Klimamarsch in Berlin: 10.000 Menschen gegen die Erderwärmung

Klimamarsch in Berlin: 10.000 Menschen gegen die Erderwärmung

von Lisa Hegemann

Tausende Menschen demonstrieren auf dem Klimamarsch in Berlin für eine klimafreundlichere Politik.

Es ist ein Protest gegen die Erderwärmung und es mutet fast ironisch an, dass das Außenthermometer ausgerechnet an diesem Sonntag bei gerade einmal gut ein Grad Celsius steht. Trotz der Kälte sind Tausende zum Berliner Hauptbahnhof gekommen, mit gelben Fahnen, mit runden Schildern, mit selbstgebastelten Plakaten. „Hört auf, uns zu verkohlen“ steht darauf, „Wir haben keinen Planet B“ oder „Erneuerbare Energiewende jetzt!“

Sie alle wollen in Berlin ein Zeichen setzen, ein Ausrufezeichen in Richtung Politik. Damit die Staats- und Regierungsvertreter auf der UN-Klimakonferenz in Paris endlich ein neues Abkommen erzielen. Die Menschen in Berlin setzen dieses Zeichen nicht allein. Auch in Sydney und Melbourne, in London, in Hongkong, in New York gingen Zehntausende auf die Straßen.

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„Die ganze Welt steht auf fürs Klima“Nur in der französischen Hauptstadt, dem Veranstaltungsort, durften wegen den Terroranschlägen vor zwei Wochen keine Proteste stattfinden. Dort fanden Klima- und Umweltschützer einen anderen Weg, um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen.

http://twitter.com/LorenzBeckhardt/status/670893263730143232

In Berlin dürfen sie laufen, zwei Stunden lang marschieren die Demonstranten durch die deutsche Hauptstadt, sie rufen Parolen wie „Kohle stoppen, Klima schützen“ und „Die ganze Welt steht auf fürs Klima – Berlin, Sydney, Tansania“. Vertreten sind alle Altersklassen, Eltern mit ihren Kindern, Rentner, junge Aktivisten. Ein Vater schiebt einen Kinderwagen, in dem eine Flagge im EU-Stil steckt, nur bilden den Kreis nicht die üblichen Sterne, sondern Windräder. Ein Aktivist tanzt im Drachenkostüm vor einem Wagen mit Musik. Gymnasiastinnen unterhalten sich über ihre Leistungskurse.

Sie laufen, auch für das Symbol, am Wirtschafts- und Energieministerium vorbei, am Bundesverkehrsministerium, an der Hauptstadt-Zentrale von Vattenfall. Das Ziel eint sie: keine Kohle, kein Fracking, keine Atomkraft. Das Ziel eint auch die Organisatoren. Sieben Umwelt- und Klimaschutzverbände haben sich zusammengetan – Greenpeace, Oxfam, WWF, Campact, Avaaz, der Naturschutzbund (Nabu), die Klima-Allianz.

Der Wunsch nach VerbindlichkeitAuch deswegen sprechen die Organisatoren von „wir“. „Wir wurden sehr enttäuscht in Kopenhagen“, ruft Avaaz-Kampagnenleiter Christoph Schott, der erste Redner, als der Klimamarsch am Brandenburger Tor angekommen ist. Applaus von Menschen unter Regenschirmen und in Plastikjacken, es regnet inzwischen. Es gehe voran, sagt Schott, er zitiert Statistiken und Zahlen, er vermittelt Aufbruchsstimmung, lässt das Publikum „Einhundert Prozent“ rufen. Vielleicht lässt sich was verändern, vielleicht hören sie in Paris zu.

Für den Fall, dass eine gewisse Politikerin im Bundeskanzleramt zusieht, hat Greenpeace einen riesigen Ballon aufgeblasen, eine Erdkugel, deren Kraftwerke Rauch ausblasen. „Frau Merkel, Klima schützen. Kohle stoppen!“, heißt es darauf.

Die Teilnehmer hoffen mit den Organisatoren, auf ein Abkommen in Paris, deswegen sind sie gekommen. Eine junge Frau bringt ihre Hoffnungen mit einem Wort auf den Punkt: „Verbindlichkeit.“ Die Massen dürften nicht mehr mit einem Moment befriedigt werden, es müsse in Paris ein langfristiges Ziel her. Eine weitere Demonstrantin schimpft auf die Wirtschaft, immer würden deren Interessen vorgehen. Was ist mit meinen Kindern, fragt sie, was ist mit meinen Enkelkindern? Sie wolle ihrer Familie eine Erde hinterlassen, die lebenswert sei. Alles, was es dafür brauche, sei mehr Solidarität. Es klingt gar nicht so kompliziert.

Ein Zeichen in Richtung ParisWie erfolgreich die Demonstration war, das ist wiederum eine Frage der Sichtweise. Laut der Berliner Polizei waren 15.000 Menschen angemeldet, gezählt habe man aber nur 10.000, wie ein Sprecher sagte. Die Veranstalter sprechen hingegen davon, dass man mit 10.000 Menschen gerechnet habe und 17.000 gekommen seien.

Welche Statistiker nun Recht behalten, lässt sich schwer sagen. Die Kälte dürfte einige Interessierte jedenfalls abgehalten haben. Auch am Brandenburger Tor stehen am Ende des Klimamarschs längst nicht mehr so viele Menschen wie anfangs am Berliner Hauptbahnhof. Viele kommen in Gruppen an und drängen sich schnell Richtung der U-Bahn-Haltestelle.

Ein Zeichen gesetzt haben sie mit ihrem Marsch trotzdem, gegen den Klimawandel, in Richtung Paris.

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