Landwirtschaft: Agrarwissenschaftler: Glyphosat ist das kleinere Übel

ThemaRohstoffe

Landwirtschaft: Agrarwissenschaftler: Glyphosat ist das kleinere Übel

Bild vergrößern

En Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze über ein Feld. Ob im Agrarsektor weiter auf Glyphosat benutzt werden darf, entscheidet sich bis Ende Juni. (Foto: Patrick Pleul/dpa)

von Wolfgang Kempkens

Der Unkrautvernichter steht im Verdacht Krebs zu erregen. Dennoch plädiert Professor Günter Neumann dafür, das Mittel weiter in der Landwirtschaft einzusetzen.

Professor Günter Neumann, Agrarwissenschaftler an der Universität Hohenheim, scheint zu denen zu gehören, die gegen das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sind. „In den vergangenen Jahren mehren sich Zweifel an der generellen Unbedenklichkeit von Glyphosat und der Zusatzstoffe im Spritzmittel“, sagt er. Das Präparat, das von mehreren Dutzend Chemieunternehmen vor allem in China hergestellt wird – Marktführer ist der US-Konzern Monsanto –, könnte, wenn es in die Nahrungskette gerät, Krebs verursachen, fürchten manche Kritiker. Doch Neumann kontert. Glyphosat sei „ein wichtiges und wertvolles ackerbauliches Werkzeug und sollte auch als solches behandelt werden.“ Es wirke hocheffizient gerade bei Problemunkräutern und töte auch die Wurzeln ab.

Andererseits habe Glyphosat negative Einflüsse auf den Artenreichtum unserer Kulturlandschaften, gibt der Professor zu bedenken. Trotzdem empfiehlt er nicht, das Mittel zu verbieten – die Europäische Union muss bis zum Monatsende eine Entscheidung für oder gegen Glyphosat treffen. Neumanns Begründung: Würde es verboten, wichen die Landwirte auf andere Herbizide aus, die nachweislich schädlicher für die Tierwelt und die ganze Umwelt sind.

Anzeige

Anbaumethoden nicht mehr möglich

Außerdem wären dann Anbaumethoden nicht mehr möglich, bei denen auf energieintensives und damit umweltschädliches Pflügen verzichtet werden kann: Die Mulch- und die Direktsaat. In beiden Fällen findet die Aussaat statt, ohne Pflanzenreste von den Feldern zu entfernen. Gäbe es kein wirksames Herbizid würde das Unkraut üppig wuchern, weil das Wachstum ja nicht durch Pflügen verzögert wird. Kulturpflanzen hätten dann keine Chance, sich durchzusetzen. Diese Anbaumethode verhindert die Bodenerosion.

Neumann geht auch davon aus, dass ein Totalverbot von Glyphosat das Problem der Rückstände in der Nahrungskette nicht grundlegend verändern würde. „Für die Futter- und Nahrungsmittelindustrie wird in großem Maßstab Soja importiert, und das stammt überwiegend von Glyphosat-resistenten Sorten.“ In den USA und Asien wird Soja angebaut, der genetisch so verändert ist, dass er gegen Glyphosat resistent ist. In Europa wird das praktisch nicht gemacht.

Auch wenn Neumann Glyphosat für das kleinere Übel hält: Ein unbekümmerter Umgang mit dem Präparat sei gefährlich. Glyphosat sollte nur noch von Personen mit Sachkundenachweis angewandt werden, sagt der Experte. Im Heimgartenbereich oder in Parks sollte es ganz verboten werden. Landwirte sollten sich nicht auf das Herbizid allein verlassen. Eine vielseitige Fruchtfolge könne einen Beitrag zur Minimierung von Unkräutern leisten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%