Letzte Eiszeit: Treibhausgase ließen Gletscher schmelzen

Letzte Eiszeit: Treibhausgase ließen Gletscher schmelzen

von Leonard Goebel

Auch nach der letzten Eiszeit ist die Gletscherschmelze durch Kohlendioxid verursacht worden. Ein Vorgang, den wir nun mindestens beschleunigen.

Der Rückgang von Gletschern ist eines der auffälligsten Zeichen der Erderwärmung. Allerdings wird von Klimawandelskeptikern immer wieder in Zweifel gezogen, dass die Gletscherschmelze – und die globale Erwärmung generell – auf menschliches Handeln zurückzuführen ist.

Das Hauptargument: Klimaveränderungen und daraus resultierende Veränderungen der Eisschichten habe es immer schon gegeben. So zum Beispiel vor 11.000 Jahren, als die letzte Eiszeit endete.

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Nun haben Forscher mehr als 1.000 Gesteinsbrocken aus aller Welt untersucht, die nach der Eiszeit nicht mehr von Gletschern bedeckt waren. Das Ergebnis: Die Gletscher gingen damals – ähnlich wie heute – überall zur gleichen Zeit zurück. Regionale Ursachen können die Schmelze somit nicht erklären.

Stattdessen fand das Team um Jeremy Shakun, Geologe am Boston College, heraus, dass auch der damalige Rückgang der Gletscher durch Treibhausgase verursacht wurde. „Unsere Studie räumt jeden Zweifel aus: Die steigende Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre löste das Abschmelzen der Gletscher vor 11.000 Jahren aus“, so Shakun. Andere Erklärversuche - etwa Sonnenaktivitäten - rücken damit in den Hintergrund.

Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschien, gibt einen düsteren Hinweis darauf, welche Folgen der jetzige Klimawandel für die Gletscher haben könnte. Denn während sich zum Ende der letzten Eiszeit die Kohlendioxid-Konzentration in der Luft innerhalb von rund 6.000 Jahren von 180 ppm (Teile pro Million) auf 280 ppm erhöhte, vollzieht sich der aktuelle Anstieg um ein Vielfaches schneller.

So stieg die CO2-Konzentration in den letzten 200 Jahren von rund 300 ppm auf aktuell 400 ppm. Durch die Zunahme von CO2 (und anderen Treibhausgasen wie Methan) in der Luft heizt sich die Erde auf, da die Wärme der Sonneneinstrahlung wie bei einem Glashaus am Entweichen gehindert wird. „Dies zeigt uns, dass wir heute etwas Ähnliches auslösen wie zum Ende der letzten Eiszeit – nur viel stärker“, sagt Shakun.

Gletscherschmelze so schnell wie nie zuvorWie dramatisch sich der Klimawandel auf die weltweiten Gletscher auswirkt, zeigt auch eine andere Studie, die kürzlich im „Journal of Glaciology“ erschienen ist. Demnach ist das Gletschereis im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends so schnell zurückgegangen wie niemals zuvor. "Die Eisdicke der beobachteten Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab, das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert", so der Hauptautor Michael Zemp vom World Glacier Monitoring Service (WGMS).

Vorläufige Daten weisen zudem daraufhin, dass der Rückgang nach 2010 ungebremst weitergegangen ist. Wobei es in den einzelnen Jahren Unterschiede geben kann, wie dieses Google-Aufnahmen des Columbia-Gletschers in Alaska zeigen:

Auch für die Zukunft sehen die Autoren schwarz. Denn je weniger Eis da ist, desto schneller schreitet der Rückgang voran, zumal sich das umliegende Gestein erhitzt und die Reflektion der weißen Eisfläche ausbleibt. Selbst wenn die Erderwärmung gestoppt werden könnte, wären viele Gletscher also kaum noch zu retten – zu stark ist bereits die Eigendynamik der Schmelze.

Das Verschwinden der Gletscher hätte – und hat bereits vielerorts – dramatische Auswirkungen auf die Natur und die Menschen. So werden insbesondere viele Flüsse und Seen aus dem Schmelzwasser der Gletscher gespeist.

Der drastische Rückgang trifft laut Zemp auch einige Gletscher in der Alpenregion: So habe sich beispielsweise der Aletschgletscher um mehrere Kilometer zurückgezogen. Für die Studie haben er und sein Team mehr als 47.000 Daten von über 2300 Gletschern ausgewertet. Das zugrundeliegende Gletscher-Register sammelt seit gut 120 Jahren Daten aus Beobachtungen am Boden, aus der Luft und der Erdumlaufbahn. Die Studie ist damit die wohl umfangreichste Arbeit, die es derzeit zum Zustand der Gletscher gibt.

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