Kraftstoff: Zu viel Palmöl im Diesel - NABU schlägt Alarm

Kraftstoff: Zu viel Palmöl im Diesel - NABU schlägt Alarm

Bild vergrößern

Fast die Hälfte des in der EU verbrauchten Palmöls landet in den Tanks von Autos und Lastwagen. (Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Eine neue Studie zeigt, dass die Hälfte des Palmöls in der EU im Tank landet. Dort schadet es Regenwäldern und Weltklima gleichermaßen.

Palmöl ist für die Industrie eine wahre Allzweckwaffe. In vielen Lebensmitteln steckt es wegen seines butter-ähnlichen Geschmacks und seiner Hitzebeständigkeit. Auch in diversen Kosmetikartikeln findet man das Öl. Ein Teil der Ernte geht darüber hinaus in die Wärme- und Stromerzeugung oder wird Teil von Biokraftstoffen.

Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille: Da der weltweite Bedarf an Palmöl immer weiter steigt, werden die Anbaugebiete ausgeweitet. Da es nur in tropischen Regionen gewonnen werden kann, muss der Regenwald neuen Plantagen weichen, und das im großen Stil. Wie vor Jahren bei Soja schauen umweltbewusste Konsumenten deshalb genau auf die Inhaltsstoffe von Süßigkeiten und Hautcremes - schließlich will niemand, dass seinetwegen Regenwalt gerodet wird.

Anzeige

Unter diesen Gesichtspunkt lässt die neueste Studie des Naturschutzbunds aufhorchen. Denn möglicherweise kann man sich die Suche im Gramm-Bereich schenken: Die Untersuchung zeigt, dass der Anteil von Palmöl am Biodiesel europaweit in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Der NABU fand zusammen mit der Brüsseler Umweltorganisation Transport & Environment heraus, dass fast die Hälfte des Palmöls in der EU in den Tanks von Autos und Lastwagen landet.

Die Studie stützt sich auf Daten aus den Jahren 2010 bis 2014 von Fediol, dem Dachverband der europäischen Ölmühlenindustrie. Demnach hat sich die Beimischung von Palmöl im Diesel in diesem Zeitraum versechsfacht, insgesamt fast 8,5 Millionen Tonnen des pflanzlichen Produkts fand den Weg in den Kraftstoff.

Palmöl-Verbrennung schadet Regenwäldern und Klima

Eine bedenkliche Entwicklung, wenn man sieht, dass Biodiesel der ersten Generation eine im Durchschnitt 80 Prozent schlechtere Treibhausgasbilanz aufweist als fossiler Diesel. Allein die dadurch bis zum Jahr 2020 zusätzlich verursachten Emissionen sollen laut NABU dem CO2-Ausstoß von zusätzlichen zwölf Millionen Autos entsprechen.

Dietmar Oeliger ist Verkehrsexperte beim NABU. (NABU/Philip Scholl)

Dietmar Oeliger ist Verkehrsexperte beim NABU. (NABU/Philip Scholl)

„Nach den Zahlen, die die Kommission auch selbst veröffentlicht hat, ist Palmöl mit das Schlimmste“, sagt NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger zu den Ergebnissen. „Und das bezieht sich nur auf die CO2-Bilanz, die Auswirkungen auf das Ökosystem sind da gar nicht berücksichtigt, Mit Blick auf die Regenwälder geht Lebensraum unwiederbringlich verloren, denn was da einmal weg ist, ist weg“, macht er die Tragweite deutlich.

Die Studie wurde in mehreren Ländern publiziert, um auf die Folgen des massiven Palmölverbrauchs aufmerksam zu machen und auch um Druck zu erzeugen. Denn im vierten Quartal des Jahres soll ein neuer Entwurf der EU-Kommission zu den Richtlinien für erneuerbare Energien veröffentlicht werden. „Dann beginnt bei den Mitgliedsstaaten aufgrund eigener Interessen das große Geschachere“, prophezeit Oeliger. Dabei sprächen die Zahlen für sich; die Politiker wüssten über die negativen Folgen des Palmöls Bescheid.

NABU will Palmöl im Tank verbieten

Der NABU fordert im Zuge dessen, die Beimischungsquote für Biokraftstoffe nach 2020 auf null zu setzen und bringt Alternativen ins Spiel. Es gäbe Fortschritte bei Raps, Ethanol und diversen Reststoffen. „Da gibt es zum Teil positive CO2-Bilanzen“, sagt Oeliger. Unabhängig davon spricht sich der Verband für einen Kurswechsel in der Verkehrspolitik aus. Er setzt auf effizientere Motoren und mehr umweltfreundliche Verkehrsmittel.

Die Autoren der Studie haben sich übrigens nicht nur den Verkehrssektor angeschaut, sondern auch die Lebensmittelindustrie. Und dort sank der Verbrauch von Palmöl: „Das liegt an der Sensibilisierung der Konzerne und Kunden für das Thema“, meint Oeliger. „Der Autofahrer weiß aber nicht, das Palmöl in seinem Kraftstoff ist. Das steht schließlich nicht an der Tanksäule.“ Er ist sich sicher, dass die Akzeptanz des gemischten Biodiesels sinkt, sobald sich mehr Menschen über seine Wirkung im Klaren sind. Das wäre ein wichtiges Zeichen an die Politik.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%