Klimabilanz: So rechnet sich die EU grün

Klimabilanz: So rechnet sich die EU grün

von Benjamin Reuter

Die Europäische Umweltagentur rühmt sich der Erfolge beim Klimaschutz. Doch die sind schöngerechnet - in Wahrheit steigt der CO2-Ausstoß.

Europa als Klimaprimus. So sehen viele Menschen auf der Welt die Staatengemeinschaft - stehen nicht bei uns die meisten Windräder, liegen in Spanien nicht die meisten Solarmodule auf den Dächern? Trennen wir nicht Müll wie die Weltmeister und bauen Fiat, Renault und Volkswagen nicht immer sauberere Autos?

Den Nachweis für den Klassenbesten-Platz beim Klimaschutz liefert jetzt die EU anhand von Zahlen nach. Wie Reuters berichtet, sanken die CO2-Emissionen in der EU im Jahr 2011 auf den niedrigsten Stand seit 1990 - nämlich um ganze 3,3 Prozent verglichen mit dem Jahr 2010. Die Europäische Umweltagentur, die die Daten erhebt, gab zwar zu, dass ein besonders milder Winter für die frohe Kunde gesorgt habe.

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Dennoch lies es sich Jacqueline McGlade, die oberste Umweltschützerin in Europa, nicht nehmen festzustellen: Europa sei auf dem besten Weg sein Klimaziel bis 2020 zu erfüllen. Das Ziel sieht vor, bis dahin die Emissionen an Treibhausgasen im Vergleich mit 1990 um zwanzig Prozent zu senken. Da kommt ihr sicherlich auch entgegen, dass die Emissionen zwischen 2011 und 2012 wohl noch einmal um rund zwei Prozent gefallen sind. Besonders großen Anteil haben daran Großbritannien, Deutschland und Spanien, die alle sehr viel weniger CO2 emittieren als noch vor einigen Jahren.

Eine schöne Geschichte, durchaus. Wenn sie nur stimmen würde. Die Wahrheit aber sieht anders aus.

Denn die Klimabilanz der EU, das haben inzwischen mehrere Studien nachgewiesen, ist nur deshalb so gut, weil die Emissionen im wahrsten Sinne des Wortes exportiert wurden. Und das geht so: Mit der Verlagerung von Industrie und Produktionsstätten in die Schwellenländer der zweiten und dritten Welt wie China, sind auch die großen Verschmutzer abgewandert. Schaut man sich dagegen den CO2-Fußabdruck der Produkte an, die wir importieren und konsumieren, sind die Emissionen in der EU sogar gestiegen.

Mit dem iPhone kommt auch CO2 aus ChinaBeispiel Großbritannien: Hier fand eine Parlamentskommission im vergangenen Jahr heraus, dass die territorialen Emissionen zwar seit 1990 um 23 Prozent gesunken seien, aber der CO2-Ausstoß durch die importierten und konsumierten Waren aus Asien insgesamt gestiegen sei. Auf der Insel fällt der Effekt allerdings besonders hoch aus, weil kaum mehr produzierende Industrie im Land verblieben ist.

Aber der Befund gilt auch weltweit. Erstmals berechnete im Jahr 2011 eine Forschergruppe, ob die entwickelten Nationen wirklich so viel Fortschritte beim Klimaschutz gemacht haben. Das Ergebnis: Zwischen 1990 und 2008 stiegen die Emissionen um insgesamt fünf Prozent, wenn man die Importe von Produkten von Schwellenländern in die Industrieländer mit einbezieht.

Tatsächlich sammelt auch die EU Daten, die die wirkliche CO2-Bilanz seiner Bürger und Staaten aufschlüsselt, allerdings gibt es diese Zahlen nur für das Jahr 2006 (hier als PDF). Norweger Forscher haben aber genauer nachgerechnet: Schließt man die importierten Emissionen in die Bilanz mit ein, dann stieg der CO2-Ausstoß in Westeuropa zwischen 1990 und 2008 um 3,7 Prozent.

Bis jetzt dürfte sich an den Daten nicht viel geändert haben und ihre Aussage deshalb immer noch stimmen: Ein Klimaprimus sieht anders aus.

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