Klimawandel: Zehntausende Pinguin-Küken sind bedroht

Klimawandel: Zehntausende Pinguin-Küken sind bedroht

von Birk Grüling

Zwei neue Studien zeigen die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf die natürlichen Lebensräume von Pinguinen.

Punta Tombo an der argentinischen Atlantikküste ist eine Hochburg der Magellan-Pinguine. Zwischen September und Februar kommen bis zu 200.000 Paare hierher, um ihren Nachwuchs groß zu ziehen. „Die Überlebenschancen der Küken haben sich durch den Klimawandel in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert“, sagt die Biologin Dee Boersma von der University of Washington.

Als Gründe dafür sieht sie  Temperaturen, stärkere Regengüsse und Stürme. Zusammen mit Kollegen untersuchte Boersma über 27 Jahre hinweg die Pinguinkolonien. Die Ergebnisse ihrer Langzeitstudie stellten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Online-Journals „Plos One“ vor.

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Die frisch geschlüpften Magellan-Pinguine wachsen ihren Eltern schnell über den Kopf und können schon nach fünf Tagen nicht mehr vor zu nassem Wetter geschützt werden. Ihr eigenes Gefieder ist gleichzeitig noch nicht wasserdicht genug, um starkem Regen standzuhalten. Werden der Flaum und die Haut zu nass, bedeutet das für die Küken den Tod.

„Eigentlich galten die Brutplätze in Punta Tombo immer als äußerst trocken. In den letzten 50 Jahren hat die Zahl der Stürme und starken Regenschauer drastisch zugenommen. Von Jahr zu Jahr sterben deshalb mehr Küken“, sagt Boersma.

Klimawandel gefährdet Pinguin-PopulationNur knapp 35 Prozent des Nachwuchses überleben die ersten Monate. 40 Prozent verhungern, neun Prozent fallen Fressfeinden zum Opfer und acht Prozent sterben durch Stürme und Regengüsse. In manchen Jahren stiegen die klimabedingten Todesfälle aber auch bis zu 50 Prozent. Sturm- und regenreiche Jahre könnten bald häufiger vorkommen, so die Prognose der Forscher.

Als eine mögliche Lösung des Problems empfiehlt Boersma die Errichtung einer Schutzzone an der Küste. „Gegen den Klimawandel sind wir fast machtlos. Wir sollten aber wenigstens dafür sorgen, dass die Magellan-Pinguine genug zu fressen finden“, sagt sie.

Zu schaffen macht der Klimawandel auch den Pinguinen in der Antarktis, wie eine zweite Studie von französischen Forschern zeigt. Die Biologen des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung untersuchten über 13 Jahre hinweg die Kolonien der Adeliepinguine auf Ross Island, einer Vulkaninsel in der Antarktis.

Dabei zeigte sich, dass die Pinguine sich an einen gemäßigten Klimawandel mit stärkerer Schneeschmelze anpassen können. Gerade in einem eisfreieren Meer finden sie ausreichend Nahrung. „Unserer Studie macht deutlich, dass die Pinguine mit wärmeren Sommermonaten ganz gut fertig werden. Sollten aber extreme Umweltphänomene wie das Kalben von Eisbergen und heftige Stürme zunehmen, ist nur schwer abzuschätzen, ob und wie die Pinguinpopulation in der Antarktis damit fertig wird“, sagt Amelie Lescroel, Erstautorin der Studie.

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