Licht: Das Comeback der Energiesparlampe

Licht: Das Comeback der Energiesparlampe

von Andreas Menn

LEDs galten als Licht der Zukunft - jetzt kommt die Energiesparlampe zurück: Hell, dimmbar, sparsam und ohne Quecksilber.

Über Energiesparlampen scheiden sich die Geister. Für die einen sind sie die Lichtschwerter im Kampf gegen den Klimawandel. Für die anderen sind sie eine Katastrophe: Ihr Licht mache depressiv, heißt es, zudem halten sie längst nicht so lange wie versprochen und sind obendrein vergiftet - mit Quecksilber.

Zwei Milligramm des Nervengifts stecken drin in einer Sparbirne. Zerbricht sie Ihnen, dann atmen Sie krankmachende Dämpfe ein. Zerbrechen Hunderte Energiesparlampen, dann sind Sie mausetot.

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Die Kompaktleuchtstofflampe - so der Fachbegriff - gilt aus diesen Gründen vielen längst als Übergangstechnik. Die Zukunft gehört nach allgemeiner Einschätzung der LED. Aber das könnte sich schon bald ändern.

Licht für ein halbes LebenDenn die Sache mit dem Quecksilber hat Wissenschaftlern vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Fachhochschule Aachen keine Ruhe gelassen. Und siehe da: Auf der Hannover Messe präsentieren Sie die erste Sparlampe, für die kein Kampfmittelräumkommando anrücken muss, wenn eine Palette davon auf der Autobahn zerschellen sollte.

Die 3rdPPBulb kommt völlig ohne Quecksilber aus - und hat damit eine deutlich bessere Ökobilanz als herkömmliche Sparlampen. Zwei Milliarden Energiesparlampen mit Quecksilber werden weltweit jedes Jahr verkauft - und müssen am Ende ihres Lebens aufwändig eingesammelt und entsorgt werden. Gelangt der Giftstoff trotzdem in die Umwelt, reichert er sich in Lebensmitteln an. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt inzwischen Frauen, in der Schwangerschaft und Stillzeit bestimmte Fischarten nicht mehr zu verzehren, um ihr Kind nicht dem Risiko eines Hirnschadens auszusetzen.

Auch technisch ist der giftfreie Lampe ihrer Konkurrenz voraus: Wo andere Birnen erst langsam warm werden, strahlt sie sofort nach dem Einschalten in voller Helligkeit. Ihr Licht hat eine warme Farbe - und lässt sich auch dimmen. "Um die gleiche Helligkeit einer herkömmlichen 75-Watt-Birne zu erzeugen, braucht unsere Lampe nur 13 Watt",  sagt Rainer Kling, Wissenschaftler am KIT. Bald schon sollen es nur noch 12 Watt sein. Zum Vergleich: Heutige Kompaktleuchtstofflampen schlucken mindestens 17 Watt. Die 3rdPPBulb verbraucht also noch einmal 20 Prozent weniger.

Punkten wollen die Karlsruher auch bei der Lebensdauer Ihrer Licht-Innovation: Während viele heutige Energiesparlampen schon nach 5000 Betriebsstunden schlapp machen, soll die 3rdPPBulb laut Laborergebnissen der KIT-Forscher erst nach 30000 Stunden erlöschen - weil sie zum Zünden Mikrowellen nutzt statt verschleißanfälliger Elektroden. Bei einem Einsatz von drei Stunden pro Tag macht das 27 Jahre Lebenszeit. Es dauert also noch eine Weile, bis wir wissen, ob das mit den 30000 Stunden stimmt.

Im Jahr 2014 soll die Innovation auf den Markt kommen - und könnte dank niedriger Herstellungskosten zum gleichen Preis verkauft werden wie heutige Energiesparlampen. Ihre Erfinder sind mit großen Lampenherstellern im Gespräch - wer die 3rdPPBulb fertigen wird, ist noch nicht bekannt. Sollten die KIT-Forscher ihre Versprechen halten, dann könnte die Energiesparlampe der LED das Wasser reichen - und bald womöglich ein überraschenden Comeback erleben.

Im WiWo-Lunchtalk von der Hannover-Messe erklärt KIT-Wissenschaftler Kling die Vorzüge der neuen Sparlampe:



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