Lebensmittelverschwendung: 1,3 Milliarden Tonnen landen im Müll

Lebensmittelverschwendung: 1,3 Milliarden Tonnen landen im Müll

von Daniel Anthes

Massenhaft Nahrungsmittel landen im Müll - unnötig, aber noch fehlen geeignete Instrumente gegen die Verschwendung.

Daniel Anthes ist Nachhaltigkeitsbeauftragter bei einer international tätigen Wirtschaftsberatung. Für WiWo Green schreibt er Gastbeiträge zu den Themen Ressourcenmanagement und CSR.

Lebensmittelverschwendung war lange ein chronisch unbeachtetes Thema, doch mittlerweile bekommt es endlich die öffentliche Aufmerksamkeit, die es verdient. Und es ist höchste Zeit, birgt der Kampf gegen die enormen Massen an Lebensmittelabfällen und -verlusten nämlich ein großes Potenzial für die Triple-Bottom-Line – also für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen.

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Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) werden derzeit weltweit 1,3 Milliarden Tonnen essbarer Lebensmittel pro Jahr weggeworfen – dies entspricht Kosten von einer Billion US-Dollar für den Einzelhandel. Und das ist noch lange nicht das Ende des Ausmaßes einer ungeheuren Ressourcenverschwendung: Für Produktion, Transport, Lagerung und Vermarktung der Lebensmittel werden große Mengen an Energie, Wasser und Land benötigt.

Drittgrößter Emittent von TreibhausgasemissionenMit jährlich rund 3,3 Gigatonnen stellt die weltweite Lebensmittelverschwendung nach China und den USA den drittgrößten Emittenten von Treibhausgasemissionen dar. Ferner geht das UN-Umweltprogramm davon aus, dass die Lebensmittelproduktion für 70 Prozent des globalen Frischwasserverbrauchs und 80 Prozent der Waldrodungen und -Abholzungen verantwortlich ist.

Doch nicht nur die Implikationen für die Umwelt und damit globale Herausforderungen wie den Klimawandel und die Ressourcenknappheit sind höchst bedrohlich. Auch vor dem sozialen Hintergrund ist man mit weltweit über 800 Millionen Hungerleidenden immer noch weit von allgemeiner Nahrungsmittelsicherheit und nachhaltiger Entwicklung entfernt. Dabei könnte die Erde schon heute bei einer gerechteren Verteilung die bis 2050 prognostizierte Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen ernähren.

Die deutsche Bundesregierung hat sich nun am vergangenem Wochenende auf der UN-Vollversammlung in New York neben den anderen 192 Mitgliedsstaaten zu den globalen Nachhaltigkeitszielen verpflichtet. Das zwölfte von insgesamt 17 Zielen für mehr Armutsbekämpfung, inklusive Gesellschaften und Umweltschutz bis zum Jahr 2030 fordert nachhaltige Produktions- und Konsummuster. Eines der Unterziele hiervon ist, die pro Kopf-Lebensmittelverluste bis 2030 zu halbieren.

Mehr als die Hälfte des deutschen Lebensmittelmülls ist vermeidbarDenn auch in Deutschland ist ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Lebensmittelverschwendung bittere Notwendigkeit. Über 18 Millionen Tonnen und damit fast ein Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs landen hier pro Jahr im Müll – mehr als die Hälfte davon wäre vermeidbar. Vom Produzenten über den Groß- und Einzelhandel, die Gastronomie bis zu den Privathaushalten – mehr oder weniger jeder Schritt entlang der Wertschöpfungskette muss in die Pflicht genommen werden.

Deshalb ist klar, dass der politischen Willensbekundung nun auch Taten in Form eines nationalen Aktionsplans folgen müssen. Es bedarf unmittelbar und schnell wirkender Politikinstrumente – seien es verhaltensbasierte Anreize, Vorgaben für Gastronomie und Supermärkte oder eine Änderung des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Allgemeine Maßnahmen zur Steigerung der Wertschätzung von Lebensmitteln sind ebenso vonnöten. So versucht der von der Bundesregierung für sein Engagement ausgezeichnete Verein ShoutOutLoud aus Frankfurt am Main durch diverse Projekte zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beizutragen. Ob Koch-Events mit geretteten Lebensmitteln, Workshops zu lokalem Gemüse oder die Auszeichnung vorbildlicher Einzelhandelsbetriebe – die vereinseigene Initiative “Kein Essen für die Tonne” ist stets Programm.

Zu Recht rückt das Thema vermehrt in das gesamtgesellschaftliche Interesse. Denn uns wird schon jetzt unweigerlich klar gemacht, dass sich unsere Nachfolgegenerationen diese Art der Ressourcenverschwendung nicht mehr leisten können. Außerdem war es nie einfacher, Geld zu sparen und dabei noch einen wichtigen Beitrag zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit zu leisten.

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