Kurierdienst mit Lastenfahrrad: Genossenschaft in Berlin macht Autos Konkurrenz

Kurierdienst mit Lastenfahrrad: Genossenschaft in Berlin macht Autos Konkurrenz

von Felix Ehrenfried

Mit dem Startup Velogista will ein ehemaliger Finanzmanager das Transportgewerbe umkrempeln.

Wenn in Großstädten weltweit wichtige Dokumente schnell bei Kunden und Geschäftspartnern ankommen müssen, setzen besonders in der Rushhour viele Unternehmen auf die Dienste eines Fahrradkuriers. Denn die radelnden Transportprofis kennen keine Staus und kommen so auch an den längsten Autokolonnen schnell vorbei.

Die Kuriere haben jedoch ein Problem: Die Menge, die sie transportieren können ist beschränkt. So sind mehrere Aktenordner kein Problem, geht es aber an größere Waren, wie klobige Bauteile oder ähnliches, müssen die meisten Zweiradboten passen.

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Ein Berliner Unternehmen will diesem Problem mit speziellen Lastenbikes jetzt Herr werden. Unter dem Namen "Velogista" tüftelt Martin Seißler bereits seit 2011 an einer Lösung, um Fahrräder auch für größere Lasten zu nutzen.

Seit September vergangenen Jahres ist der ehemalige Finanzmanager nun mit Lastenbikes im Einsatz, die dank Elektromotor und großer Ladefläche auch große Güter an Unternehmen im Berliner Stadtgebiet liefern können.

Selbst eine Europalette passt ins Velogista-BikeMit den E-Mulis gehen Seißler und sein Team, das sich mittlerweile zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen hat, einen Schritt weiter als bisherige Lastenbikes. Denn während bei handelsüblichen Cargorädern wie dem besonders in Dänemark beliebten Bullit bei zwei Bierkisten Last Schluss ist, können die Bikes von Velogista theoretisch eine ganze Europalette zuladen.

Bis zu 250 Kilogramm transportieren die aktuell 13 Mitarbeiter mit ihren Bikes. Dank Elektromotor beschleunigen ihre Gefährte dabei auf maximal 25 Stundenkilometer und haben eine Reichweite von rund 100 Kilometern. Hersteller der Räder ist das Unternehmen Radkutsche, das südlich von Stuttgart beheimatet ist.

Das Ziel von Seißler und seinem Team: Er will "gegenwärtige Herausforderungen in urbanen Räumen lösen", wie er erklärt. Konkret bedeutet das weniger Autos auf den Straßen und dadurch auch weniger Schadstoffbelastung in der Luft.

Außerdem soll Velogista nicht nur umweltfreundlich sein und günstige Lieferkonditionen für Kunden bieten – auch die Mitarbeiter sollen von dem Transportkonzept profitieren. So werde jeder Fahrer fair bezahlt und auf Wunsch ein Mitglied der Genossenschaft, versichert Seißler. Aktuell bedeutet das immerhin Bezahlung nach dem gesetzlichen Mindestlohn. Das Konzept könnte also so etwas wie das Gegenmodell zu Paketdienstleistern wie Hermes und GLS sein, die immer wieder durch schlechte Bezahlung und enorm lange Arbeitszeiten in die Schlagzeilen geraten.

Aktuell ist Velogista von Berlin-Kreuzberg mit zwei Lastenrädern im Einsatz und beliefert nach eigenen Angaben rund 30 Kunden aus Gastronomie, Getränkehandel oder Berliner Manufakturen. Dabei bietet die Genossenschaft unterschiedliche Services an, vom regelmäßigen Warentransport bis zum Einsatz der Bikes als Werbeträger.

Flottenausbau bis 2017Künftig will Seißler mit seinem Team den Service und vor allem seine Flotte ausbauen: Bis Sommer 2015 sollen vier weitere Lastenfahrräder hinzukommen, zwei Jahre später dann sollen bis zu 25 E-Bikes für Velogista Dienst tun.

Um die Expansion zu realisieren, soll eine Crowdfundingkampagne das nötige Geld bringen. 20.000 Euro lautet die Zielsumme, für die Seißler dann zwei weitere Elektrobikes in Betrieb nehmen will. Start der Kampagne soll Mitte Oktober sein.

Die vergrößerte Flotte soll für höhere Umsätze und mehr Gewinn sorgen, um das Unternehmen schon bald profitabel zu machen. Denn bisher fließen alle Gewinne an die Bezahlung der angestellten Fahrer, die direkten Mitarbeiter von Velogista arbeiten noch unentgeltlich.

Neben dem Ausbau der Flotte seien auch weitere Standorte in Berlin geplant, die den Einsatz der Lastenbikes in Zukunft noch einfacher machen, sagt Seißler.

Das Cargobike mit großer Staufläche bietet damit viele Vorteile gegenüber einem klassischen Autotransporter: Es ist schneller und umweltfreundlicher. Jedoch ist der Stauraum begrenzter, gleichzeitig dürfte der Transport mit den dreirädrigen Lastenbikes trotz E-Motor langsamer als mit einem klassischen Fahrradkurier sein.

Jedoch könnte das Konzept gerade in einer Großstadt wie Berlin aufgehen. Hier sind die Wege vergleichsweise kurz, sodass die Reichweite der Bikes für den alltäglichen Einsatz genügen dürfte. Gleichzeitig bringt die Lieferung per Velogista-Bike einen positiven Marketing-Effekt für die beteiligten Unternehmen. Denn es zeigt: Sie setzen auf umweltfreundliche Transportmittel.

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