Klimawandel: Forscher wollen Grund für Erwärmungspause gefunden haben

Klimawandel: Forscher wollen Grund für Erwärmungspause gefunden haben

von Benjamin Reuter

Seit rund 15 Jahren stagniert die Lufttemperatur auf der Erde - trotz steigender CO2-Werte in der Atmosphäre. Jetzt scheint die Ursache gefunden.

Zwar stieg die Menge des gefürchteten Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) in den Jahren 2000 bis 2010 kräftig an: Rund 300 Milliarden Tonnen gelangten in dieser Zeit in die Atmosphäre. Die Temperaturen auf der Erdoberfläche sind in den vergangenen fünfzehn Jahren aber weitgehend konstant geblieben. Wie kann das sein, wird doch CO2 von nahezu allen Klimaforschern als der Grund für die gemessene Erderwärmung seit dem Beginn der Industrialisierung betrachtet?

Bisher hatten die Wissenschaftler unterschiedliche Erklärungen für dieses Phänomen. Die einen glaubten, die Erwärmung gehe in den Ozeanen weiter, die anderen meinten, natürliche Ereignisse wie die El Niño und La Niña genannten Witterungs-Schwankungen seien der Grund. Wieder andere meinen, dass die Luftverschmutzung von Kohlekraftwerken die Sonnenstrahlung abhalte - so kommt weniger Wärme auf der Erde an.

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Jetzt kommt ein Forscherteam aus Australien und den USA in einer Studie zu dem Schluss, dass die Wärme in den vergangenen Jahren tatsächlich vermehrt in die Ozeane abgewandert ist. Der Grund dafür sind heftige Passatwinde in Teilen des Pazifiks, die seit den 1990er-Jahren vorherrschen.

Der Klimaforscher Matthew England von der australischen Universität New South Wales und Hauptautor der im Fachmagazin Nature Climate Change erschienen Studie sagt: "Bisher haben viele Kollegen angenommen, dass die Hitze in die Ozeane wandert. Wir haben nun den Mechanismus untersucht, der dahinter steckt."

Problem für die PolitikDie aktuell gebräuchlichen Klimamodelle hätten die seit Jahren ungewöhnlich starken Passatwinde bisher gar nicht oder zu wenig berücksichtigt, sagen die Forscher. Füge man sie in die Modelle ein, würden sie auch die aktuelle Erwärmungspause zeigen. Das Ergebnis: In den vergangenen Jahren haben die Winde die Erderwärmung um 0,1 bis 0,2 Grad schwächer ausfallen lassen, als es ohne sie der Fall gewesen wäre.

Matthew England gibt zwar zu, dass auch eine schwächere Sonnenaktivität und kleinste Partikel in der Atmosphäre die Erwärmung aktuell beeinflussen, die Passatwinde seien aber bei weitem der wichtigste Grund für die Pause. Und die könnte noch bis zum Ende dieses Jahrzehnts andauern, glaubt er. Nehmen die Winde ab, lege die Temperatur aber umso stärker wieder zu.

Die Frage ist: Wenn die Pause tatsächlich bis zum Ende dieses Jahrzehnts dauert, können die Politiker dann ambitionierte Ziele zum Klimaschutz noch durchsetzen? Schon jetzt nämlich werten Skeptiker die Pause als Zeichen, dass CO2 ein viel schwächeres Treibhausgas ist als angenommen. Je länger die Pause dauert, desto leichter finden sie Gehör.

In diesem Video erklärt der Forscher Matthew England die Ergebnisse seiner Studie:



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