Lebensmittel: Können wir Verpackungen bald essen?

Lebensmittel: Können wir Verpackungen bald essen?

von Felix Ehrenfried

Forscher entwickeln Schutzhüllen für Lebensmittel, die gegessen werden können. Doch wollen wir die essbare Verpackung überhaupt?

Wer heute im Supermarkt einkauft, kauft vor allem eines: Jede Menge Müll, der durch Verpackungsmaterialien entsteht. Ob der Karton für die Eier, die Plastiktüte für die Nudeln oder der Papierbeutel für das Brot: Nahezu jedes Lebensmittel das heute verkauft wird, kommt in einer passenden Verpackung daher, die, beim Endkunden angelangt, sofort im Müll landet.

Aber geht das nicht anders? Ein Blick in die Geschichte verrät: Doch, denn schon lange bevor Plastik überhaupt entwickelt wurde behalfen sich Menschen mit unterschiedlichen Techniken, um Lebensmittel möglichst lange haltbar zu machen. So wurde in Europa jahrhundertelang Obst frisch gehalten, indem es mit einer Schicht aus geschmolzenem Schweinefett überzogen wurde. Seemänner sorgten dafür, dass ihr Fleisch auf langen Überfahrten genießbar blieb indem sie es pökelten, also mit Salz beschichteten.

Anzeige

Eine weitere Möglichkeit wollen Forscher aus den USA jetzt schaffen: die essbare Verpackung. Sie konzentrieren sich dabei aktuell vor allem auf Früchte. So soll es, den Forschern zufolge, bald möglich sein, aufgeschnittene Äpfel über Tage hinweg zu lagern, ohne das sie braun werden oder an Geschmack und Nährstoffen verlieren.

Auf dem National Meeting & Exposition of the American Chemical Society (ACS), das vor wenigen Tagen im US-Bundesstaat Indiana stattfand, diskutierten die Experten, wie die essbare Verpackung der Zukunft genau aussehen könnte. Die Technologie der Wahl dabei: Eine dünne Schutzschicht, die sich direkt auf das Nahrungsmittel auftragen lässt.

Verpackung zum AufsprühenIm Optimalfall gar nicht zu sehen, kann die Verpackung so einfach mitgegessen werden. Das spart Umweltressourcen und soll die Lebensmittel frisch halten. Erste Erfolge gibt es schon zu vermelden.

So erklärte Attila E. Pavlath, Forscher am U.S. Department of Agriculture und einer der Experten auf dem Gebiet der essbaren Verpackung, wie er mit seinem Team eine Technik entwickelt hat, die Apfelstücke über zwei bis drei Wochen daran hindert, braun zu werden. Auch sollen die Apfelstücke, die mit der Schutzschicht überzogen sind, nicht an Frische und Vitamingehalt verlieren. Aufgetragen wird die Schicht durch einfaches Aufsprühen.

Die Erforschung solcher speziellen Verpackungen wird sich in Zukunft verstärken, glaubt Pavlath. Und das nicht ohne Grund. So würden schon heute zehn Prozent der verkauften Früchte in den USA fertig zum Verzehr im Supermarkt landen und benötigten eine dementsprechende Schutzschicht. Der Anteil dieser, in Deutschland meist als Convenience-Food bekannten, Lebensmittel werde in den nächsten Jahren dramatisch steigen und schon bald mehr als zehn Milliarden US-Dollar (rund 7,5 Milliarden Euro) Umsatz generieren.

Der Markt für essbare Verpackungen existiert also bereits und auch die Technik ist verfügbar. Allerdings bleibt die Frage: Wollen wir, dass unsere Lebensmittel in Zukunft von einer unsichtbaren Schutzschicht umhüllt sind, die in den Laboren der Lebensmittelhersteller entwickelt werden?

Heute werden zwar auch in deutschen Supermärkten beispielsweise Äpfel mit einer Schutzschicht aus Wachs überzogen, jedoch sind diese Schutzhüllen erkennbar und in großen Teilen abwaschbar.

Bis geklärt ist, ob und was für Auswirkungen solche essbaren Verpackungen auf den menschlichen Körper hat, wird es die neuartige Verpackungsform, zumindest in Deutschland, schwer haben.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%