Klimafinanzierung: Das 100-Milliarden-Dollar-Versprechen

Klimafinanzierung: Das 100-Milliarden-Dollar-Versprechen

von Peter Vollmer

100 Milliarden US-Dollar will die Weltgemeinschaft ab 2020 jährlich für Klimaschutz ausgeben. Welche Instrumente helfen?

Klimafinanzierung ist ein seltsames Wort – schließlich kümmert sich das Klima nicht um Finanzen. Uns Menschen zwingt der Klimawandel allerdings dazu, Treibhausgas-Emissionen drastisch zu senken. Die meisten Industrieländer formulieren ehrgeizige Sparziele, die für Entwicklungsländer aber nicht erreichbar sind: Dort fehlt schlicht das Geld für Wärmedämmung, Wiederaufforstung oder den Aufbau von Solarparks.

Da weltweite Klimaschutzmaßnahmen auch im Interesse der wohlhabenden Staaten liegen, zahlen sie – in Form von Klimafinanzierung. In den vergangenen Jahren überwiesen sie zwar jährlich einige Milliarden Dollar, allerdings im niedrigen einstelligen Bereich. Die Kosten, die der weltweite CO2-Ausstoß verursacht, sind mehr als zweihundertmal so hoch.

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In Kopenhagen beschloss die Weltgemeinschaft deshalb, ihre Zahlungen ab 2020 auf 100 Milliarden US-Dollar jährlich anzuheben. Nun wird im Rahmen der Lima-Konferenz erneut über Klimafinanzierung diskutiert.WiWo Green zeigt, welche Formen der Finanzierung Staaten, UN-Institutionen und Privatwirtschaft bieten, um den Klimaschutz zu bezahlen.

Die UN: Fonds und KonferenzenDie Vereinten Nationen (UN) haben in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Fonds und Mechanismen eingerichtet, die Geld für Klimaschutz-Projekte zur Verfügung stellen. Alle waren und sind der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) zugeordnet. Dieses Abkommen wurde 1992 in New York beschlossen, um eine Störung des Weltklimas zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen. Das Sekretariat sitzt in Bonn und sammelt jährlich die Emissionsberichte der Unterzeichnerstaaten. Eine wissenschaftliche Analyse der UNFCCC-Instrumente bietet Germanwatch an.

Auf der Klimakonferenz von Cancun 2010 einigten sich die Staaten allerdings auf die Gründung eines weit umfassenderen Fonds, dem "Green Climate Fund" (GCF). Über den GCF soll der größte Teil der zugesagten 100 Milliarden Dollar verteilt werden. Dieser sitzt in Südkorea, ist aber auch der UNFCCC untergeordnet. Vertreter von Nichtregierungs-Organisationen loben, dass auch Vertreter kleiner und wirtschaftlich schwacher Staaten im GCF-Direktorium sitzen.

Staatliche und Private: Das Chaos der FördererNeben den UN-Fonds gibt es noch zahlreiche weitere Fonds und Mechanismen der Klimafinanzierung. Dahinter stehen einerseits Staaten, andererseits staatlich geförderte Unternehmen, wie in Deutschland etwa Initiativen der KfW. In den USA sitzt die globale Umweltfazilität, die 1992 im Vorfeld von Rio auf deutsch-französische Initiative gegründet wurde. Unternehmerisch arbeitet etwa die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Nicht zuletzt bringt sich auch die Weltbank bei der Förderung von Umweltmaßnahmen ein.

Wobei der Begriff der Förderung dehnbar ist. Manche Initiativen verleihen Geld zu günstigen Konditionen, andere bezuschussen Projekte. Diese Vielzahl an Fonds hat den Nachteil, dass die Entwicklungsländer sich einer Kakophonie möglicher Geldquellen und Ansprechpartner gegenübersehen. Um Übersicht bemüht sich die Seite "Clima Funds Updates".

Die Staaten: Musterknabe DeutschlandDer größte Beitrag zur Klimafinanzierung kommt allerdings von den Staaten. Und die zieren sich gern: Der Begriff der Klimafinanzierung ist völkerrechtlich nicht definiert, was viele Staaten nutzen, um sich vor Zahlungen zu drücken oder sie herauszuzögern. Manche rechnen bestehende Entwicklungshilfen in neue Zusagen hinein. Auch Deutschland etikettierte schon mal die Kosten archäologischer Projekte als Klimaschutzausgaben.

Dennoch gehört Deutschland im Vergleich zu anderen Länder zu den spendabelsten Geldgebern. In den vergangenen Jahren hat es Ausgaben für die Klimafinanzierung rapide aufgestockt (siehe Grafik). Einen Überblick über die deutschen Projekte bietet die "Datenbank Klimafinanzierung", die vier deutsche Nichtregierungsorganisationen eingerichtet haben.

Verursacher und Betroffene: Umweltschutz wird eingepreistDabei sind sich Ökonomen einig, dass Umweltverschmutzung am besten von Verursachern und Betroffenen ausgehandelt werden sollte. (Über das Coase-Theorem schrieben wir bereits.) Dieser Idee folgt der Handel mit Emissionszertifikaten, welchen die EU vor über zehn Jahren beschlossen hat. Die Idee: Ein bestimmtes Maß an Umweltverschmutzung wird staatlich erlaubt und den Unternehmen zugestanden, die dafür am meisten bezahlen. Doch die Umsetzung ist nicht ohne Probleme.

Ähnlich funktioniert die Luftverkehrsabgabe, die es in zahlreichen EU-Staaten und seit 2010 auch in Deutschland gibt. Knapp eine Milliarde Euro verdient Deutschland im Jahr daran, dafür gingen die Passagierzahlen um etwa zwei Millionen zurück (etwa 1,1 Prozent des Gesamtaufkommens), so eine Schätzung des Finanzministeriums.

Umweltorganisationen nannten die Abgabe deshalb auch einen Schritt in Richtung "Kostenwahrheit". Und dieser ist auch privat möglich: Konzerte, Schokolade und Kinobesuche gibt es mittlerweile CO2-neutral, die Anbieter gleichen die entstehenden Emissionen über Zahlungen an entsprechende Umwelt-Projekte aus. Würden alle Unternehmen ihren Schadstoff-Ausstoß so einpreisen, könnten die Staaten ihr 100-Milliarden-Dollar-Versprechen in Lima besten Gewissens einmotten.

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