Kräuterfarm im Supermarkt: Mit dem Einkaufswagen ins Gewächshaus

Kräuterfarm im Supermarkt: Mit dem Einkaufswagen ins Gewächshaus

von Marius Hasenheit

Mit einer Indoor-Kräuterfarm will ein Start-up frischer und regionaler als jedes Gewächshaus werden.

Die Butter steht im Kühlregal, klar. Süßigkeiten liegen meist auf Greifhöhe für Kinder. Bei Kräutern ist das schon nicht so einfach: Es gibt sie getrocknet, gefroren und manche Supermärkte bieten sogar kleine Basilikumtöpfchen an, damit das Grünzeug besonders frisch ist.

Ein Berliner Supermarkt geht jetzt einen konsequenten Schritt weiter und integriert - erstmalig in Europa - einen Kräutergarten zwischen den Regalen. Frischer und regionaler geht es nicht: Die Kunden könnten sich die Kräuter, die im Supermarkt wachsen, theoretisch selbst pflücken. Hinter dem futuristischen Vertikalgarten steckt das Start-up Infarm, welches bereits erste Erfahrungen mit sogenannten urbanen Kulturpflanzsystemen gesammelt hat.

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Unternehmen, die in der Stadt Lebensmittel produzieren wollen, gibt es allerdings viele. Manche von ihnen setzen auf die Kombination von Fischzucht und Obstanbau, andere auf urbanes Gärtnern in der Küche. Sie alle wollen die konventionelle Landwirtschaft außerhalb der Stadt ergänzen, wenn nicht sogar teilweise ersetzen.

Das Problem mit der konventionellen Landwirtschaft ist nach der Meinung vieler Stadtfarmer, dass sie viel Platz verbraucht und zusätzlich stark wetterabhängig ist. Gerade Extremwetterereignisse wie beispielsweise Dürren oder starke Niederschläge, welche durch den Klimawandel verstärkt werden, können die Ernte im wahrsten Sinne des Wortes verhageln.

Gleichzeitig wachsen die Städte und damit ihre zu versorgende Einwohneranzahl weltweit an. Für die Lebensmittelproduktion innerhalb der Städte spricht zusätzlich der Wegfall von Transportwegen und Verpackungen.

Hydroponik im SupermarktDas Berliner Start-up Infarm wollte es nicht bei urbaner Landwirtschaft in einer Fabrikhalle belassen, sondern schrumpfte die Anlage kurzerhand und setzte sie direkt in einen Supermarkt. Das Hightech-Pflanzsystem soll das Licht und den Platz perfekt ausnutzen, den Wasser- und Düngerverbrauch reduzieren und ohne Pestizide auskommen.

Da das System modular aufgebaut ist, kann es an verschiedene Standorte und Bedingungen angepasst werden. Mit einer Crowdfundingkampagne sammelte man das erste Geld ein, seitdem baute Infarm mehrere Anlagen für Restaurants und Unternehmen und meldete bereits einige Patente an.

Ihre neue Hydroponikanlage für den Supermarkt soll laut Infarm so effizient laufen, dass die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zum bisherigen Einkauf garantiert bleibt. Größere Umbaumaßnahmen seien nicht nötig. Da die Kräuter direkt vom Verbraucher geerntet werden können, wäre die Frische nicht mehr zu toppen - was sich schmecken lässt, behauptet das Unternehmen.

Supermarkt-Mitarbeiter bedienen das SystemBei dem Hydroponik-System, welches ohne Erde auskommt und die Nährstoffe direkt über einen Wasserkreislauf zur Pflanze bringt, handelt es sich nur um eine kleine Anlage. Es bleibt die Frage ob sich diese kleinteiligen Lösungen durchsetzen werden, ob größere und effizientere Hydroponikanlagen das Rennen machen - oder ob es doch bei der konventionellen Landwirtschaft bleibt. Zumindest für größere Supermärkte sollte die eigene Anlage durchaus eine Alternative sein.

Der Supermarkt, der das Infarm-System getestet hat, bezahlte dabei nur einen relativ geringen Betrag für die Anlage. Zusätzlich wird das Start-up aber auch für eine Softwarelösung mit integrierter App entlohnt. Mit dieser App können sich die Kunden ihre Kräuter im Voraus bestellen. Die Software wiederum steuert die Versorgung des Hydroponiksystems. Das soll so einfach sein, dass jeder Supermarktmitarbeiter die Software bedienen kann.

Damit nutzt das 15-köpfige Start-up ein Geschäftsmodell, das eher in der technischen Welt bekannt ist: Das zentrale Produkt ist relativ günstig, während die zusätzlichen Dienstleistungen und Services auch zusätzlich kosten.

Wie das im Idealfall aussehen soll, zeigt dieses Werbevideo:

https://youtu.be/ldJ66k2MPdQ

***Dem Autor auf Twitter folgen: @MariusHasenheit

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