Klimapolitik: Der schwere Abschied von der Kohle

Klimapolitik: Der schwere Abschied von der Kohle

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Die G20-Staaten produzieren immer noch zu viel Energie in Kohlekraftwerken wie hier in Janschwälde (Brandenburg).

von Ruth Herberg

Soll das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden, kommt es vor allem auf die G20-Staaten an. Doch die Umstellung auf eine grüne Wirtschaft will ihnen nicht gelingen – mit drastischen Folgen.

Alle Rekorde hat er gebrochen. Der vergangene Juli war der weltweit heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnung – und das war 1880. Er sei um rund 0,85 Grad wärmer gewesen als der weltweite Durchschnitt für diesen Monat im Zeitraum zwischen 1950 und 1980, teilte die Nasa mit.

Auch die Monate davor haben einen Rekord aufgestellt: Die erste Jahreshälfte war so warm wie noch nie, im Schnitt 1,3 Grad wärmer als im späten 19. Jahrhundert. Wissenschaftler machen das Wetterphänomen El Niño, aber vor allem auch den Klimawandel dafür verantwortlich. Die Erde erwärmt sich immer schneller – das ist nicht mehr zu leugnen.

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Das dürfte auch den Staats- und Regierungschefs weltweit nicht entgangen sein. Ihre bisherigen Klimaschutzmaßnahmen haben offenbar nicht gefruchtet. Die Zahlen beweisen vielmehr, dass die Politiker jetzt noch eine Schippe drauf legen müssen.

1,5-Grad-Ziel wird immer utopischer

Der G20-Gipfel, der ab Sonntag im chinesischen Hangzhou stattfindet, könnte für die Staatschefs der richtige Anlass sein, ihre Strategien noch einmal zu überdenken. „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, denen die Welt heute entgegentreten muss“, hieß es bereits im Vorfeld des Treffens von Seiten des Gastgebers.

Interview „Es ist unsere Pflicht, den Klimawandel zu begrenzen“

Im Interview mit Wiwo Green spricht Professorin Dr. Daniela Jacob, Leiterin des Climate Service Center Germany, über die Auswirkungen des Klimawandels und welchen Einfluss Unternehmen und Industrie darauf nehmen können.

Die studierte Meteorologin forscht seit 2010 im Climate Service Center und übernahm im vergangenen Jahr dessen Leitung. (© Christian Schmid/HZG)

Die 20 Länder spielen für die Reduzierung der weltweiten Treibhausgase eine entscheidende Rolle: Gemeinsam sind sie für den Ausstoß von rund 24 Milliarden Tonnen Kohlendioxid verantwortlich – damit gehen drei Viertel der globalen Treibhausgasemissionen auf ihr Konto.

Ihr Beitrag ist also zwingend nötig, wenn es um das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels geht. So weit, das war das Ergebnis der UN-Klimakonferenz in Paris im vergangenen Dezember, sollte die Erderwärmung begrenzt werden. Alle fünf Jahre soll überprüft werden, wie weit die einzelnen Staaten mit ihren Klimaschutzbemühungen gekommen sind.

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In welche Richtung soll es gehen mit dem Klimaschutz? Die G20-Staaten, hier 2015 beim Gipfel in Antalya, sind sich noch nicht ganz einig.

Doch bereits heute, ein halbes Jahr nach der Klimakonferenz, gerät das 1,5-Grad-Ziel immer mehr außer Reichweite. Wissenschaftler schätzen, dass um das Jahr 2025 die Chance, die Erderwärmung noch zu begrenzen, vertan ist. Jüngere Studien gehen sogar davon aus, dass sich dieses Zeitfenster schon innerhalb der nächsten fünf Jahre schließt.

Zu abhängig von der Kohle

„Wenn der globale Temperaturanstieg auf zwei oder sogar 1,5 Grad begrenzt werden soll, müssen die absoluten Emissionen in naher Zukunft drastisch reduziert werden“, heißt es in einem aktuellen Bericht von Climate Transparency. Die Initiative analysiert und bewertet internationales Klimahandeln und hat gemeinsam mit anderen NGOs pünktlich zum Gipfeltreffen in Hangzhou die Klimaschutzpolitik der G20 unter die Lupe genommen.

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