stürme wären sie besonders gefährdet. Auch wenn der Einfluss des Menschen darauf noch nicht geklärt ist: Die Intensität, Frequenz und Dauer von Hurrikanen – insbesondere der stärksten – hat seit den Achtzigerjahren zugenommen.
  • Infrastruktur:

    Die drei bisher genannten Punkte sorgen für eine enorme Belastung der Infrastruktur, von Straßen und Gebäuden über Stromleitungen bis zur Wasserversorgung.
  • Gesundheit:

    Die sozial Schwachen sind laut dem Report am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen, also Alte, Kranke, Geringverdiener und Arbeitslose, sowie Kinder. Beispiele sind eine verlängerte Allergie-Saison, Luftverschmutzung durch Waldbrände, Hitzewellen und andere Folgen.

Kritik von der Opposition: "politisches Instrument"Erwartungsgemäß sind nicht alle US-Politiker mit dem Report glücklich, denn er lässt offen, wie die Wissenschaftler temporäre Wetterphänomene von durch den Menschen verursachte, dauerhafte Klimaveränderungen unterscheiden können.

Lobbygruppen, die der Öl- und Gasindustrie nahe stehen, konservative Thinktanks und republikanische Senatoren nannten den Bericht denn auch schnell "alarmistisch". Republikanische Politiker kanzelten den Report als politisches Instrument ab, das Obama nutzen wolle, um Regularien durchzudrücken, die der Wirtschaft schadeten.

"Selbst wenn wir den Energiesektor so regulieren, wie es der Präsident anscheinend will, wäre es unwahrscheinlich, damit die weltweiten Emissionen sinnvoll zu beeinflussen, wenn nicht andere große Industrieländer das Gleiche tun", sagte Senator Mitch McConnell, Fraktionschef der Republikaner im US-Senat, laut CNN.

Ob und inwieweit die "anderen Länder" bei der 2015 anstehenden Klimakonferenz in Paris mitziehen werden, steht noch nicht fest. Aber es kann nicht schlecht sein, wenn die USA als weltweit zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasemissionen ihre Klima-Politik ernster nehmen - auch, wenn die Regierung dazu einen drastisch formulierten Forschungsbericht braucht.

Linktipp: Die US-Regierung hat eine interaktive Webseite zu dem Report erstellt, auf der man sich durch die unterschiedlichen Ergebnisse klicken kann. Wie Obama zum Klimaschützer wurde, beschreibt die US-Tageszeitung Washington Post hier.

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