Klimawandel: Warum die Erderwärmung unseren Kaffee teurer macht

Klimawandel: Warum die Erderwärmung unseren Kaffee teurer macht

von Lisa Hegemann

Der Klimawandel kommt in Deutschland an: Weil mit Ernteausfällen zu rechnen ist, werden Konsumgüter wie Kaffee teurer.

Wenn sich Ende November die Staatsfrauen und -männer zur UN-Klimakonferenz in Paris treffen, geht es vor allem um eine Frage: Wie lässt sich der Klimawandel aufhalten? Das erklärte Ziel: die Erderwärmung bis Ende des 21. Jahrhunderts auf unter zwei Grad Celsius zu beschränken.

Doch das Wort Klimawandel ist erst einmal sehr abstrakt. Was es für den deutschen Verbraucher konkret bedeuten könnte, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, verdeutlicht nun eine Studie des Umweltverbands WWF. Demnach werden die Preise für einige Nahrungsmittel deutlich steigen. „Zukünftig wird der Klimawandel immer stärker die Verfügbarkeit, Qualität und den Preis von Lebensmitteln beeinflussen – und somit auch unseren Alltag“, schreiben die Autoren.

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„Massive ökonomische Probleme“ für die ProduktionsländerUm wie viel Geld es sich genau handelt, sagt die Studie nicht. Doch: Wenn die Temperaturen weltweit um drei bis fünf Grad ansteigen, könnte das in den Erzeugerländer „massive ökonomische Probleme mit sich bringen“, heißt es in der Untersuchung. Hitzewellen, Dürreperioden und Überflutungen führten bereits heute schon zu erheblichen Einbußen bei der Ernte. Das wiederum macht das Produkt knapp – und treibt die Preise in die Höhe.

Der WWF hat sich zur Veranschaulichung vier Beispiele herausgesucht: Orangen, Bananen, Haselnüsse und der Deutschen Lieblingsgetränk: Kaffee. Die Bundesrepublik bezieht die Hälfte des Rohkaffees aus Brasilien und Vietnam. Gerade in diesen beiden Ländern könnte sich der Klimawandel aber besonders stark bemerkbar machen.

Kolumbien könnte 60 Prozent seiner Anbauflächen verlierenIn Brasilien könnte die Anbaufläche bis 2070 um 27 Prozent zurückgehen, in einigen Regionen sogar um 50 Prozent, schreibt die Umweltorganisation unter Berufung auf die Weltbank und den Weltklimarat IPCC. Die Trockenzeiten könnten sich zudem noch verstärken und damit auch die Orangenernte erschweren.

In Vietnam, dem zweitgrößten Kaffeelieferanten der Welt, könnte bis 2050 die Hälfte aller Anbauflächen verschwinden. Das Land zählt zu den fünf Staaten, die am meisten vom Klimawandel bedroht sind. Der südostasiatische Staat ist nicht nur heute schon von Wetterextremen betroffen, sondern könnte in Zukunft auch unter dem Anstieg des Meeresspiegels leiden. Durch Überflutungen könnten demnach bis Ende des Jahrhunderts rund 5500 Hektar landwirtschaftlicher Fläche verloren gehen.

Auch der größte Bananenexporteur Ecuador sowie der drittgrößte Kolumbien sind der Bedrohungen des Klimawandels ausgesetzt. So könnte Kolumbien bis 2060 circa 60 Prozent seiner Anbauflächen für Bananen einbüßen. In Ecuador sorgen Überflutungen schon heute immer wieder für starke Ernteausfälle. Jede vierte Anbaufläche leidet hingegen unter Dürre oder Wüstenbildung. Steigt das Klima weiter, wird es auch hier mit dem Anbau schwierig.

Klimawandel könnte Armut deutlich steigen lassenWas genau das für den Weltmarktpreis heißt, lässt sich am Beispiel von Haselnüssen verdeutlichen. Als in der Türkei, aus der 70 Prozent der Produktion stammen, eine frostige Nacht mit Hagelsturm im März 2014 die halbe Ernte vernichtete, stieg der Weltmarktpreis für Haselnüsse um 60 Prozent – auf ein Rekordniveau.

Für den deutschen Verbraucher bedeutet das vielleicht nur etwas weniger Geld im Portemonnaie. Doch für Menschen in ärmeren Ländern sind die Folgen noch verheerender, wie die Weltbank in einer aktuellen Studie prognostiziert: Demnach könnten 100 Millionen Menschen mehr in die Armut getrieben werden, weil der Klimawandel zu deutlich teureren Preisen führt und gerade Menschen mit wenig Geld besonders viel ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben (müssen). In Paris geht es also nicht nur um ein paar Grad, sondern um die Existenz von Millionen Menschen.

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