Landwirtschaft: Mehr Handel könnte die Antwort auf den Klimawandel sein

Landwirtschaft: Mehr Handel könnte die Antwort auf den Klimawandel sein

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Schon ein kleiner Anstieg der globalen Temperatur kann drastische Folgen für regionale Ernten, wie hier im Sudan, haben.

von Ruth Herberg

Die Erderwärmung belastet die Landwirtschaft: Ernten werden schlechter, Lebensmittel teurer. Eine neue Studie zeigt allerdings: Freier Handel könnte die Verluste begrenzen.

Knapp 40 Prozent der Gesamtfläche der Erde sind nach Angaben der Weltbank im Jahr 2013 für landwirtschaftliche Produktion genutzt worden. 2,5 Milliarden Menschen und damit etwa ein Drittel der Weltbevölkerung konnten so ihren Lebensunterhalt sichern. In Zukunft dürfte das jedoch schwieriger werden – denn die fortschreitende Erderwärmung bedroht die Produktivität massiv.

Wissenschaftler haben nun ausgerechnet, dass die ökonomischen Verluste in der Landwirtschaft bis Ende des Jahrhunderts auf rund 0,8 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts steigen könnten - das wären 2,5 Billionen US-Dollar. Für Regionen mit begrenztem Zugang zu landwirtschaftlichen Ressourcen könnten die Einbußen sogar noch höher ausfallen.

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„Die Landwirtschaft ist sehr anfällig für Klimaveränderungen“, sagt Miodrag Stevanović, der die Studie am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet hat. Schon ein kleiner Anstieg der globalen Mitteltemperatur könne Konsequenzen für regionale Ernten haben, „was sich wiederum auf die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion auswirkt.“

 

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Die Begrenzung des Klimawandels ist für die Forscher der einzige Weg, negative Folgen wie lang anhaltende Dürren zu verhindern.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler 19 mögliche Klimaprognosen mit Simulationen zu wirtschaftlichen Erträgen zusammengebracht. So konnten sie abschätzen, welche ökonomischen Folgen der Klimawandel für den Agrarsektor hat. Wie stark die Verluste sind, sei zwar von unterschiedlichen Faktoren wie der angenommenen Produktivität, dem erwarteten CO2-Düngeeffekt und sozio-ökonomischen Faktoren abhängig, heißt es.

Hunger und Mangelernährung nehmen zu

Einen Trend konnten die Wissenschaftler trotzdem erkennen: Weil die Lebensmittelpreise steigen, müssen Konsumenten nicht nur tiefer in die Tasche greifen – auch Nahrungsmittelknappheit und Mangelernährung werden wahrscheinlicher. „Die Begrenzung des Klimawandels ist der beste Weg, um diese Risiken zu vermeiden“, sagt Hermann Lotze-Campen, Leiter des Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität.

Ließen sich bestimmte Folgen jedoch nicht mehr vermeiden, dann könne ein offenes und breit gefächertes Handelssystem eine wichtige Anpassungsoption sein. „Handel kann auf Veränderungen der globalen Muster von landwirtschaftlicher Produktivität reagieren und so niedrigere Produktionskosten und höhere Nahrungsmittelsicherheit ermöglichen“, so Lotze-Campen. Freier Handel könnte nach Einschätzung der Wissenschaftler die finanziellen Schäden global um 65 Prozent abfedern.

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„Unabhängig von Annahmen zum globalen Handel wird der Klimawandel die Ernten in vielen Regionen der Welt beeinträchtigen“, sagt Ko-Autor Alexander Popp. „Gleichzeitig ist es riskant, als Reaktion die Produktion zu intensivieren oder das kultivierte Land auf bislang nicht bewirtschaftete Flächen auszuweiten.

Das könne zu vermehrtem Einsatz von Dünger oder aber zu steigenden Treibhausgas-Emissionen durch die Entwaldung führen – und den Druck auf die Landwirtschaft im Klimawandel zusätzlich erhöhen.

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