Kunstfleisch: Der erste Hamburger aus dem Labor ist da!

Kunstfleisch: Der erste Hamburger aus dem Labor ist da!

von Felix Ehrenfried

Fleisch aus dem Labor ist erstmals zum Verzehr geeignet. Am 5. August ist Kostprobe. Das Problem: Sie wird teuer.

Nicht das Fliegen, nicht der teure Sportwagen ist Klimakiller Nummer Eins - sondern der Fleischkonsum. Bis ein Schwein, eine Kuh oder ein Hähnchen schlachtreif sind verbrauchen sie enorm viele Ressourcen. Das ruiniert die "Umweltbilanz" des Hotdogs oder Grillhähnchens. Denn nicht nur der Anbau des Tierfutters benötigt viel Platz und Ressourcen. Auch die Haltung der Tiere ist raum- und wasserintensiv. Und die Gase, die Rinder bei der Verdauung produzieren, stinken nicht nur dem Menschen, sondern auch dem Klima.

Was also tun, um die persönliche Klimabilanz zu verbessern? Komplett auf Fleisch verzichten und zum Vegetarier werden? Das ist die eine, rabiate Variante.

Anzeige

Die andere Möglichkeit dürfte bei vielen Menschen erst einmal Ekel auslösen: Auf künstliches Fleisch umsteigen. Nicht auf Fleischersatz wie Soya, dass nur den Anschein von Steak, Burger oder Würstchen erwecken will und in konventionellem Anbau auch nicht sonderlich umweltfreundlich ist. Nein, auf "wirkliches" Fleisch, das im Labor gezüchtet wurde. Von der Struktur und seinem chemischen Aufbau soll es im Optimalfall nicht von "echtem" Fleisch zu unterscheiden sein, es stammt eben nur aus dem Labor statt aus dem Schweinestall.

Zahlreiche Forscher und Startups auf der ganzen Welt beschäftigen sich derzeit mit der Frage, wie sich das Kunstfleisch am besten und kostengünstigten herstellen lässt. Jetzt dürfte einem Professor an der Universität Maastricht der Durchbruch gelungen sein. Mark Post will am fünften August auf einer Veranstaltung in London den ersten Burger aus der Petrischale zur Verkostung präsentieren. Billig ist das Ganze aber noch nicht. Der Preis für den Kunstburger: 325 000 US Dollar (knapp 250 000 Euro).

Aus der Zelle einer Kuh gewonnenDer Burger soll aus 20 000 Muskelstreifen bestehen, die Post in seinem Labor kultiviert hat. Ausgangsstoff dafür war eine Zelle aus dem Nacken einer Kuh, die Post anschließend in der Petrischale tausendfach duplizierte, um so aus einem kleinen Hautfetzen einen ganzen Burger zu erschaffen. Bei diesem Aufwand ist der Preis nicht verwunderlich. Ein kleine Einschränkung bei der Herstellung gibt es allerdings noch: Die Muskelstreifen wurden mit tierischen Stoffen kultiviert - sind also nicht vollständig "tierfrei".

Jedoch ist sich Post, der eine Koryphäe auf diesem Gebiet ist, sicher, dass sich der Anteil an tierischen Bestandteilen mit weiterer Forschung reduzieren lasse.

Nach Angaben des Forschers schmecke der Burger aus Kunstfleisch "einigermaßen gut". Ob das die Konsumenten auch so sehen, da ist sich Post derzeit aber noch nicht so sicher. Die Verkostung könnte da neue Erkenntnisse bringen.

Ist das das Fleisch der Zukunft?Ist also der Burger, den Post lediglich mit Salz und Pfeffer servieren will, der Durchbruch in eine neue Ära des Fleischkonsums? Das ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen. Das Problem ist natürlich einerseits der hohe Preis - andererseits dürfte "Frankenfleisch" aus dem Labor vielen Konsumenten durchaus unheimlich sein. Sollten Carnivore aber in Massen bereit sein, künftig der Umwelt zu Liebe auf Angusrind zu verzichten und auf "Laborrind" umzusteigen, dürften die Preise für Kunstfleisch schnell fallen.

Immerhin: Der Burger aus dem Maastrichter Labor zeigt, dass artifizielles Fleisch möglich ist. Professor Post' Hoffnung: Sobald Journalisten und Verbraucher die Möglichkeit haben, artifizielles Fleisch zu probieren, wird der Zuspruch und dementsprechend die Förderung steigen. Dann sei der Weg frei zur Massenproduktion.

Dass Post als Fleischsorte für seinen Burger Rind gewählt hat, dürfte kein Zufall sein: Rindviecher sind laut aktuellen Studien nämlich die Klimaverpester Nummer Eins unter den Nutztieren.

Wir wünschen guten Appetit!

Nachtrag: Weitere Details zur Verkostung wollte Mark Post noch nicht verraten. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir an dieser Stelle berichten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%