LED-Straßenbeleuchtung: Indiens Revolution als Vorbild für Deutschland?

LED-Straßenbeleuchtung: Indiens Revolution als Vorbild für Deutschland?

von Peter Vollmer

Die Beleuchtung von Indiens Straßen soll in zwei Jahren komplett auf LED umgestellt werden.

Indien macht ernst: Das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt will innerhalb der nächsten zwei Jahre alle Straßenleuchten mit LED-Lampen ausstatten - immerhin 20 Millionen Stück.

Die Kosten liegen bei fast 400 Millionen US-Dollar. Allerdings will die Regierung so über zehn Milliarden kWh im Jahr einsparen, was die Kosten schon im ersten Jahr wieder einspielen würde.

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Eine Hauruckaktion, wie sie in Deutschland undenkbar wäre. Hier suchen die Gemeinden selbst ihre Beleuchtung aus. Das macht den Prozess deutlich schwieriger. Nach DPA-Informationen sind etwa in Berlin erst 600 der 224.000 Straßenleuchten umgestellt, aber von Region zu Region unterscheiden sich die Zahlen deutlich.

Insgesamt waren, so eine Studie des Dienstleistungsunternehmens PwC, Ende 2014 elf Prozent der neun Millionen Leuchten in Deutschland bereits auf LED umgestellt. Entsprechend urteilten die Autoren: "Unterm Strich ist die öffentliche Beleuchtung in Deutschland veraltet."

Ehrgeizige EnergiezieleIndien steht aber auch unter einem anderen Druck: Premier Narendra Modi hat ehrgeizige Erneuerbaren-Ziele formuliert. Dass nun durch die veraltete Beleuchtung fünf Gigawatt weniger Leistung benötigt werden, wird dabei helfen. Schon im Januar hatte Modi angekündigt, 100 Städte binnen einen Jahres mit LED-Straßenleuchten auszustatten.

Zwar gibt es seit den 1980er-Jahren eine Verordnung zur Beleuchtung im öffentlichen Raum, diese wird allerdings von den indischen Behörden nicht überprüft. Und so gibt es in den Gemeinden auch die unterschiedlichsten Beleuchtungsarten, darunter auch mancher Stromfresser.

In Deutschland werden vor allem Natriumdampflampen eingesetzt, die bereits recht effizient arbeiten – auch deshalb ist der Umbau hin zur LED weniger eilig. Dennoch hat die neue Technologie auch gegenüber der Dampflampe einige Vorteile.

So ist die Streuung der LED viel geringer – was zu einer besseren Ausbeute und vor allem weniger Lichtverschmutzung führt. Außerdem lassen sich LED-Lampen deutlich häufiger ein- und ausschalten beziehungsweise dimmen, ohne dass es die Lebensdauer beeinflusst. Ein wichtiges Argument etwa für Beleuchtung mit Bewegungssensoren.

Mehr Ausbau in diesem JahrEinen kleinen Ausbau-Schub gab es in der ersten Jahreshälfte, denn seit April dürfen die ebenfalls noch verbauten Quecksilberlampen nicht mehr verkauft werden. Diese machten noch 2013 über ein Drittel aller Straßenleuchten aus. Die meisten werden nun nach und nach durch LED-Lampen ersetzt.

Ein Beispiel: Rund um das größte Kölner Klärwerk wurden im vergangenen Jahr 287 Quecksilber-Hochdrucklampen gegen 367 LED-Lampen ausgetauscht. Obwohl mehr Lampen installiert wurden, sank der Strombedarf um 73 Prozent.

Ein vom Forschungsministerium geförderter Bericht der TU Darmstadt kam 2013 zu dem Schluss, dass LED sich leicht auf die bestehende Infrastruktur aufsetzen lassen. Die Lampe habe sich „als ökologisch sinnvolle und ökonomisch vorteilhafte Alternative etabliert“.

Einziger Streitpunkt: Viele Menschen wollen sich nicht vom warm-gelben Licht der Natriumdampflampe trennen – doch je wärmer das Licht, desto ineffizienter ist die LED. Doch die Fortschritte, die die LED insbesondere im Heimbereich gemacht hat, dürften sie auch hier bald zur umweltfreundlicheren Alternative machen. Schon jetzt schätzt PwC, dass mit einer LED-Revolution wie in Indien 135 Millionen Euro im Jahr gespart werden könnten.

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