Lagos: Ein Startup will Nigerias Müllproblem lindern

Lagos: Ein Startup will Nigerias Müllproblem lindern

von Constantin Alexander

Fahrradkuriere des Unternehmens WeCyclers sammeln in Lagos Abfall, um ihn zu recyceln. Tausende Haushalte beteiligen sich bereits.

Es gibt keinen Müll – nur Recyclingmaterial. Der informelle Leitspruch der nachhaltigen Wirtschaft prägt auch eine neue Bewegung, die in Schwellenländern immer öfter die Wegwerf-Gesellschaft in Frage stellt. Innovative Konzepte verbinden dabei Mobilität und mobile Bezahlsysteme mit Recycling und alternativem Konsum.

Ein Beispiel dafür ist WeCyclers aus Nigeria. Das Unternehmen lässt Fahrradkuriere in Haushalten in der Millionenstadt Lagos Plastikmüll und Alu-Dosen sammeln. Diese werden an zentralen Empfangsstellen gewogen, wofür es Punkte per SMS auf das Handy der  Müllproduzenten gibt. Die Punkte können die Familien in Läden gegen Produkte eintauschen. Die Kuriere bringen das Material zu einer Sammelstelle, wo es Arbeiter sortieren, reinigen und schließlich an Recyclingunternehmen weiterverkaufen.

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Anstatt den Müll also auf einer der zahlreichen Müllkippen der Stadt zu verscharren, gelangt er als nutzbare Ressource zurück in den Kreislauf. WeCyclers sind also eine Art private Müllabfuhr, die über ein Anreizprogramm einen bewussteren Umgang mit Ressourcen erzeugen möchte.

Müll als PlageDass bereits mehrere tausend Haushalte in Lagos in das System integriert sind, zeigt, dass die Idee funktioniert. Die städtische Müllabfuhr ist mit der Entsorgung und dem Recycling derzeit überfordert. Das führt zu zahlreichen Problemen: Der unsachgemäße Umgang mit Müll hat in den verwinkelten Wohngebieten der Stadt verheerende Auswirkungen.

Gerade in Slums führen illegale Deponien zu Gestank, erhöhter Flutgefahr, der Verbreitung von Krankheiten auch durch Tiere wie Ratten; durch das Abfackeln des Mülls entstehen außerdem giftige Dämpfe.

Mit ihrer Initiative wollen die Gründer von WeCyclers also nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch gesellschaftlich etwas verändern. Durch das System entstehen Arbeitsplätze, Menschen können mit den Punkten einkaufen, und vielleicht sorgt das Unternehmen ja sogar dafür, dass die Bewohner von Lagos anfangen, nicht nur den eigenen Müll zu sammeln und zu verkaufen, sondern auch den, der am Straßenrand liegt.

Was Dank des Handy Booms in Afrika möglich ist, zeigt auch ein Unternehmer aus Ruanda. Jeff Gasana hat es mit seinem mobilen Bezahlsystem ermöglicht, dass die Menschen im Land unterbrechungsfrei Strom beziehen können.

Afrika, das zeigen die beiden Beispiele, ist schon längst nicht mehr der rückständige Kontinent, für den ihn viele halten.

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