Klohaus der Zukunft: Diese Toilette produziert Frischwasser

Klohaus der Zukunft: Diese Toilette produziert Frischwasser

von Eva Mühle

Eine umweltfreundliche Toilette soll Wasser und Energie produzieren - und wird schon dieses Jahr in Afrika getestet.

Was für uns selbstverständlich erscheint, ist für 2,4 Milliarden Menschen auf der Welt immer noch ein Ding der Unmöglichkeit: der Besuch auf dem stillen Örtchen. Der fehlende Zugang zu sanitären Einrichtungen und mangelnde Hygiene ziehen einen Rattenschwanz von Problemen mit sich, angefangen bei einer schlechten Wasserqualität bis hin zur schnelleren Verbreitung von Krankheiten wie Cholera, Diarrhö und Hepatitis A.

Um die Situation zu verbessern und den Betroffenen ein gesünderes Leben zu ermöglichen, arbeiten britische Forscher der Cranfield Universität aktuell an einer "grünen Toilette", die vollkommen ohne Wasser oder den Anschluss an Abwasserleitungen funktionieren soll. Stattdessen produziert sie sauberes Wasser, das zum Waschen von Kleidung oder zum Gießen von Pflanzen genutzt werden kann. Stinken soll es auch nicht.

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Möglich macht das alles die Nanotechnologie. Die Fäkalien werden durch einen rotierenden, abdichtenden Mechanismus in das Innere der Toilette geleitet. Dort befindet sich eine spezielle Nanomembran, die feste und flüssige Stoffe voneinander trennt und Wasser in Form von Dampf weiterleitet. "Pathogene wie Viren, Bakterien oder andere krankheitserregende Mikroorganismen bleiben so im Behälter. Das Wasser ist daher grundsätzlich rein und sauber", sagt Alison Parker, Leiterin des Forschungsprojekts.

Der Wasserdampf kondensiert anschließend in zwei Röhren hinter der Toilette, die mit nanobeschichteten Perlen gefüllt sind. Das Wasser wird in Wassertanks gespeichert.

Testphase in Afrika gegen Ende des JahresDie festen Bestandteile werden über eine mechanische Schraube in einen austauschbaren Tank transportiert. Dort werden sie mit Paraffinwachs überzogen. Das unterdrückt die Geruchsbildung, schützt gegen mögliche Pathogene und trocknet die Fäkalien aus.

Das genaue Design der Toilette ist an diesem Punkt noch Gegenstand der Forschung. Der Plan der Wissenschaftler ist, die übrigen Fäkalien zu verbrennen, um Energie für die Nano-Filterprozesse zu gewinnen. Die nährstoffreiche Asche könnte als Dünger dienen.

Für die Nutzung von bis zu zehn Personen ist die Toilette ausgelegt. Haushalte können sie für 0,05 Dollar pro Tag mieten, so die britischen Forscher. Im Mai soll die Entwicklung abgeschlossen sein. Dann läuft das vierjährige Forschungsprojekt aus, das von der Bill and Melinda Gates Foundation gefördert wird. Bisher gab konnten sich die Forscher schon über einige Auszeichnungen freuen, wie den Green Gown Award 2014 oder CleanEquity Monaco 2015. Mitte Februar präsentiert sich das Team im Finale des Londoner Cleantech Innovate Award möglichen Investoren.

Noch in diesem Jahr sollen die Klos dann wahrscheinlich in Ghana im größeren Rahmen getestet werden. Wenn alles klappt, könnten die Toiletten in Zukunft auch vom Militär, bei Outdoor-Veranstaltungen oder auf Schiffen genutzt werden. Ähnliche Ideen für umweltfreundlichen, mobilen Toiletten gibt es bereits seit einiger Zeit.

Dieses Video vom März 2014 zeigt das grundsätzliche Prinzip der Nanomembran-Toilette:

https://www.youtube.com/watch?v=iX0jAn-iNng

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