Klimaschutz in Israel: Die Politik tut wenig, diese Visionäre dafür umso mehr

Klimaschutz in Israel: Die Politik tut wenig, diese Visionäre dafür umso mehr

von Nora Marie Zaremba

Noch ist für israelische Politiker der Umweltschutz ein Nischenthema – das Engagement bei Bürgern ist dagegen groß.

Klimaschutz ist in der israelischen Politik ein Randthema, auch in den vorgezogenen Neuwahlen der Knesset, die am morgigen Dienstag stattfinden. Aus Sicht der israelischen Politiker gibt es drängendere Themen – vor allem den Konflikt mit den Palästinensern und die Sicherheitslage.

Israels Umweltminister Amir Peretz hat die Senkung des CO2-Ausstoßes zwar ganz oben auf seine politische Agenda bugsiert. Doch fehlt ihm der Handlungsspielraum.

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Die Etats seines Hauses werden regelmäßig gekürzt – das Geld fließt größtenteils ins Verteidigungsministerium. Ob Israel sein Ziel erreicht, bis 2020 zehn Prozent seines Energiebedarfes aus erneuerbare Quellen zu beziehen, ist offen.

Israel wird immer trockenerZu stark setze die Regierung auf Kohle und Erdgas, meinen Kritiker. Erdgas soll 2015 etwa die Hälfte des gesamten israelischen Energiebedarfs decken.

Dabei spürt das Land schon jetzt die Auswirkungen des Klimawandels. Die Region ist wasserarm und laut Prognosen von Wissenschaftlern wird Regen künftig immer öfter ausbleiben. In Israel leben derzeit 8,2 Millionen Einwohner, die Bevölkerung wächst. Das wird die Probleme zusätzlich verschärfen.

Vordenker für Umweltschutz und grüne Technologien sind in Israel wahrlich nicht in der Mehrheit. Es gibt sie aber und sie werden einflussreicher. WiWo Green hat sich die Projekte von zwei unverbesserlichen Visionären angeschaut.

Solarstrom aus der Neghev-Wüste

Sonnenlicht ist eine Ressource, über die Israel in Hülle und Fülle verfügt. Und doch wird sie kaum genutzt. Über 100 lokale Solarfirmen gibt es im Land.

Die meisten exportieren allerdings die Technologien, anstatt sie selbst einzusetzen.

Denn Israel deckt einen Großteil seines Energiebedarfs durch fossile Energie, vor allem über Kohleimporte aus Südafrika und Kolumbien.

Trotz großer Widerstände wollte Yosef Abromovitz das ändern - und ist damit sehr erfolgreich. Der 51-Jährige ist Mitbegründer der Firma "Arava Power Company", an der auch Siemens beteiligt ist.

Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Israel mit grüner Energie aus riesigen Solarfeldern in der Neghev-Wüste zu versorgen.

„Ich habe die Schönheit der Wüste gesehen, aber vor allem ihr Potential“, sagt Abromovitz. „Ketura Sun“ heißt das erste kommerzielle Solarfeld im Nahen Osten, das Avara Power in die Neghev Wüste gesetzt hat. Es hat eine Leistung von rund fünf Megawatt. In Planung sind weitere Solarkraftwerke, die sich auf einer Fläche von mehr als 50 Fussballfeldern erstrecken sollen.

Der 2006 nach Israel emigrierte US-Amerikaner ist im Land inzwischen eine Berühmheit. Erste Kontakte zur israelischen Umweltszene knüpfte er durch Freiwilligenarbeit in einem Kibbutz in der Neghev Wüste.

Ketura Sun auf Youtube

 

Urbane Öko-WerkstattWer in Israel nach nachhaltigen Projekten sucht, stößt schnell auf Tami Zori und ihren „City Tree“, eine Art urbaner Öko-Werkstatt, mitten in Tel Aviv.

Vor knapp zehn Jahren gründete die heute 46-jährige Zori eine Online-Plattform, auf der sich Interessierte über Permakultur, nachhaltige Ernährung und Kompost austauschen können - absolute Nischenthemen in Israel. Tami Zori war eine der ersten, die sich damit beschäftigte und ihr Wissen darüber auch teilen wollte.

Umweltbewusst gelebt hat sie allerdings nicht immer. Im Gegenteil: Mit Anfang 20 beriet sie Modefirmen, lebte teilweise in New York und gab viel Geld für Kleidung aus.

"Ich war ein kapitalistisches Schwein", sagt sie heute. Doch als ihr Körper immer öfter streikte, sie nahe am Burnout war, entschied Zori sich zum Ausstieg.

Heute ist City Tree vor allem eine ökologisches Modellprojekt, das zeigen soll, wie gut ein "grüner Lebensstil" auch in der Stadt funktioniert. Und dass man für ein bewusstes, ökologisches Leben nur wenige Ressourcen braucht.

Bis zu zwanzig Menschen leben im City Tree, einem grünen Do-it-Yourself-Treffpunkt im Zentrum der Hauptstadt zusammen. Sie fertigen und verkaufen Produkte wie Gemüsebeutel aus Stoffresten oder Weihrauch aus dem Garten.

200 feste Mitglieder unterstützen das Projekt mit kleinen Spenden. Tami bietet außerdem Workshops rund um das Thema urbane Nachhaltigkeit an. Dort lernen Interessierte etwa, wie man Schminke selbst herstellt oder sich vegan ernährt.

Wenn es um erneuerbare Energien und Klimaschutz geht, gehört Israel eher zu den Bummlern. Die Beispiele zeigen aber, dass sich zumindest in der Bevölkerung langsam ein größeres Umwelt-Bewusstsein durchsetzt und nachhaltige Alternativen zum fossilen Mainstream einfordert. Auch die Politik sollte jetzt nachziehen.

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