Klimawandel: Gletscherschmelze eine Gefahr für Europas Flüsse

Klimawandel: Gletscherschmelze eine Gefahr für Europas Flüsse

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Touristen an einem kleinen Gletschersee in der Schweiz - hier könnten Dämme Wasser für den Sommer speichern.

von Wolfgang Kempkens

Ohne die Alpengletscher trocknen Flüsse wie der Rhein im Sommer aus - und das, warnen Forscher, könnte schon in wenigen Jahrzehnten passieren.

Nur noch wenige Jahrzehnte wird es in den Alpen Gletscher geben, fürchten Experten. Die globale Erderwärmung lässt sie immer schneller abschmelzen. Seit 1980 gaben die Gletscher jedes Jahr ein Wasservolumen ab, das ausreichen würde, um den Zürichsee mehr als einmal komplett aufzufüllen, also rund vier Billionen Liter.

Abgesehen von ihrer touristischen Bedeutung sind Gletscher auch eminent wichtig für den Wohlstand Europas. Im Sommer versorgen sie unzählige Flüsse diesseits und jenseits der Alpen mit Wasser. Sind die Gletscher verschwunden, fallen Rhein, Donau und zahlreiche andere Fließgewässer im Sommer ganz oder weitgehend trocken. Die Schifffahrt müsste eingestellt werden.

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Ein Forscherteam aus Italien und der Schweiz hat jetzt in einem Gedankenexperiment eine Lösung des Problems vorgeschlagen. Der Rückgang der Gletscher legt gigantische Flächen frei. Die könnte man mit ebenso gigantischen Staumauern abschließen, sodass der im Frühjahr tauende Schnee und restliches Gletscherwasser nicht gleich abfließen, sondern für die sommerliche Dürre gepuffert werden.

Netter Nebeneffekt: Je nach Lage könnten solche Stauseen auch als Stromspeicher genutzt werden, indem man sie mit Pumpkraftwerken kombiniert.

Modellrechnung geht von Billion-Liter-Puffer aus

Um das Potenzial von neuen Stauseen zu analysieren, verwendeten die Forscher ein Gletschermodell, das die Entwicklung aller rund 4000 Gletscher in den Alpen und ihres künftigen Abflusses bis zum Ende dieses Jahrhunderts beschreibt, und platzierten virtuelle Staudämme am heutigen Ende jedes Gletschers.

Es zeigte sich, dass auf diese Weise rund eine Billion Liter Wasser gepuffert werden könnten. Damit sei es möglich, rund zwei Drittel des künftig fehlenden Wassers in der warmen Jahreszeit zu ersetzen. Etwa ein Dutzend Staudämme, über die Alpen verteilt, reichten dafür aus.

Selbst wenn sich Umweltpolitiker für diese Möglichkeit erwärmen würden, machen sich die Wissenschaftler nichts vor. Eine Realisierung würde sich angesichts der gigantischen Eingriffe in die Natur nur schwer oder gar nicht durchsetzen lassen, zumindest im Augenblick nicht.

Sollte die Schifffahrt auf Europas Flüssen allerdings zum Erliegen kommen, könnte sich das ändern. Das könnte sich allerdings ändern, wenn in einigen Jahren oder Jahrzehnten die ersten negativen Folgen des sommerlichen Wassermangels nicht mehr zu übersehen sind.

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