Kunstfleisch: Der erste Burger aus dem Labor wird verkostet

Kunstfleisch: Der erste Burger aus dem Labor wird verkostet

von Felix Ehrenfried

Es ist soweit: Freiwillige verkosten erstmals Fleisch aus dem Reagenzglas. Es soll appetitlich aussehen, gut schmecken und Tiere und Klima schonen.

Heute dürfte der größte Tag in der Karriere von Mark Post sein. Der Professor von der Universität Maastricht stellt in London der Öffentlichkeit einen Burger vor, der komplett im Labor hergestellt wurde. Zwei Freiwillige werden den Burger aus der Petrischale heute vor geladenen Gästen verzehren. Der Koch begann bereits um neun Uhr deutscher Zeit den rund 250.000 Euro teuren Fleischklops zu braten. Um 14 Uhr kommt der Burger dann auf den Teller (hier ein Link zur Liveübertragung der Verkostung).

Gezüchtet hat Post das Fleisch aus der Zelle einer Kuh. Diese einzelne Zelle wurde in Nährlösung aus Zucker, Fett, Aminosäuren und Mineralien eingelegt und vermehrt. Rund 20 000 Muskelstreifen mussten so gezüchtet werden, um den rund 150 Gramm schweren Burger herzustellen. Es musste also kein Tier für die Herstelltung des Burgers sterben.

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Zu Beginn seiner Forschung schmeckte das Fleisch noch relativ schlecht, wie Professor Post 2011 gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte. Mittlerweile soll der Geschmack allerdings "einigermaßen gut" sein, freut sich der Forscher. Und auch die Farbe soll der von echtem Tierfleisch nahe kommen.

Während künstlich gezüchtetes Fleisch eigentlich eine gräuliche, wenig appetitliche Farbe hat, verwendeten Post und sein Team Saft von Roter Bete und Safran, um den Burger einzufärben. Die heutige Kostprobe dürfte die Nagelprobe sein: Kommt synthetisch hergestelltes Fleisch in Geschmack, Konsistenz und Aussehen an Tierfleisch heran, sodass es eine wirkliche Alternative wäre?

Synthetisches Fleisch: Weniger Umweltbelastung und TierquälereiSollte das der Fall sein, könnte Fleisch aus dem Reagenzglas einige Probleme lösen. Denn es kommt zwar aus dem Labor, doch bis auf seine Herkunft soll es sich nicht von "echtem" Fleisch aus dem Schweine- oder Rinderstall unterscheiden lassen. Der Vorteil: Die Herstellung geht ohne Massentierhaltung, die ethisch bedenklich ist, da viele Tiere leiden müssen.

Zum anderen wäre weniger Massentierhaltung wünschenswert für das Klima. So erklärte die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen kürzlich, dass die Tierhaltung mehr Treibhausgase produziert als der gesamte Verkehr weltweit.

So will Post der Öffentlichkeit heute zeigen: Fleisch aus dem Labor ist möglich und überhaupt nicht ekelig. Stattdessen ist es eine ernsthafte Alternative für weniger Tierquälerei und eine sauberere Umwelt. Mit seinen Plänen zeigt der Professor sich überaus optimistisch. Er glaubt, dass kommerzielle Produktion von Fleisch aus dem Reagenzglas bereits in zehn bis zwanzig Jahren möglich sei.

Sobald Mark Post aus London zurück ist, lesen Sie hier auf WiWo Green ein Interview mit dem Forscher, der Fleisch aus dem Labor massentauglich machen will.

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