Klimawandel: Ab 2034 wird es gefährlich

Klimawandel: Ab 2034 wird es gefährlich

von Benjamin Reuter

Nächste Woche startet der Weltklimagipfel in Warschau. Eine Studie drängt zum Handeln: Schon 2034 hat die Menschheit ihr "CO2-Budget" aufgebraucht.

Kommende Woche startet der Klimagipfel in Warschau. Wieder einmal treffen sich tausende Regierungs-Unterhändler, Umweltaktivisten und Politiker, um über ein neues Abkommen zum Klimaschutz zu beraten. Das sollen die Staatschefs dann 2015 in Paris unterzeichnen. Bisher sieht es aber nicht danach aus, als könnten sich die Politiker auf einen Nachfolger für das Kyoto-Protokoll einigen, das 1997 beschlossen wurde.

Wie dringend ein solches Abkommen wäre, zeigt nun eine Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers mit dem sprechenden Titel "Busting the Carbon Budget" (hier als PDF). Die Nachhaltigkeitsexperten Leo Johnson, Jonathan Grant und Lit Ping Low haben in dem Papier berechnet, wie viel CO2 die Welt noch in die Atmosphäre pusten darf, um den Klimawandel in einem erträglichen Rahmen zu halten.

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Das beunruhigende Ergebnis: Reduziert die Menschheit nicht signifikant den Ausstoß an Treibhausgasen, ist ihr "CO2-Budget" im Jahr 2034 erschöpft. Dann wären so viel CO2 und andere Treibhausgase in der Atmosphäre, dass die Temperatur auf der Erde bis 2100 mit großer Wahrscheinlichkeit um zwei Grad Celsius steigt.

Jonathan Grant, der bei PwC die Nachhaltigkeitsabteilung leitet, kommentierte die Studie so: "Die Industrie- und Schwellenländer produzieren immer noch Kohlendioxid als gäbe es kein Morgen." Um die Zwei-Grad-Grenze noch einzuhalten, müsste ein Großteil der Öl-, Gas- und Kohlereserven im Boden bleiben.

CO2-Ausstoß müsste um sechs Prozent pro Jahr sinkenZwar kann die Wirtschaft Fortschritte in Richtung mehr Klimaschutz vorweisen, aber sie sind derzeit noch zu klein, um einen Unterschied zu machen. So sank der Kohlendioxid-Ausstoß pro produzierter Wirtschaftseinheit weltweit zwischen 2007 und 2012 um 0,7 Prozent pro Jahr (man spricht bei diesem Wert auch von der CO2-Intensität der Wirtschaft).

Um das CO2-Budget einzuhalten, müsste der Ausstoß um sechs Prozent pro Jahr sinken. Selbst bei einer Reduktion von 1,4 Prozent pro Jahr, also einer Verdoppelung der aktuellen Rate, würde sich die Welt bis 2100 wahrscheinlich um vier Grad erwärmen.

Maßnahmen, auf die mancher Experten und Politiker noch vor Jahren hoffte, um den Klimawandel zu bremsen, hätten sich aber inzwischen als wirkungslos erwiesen, stellen die PwC-Autoren fest: So seien sowohl die Atomkraft als auch Technologien zur CO2-Neutralisierung (Stichwort CCS) zu unbeliebt, um den Klimawandel wirklich bremsen zu können. Erfolge verprechen dagegen in Zukunft mehr Energieeffizienz und eine erneuerbare Stromerzeugung.

Spannend an der lesenswerten Studie ist auch eine Untersuchung über die Entwicklung des Co2-Ausstoßes in den einzelnen Ländern. Dabei zeigt sich: Deutschland, das sich gerne als Öko-Primus sieht, steht aktuell schmutziger da als Südafrika oder Mexiko. Die USA und Australien dagegen haben zwischen 2011 und 2012 ihre CO2-Intensität am stärksten reduziert.

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