Klimagipfel in Paris: Erfolg ist schon jetzt bedroht

Klimagipfel in Paris: Erfolg ist schon jetzt bedroht

von Susanne Ehlerding

Im Dezember soll der Klimagipfel in Paris die Erderwärmung bremsen. Die Vorbereitungen machen wenig Hoffnung, dass das gelingt.

Ende des Jahres könnte es endlich so weit sein: Bei der nächsten großen Klimakonferenz in Paris sollen die Staaten der Welt ein neues Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasen beschließen und damit die Erderwärmung bremsen. Schon jetzt läuft sich die Klimadiplomatie dafür warm.

2009 in Kopenhagen war der erste Anlauf gescheitert, ein tragfähiges Abkommen für künftigen Klimaschutz zu finden. Auf der Konferenz im peruanischen Lima im vergangenen Dezember wurden dann zumindest erste Schritte gemacht, um einem neuen Klimavertrag näher zu kommen.

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Staaten sollen Klimaziele präsentieren

Doch schon jetzt haben die Staaten sich nicht an die in Peru geschlossenen Vereinbarungen gehalten. Dort hatten sie sich unter anderem dazu verpflichtet (wenn auch freiwillig), ihre Ziele für die Treibhausgas-Reduzierung zu melden.

Zum Stichtag Ende März legten allerdings nur sieben Länder oder Staatengruppen Ziele vor, um wie viel sie ihren Kohlendioxidausstoß senken wollen: Die EU und die Schweiz, Mexiko, Norwegen, Russland, die USA und Gabun.

„Wenn es bisher nicht mehr waren, liegt es daran, dass diese Länder noch im Dialog mit ihren Stakeholdern sind“, sagte Bérengère Quincy, eine von vier Sonderbotschaftern Frankreichs für den Klimagipfel kürzlich bei einer Podiumsdiskussion der französischen Botschaft in der TU Berlin.

Es war eine der vielen offiziellen und informellen Veranstaltungen, mit denen Frankreich ein erfolgreiches Abkommen vorbereiten will. Die aktuelle Verzögerung bei der Einreichung der Ziele zeigt, wie viel noch zu tun ist.

Spätestens bis zum 1. Oktober aber müssen alle Nationen ihre Intended Nationally Determined Contributions, also ihre Reduktionsziele, an das Sekretariat der Klimarahmenkonvention UNFCCC melden. Dann berechnen Experten dort bis zum 1. November, wie stark diese Beiträge dem Ziel nahe kommen, eine Erderwärmung von zwei Grad Celsius nicht zu überschreiten.

Auf dieses Minimalziel konnten sich die Staatschefs 2009 in Kopenhagen immerhin einigen. Am 30. November beginnt dann die Konferenz, in die die Berechnungen einfließen werden.

Neues Abkommen schon jetzt in Gefahr

Die Befürchtung, dass der Stichtag Anfang Oktober zu spät sein könnte, hatte schon vor der Konferenz in Lima Wolfgang Obergassel geäußert, Klimaexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Damals sagte er: “Wichtig bei den Angeboten zur Bekämpfung des Klimawandels wird sein, dass sie überprüft werden und dass die Staaten gegebenenfalls nocheinmal nachlegen können.” Neben Emissionszielen seien auch konkrete Maßnahmen bei den erneuerbaren Energieträgern, der Energieeffizienz und anderen Bereichen nötig.

Auf der Pariser Konferenz selbst nämlich wird kaum Zeit bleiben, die Klimaziele der einzelnen Staaten zu diskutieren und gegebenenfalls nachzubessern. Sind die Ziele zu Beginn des Treffens zu niedrig angesetzt, wird der Klimagipfel mit großer Wahrscheinlichkeit wieder scheitern.

Die Bedenken, dass das Zwei-Grad-Ziel mit den Meldungen verfehlt wird, teilen auch andere. „Wir wissen schon, dass es nicht genug sein wird“, hatte UNFCCC-Generalsekretärin Christiana Figueres bei der Vorstellung des jüngsten UNEP-Gap-Report in Berlin gesagt. Der Report beziffert die Größe der Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Schon jetzt spannen die Klimadiplomaten deshalb ein Art doppelten Boden auf, um auch ein unambitioniertes Abkommen in Paris gut aussehen zu lassen. Im neuen Abkommen soll ein sogenannter Wagenheber-Mechanismus stehen (ratcheting up). Alle fünf Jahre müssten die Staaten je nach Stand des bisher Erreichten einen Zahn bei der Reduktion von Treibhausgasen zulegen. Hinter einmal erklärte Ziele dürfte kein Land zurückfallen.

Dass jetzt schon Maßnahmen ergriffen werden, die unambitionierte Klimaziele auffangen, ist diplomatisch vielleicht klug. Ein Zeichen, dass die Weltgemeinschaft ernsthaft etwas gegen die Erderwärmung unternehmen will, sieht aber anders aus.

Was dennoch Hoffnung macht: Immerhin sind die Kohlendioxid-Emissionen 2014 laut der Internationalen Energieagentur (IEA) überraschend nicht gestiegen, obwohl die Weltwirtschaft leicht wuchs. Genauere Zahlen will die IEA im Juni bekanntgeben.

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