Luftverschmutzung: Dramatische Werte in ganz Europa

Luftverschmutzung: Dramatische Werte in ganz Europa

von Wolfgang Kempkens

Die Europäische Umweltagentur schlägt wegen der Luftqualität Alarm. Allerdings lohnt der Blick auf einzelne Schadstoffe.

Von China ist man die Bilder schon fast gewohnt, auf denen man vor dreckiger Luft kaum etwas erkennt, doch auch Europa kriegt vielerorts seine Luftprobleme nicht in den Griff. So wurde in dieser Woche der Straßenverkehr in Rom deutlich eingeschränkt.

Und Rom ist kein Sonderfall: 98 Prozent aller Stadtbewohner in der Europäischen Union atmeten im Jahr 2013 Luft, die mit zu viel Ozon belastet war. Das ist eins der alarmierendsten Ergebnisse der jüngsten Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) zur Qualität der Atemluft.

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Als Maßstab dienten die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO. (Nach den Grenzwerten der EU waren lediglich neun Prozent betroffen.) Ähnlich erschreckend sind die Zahlen für die Feinstaubkonzentration. Nach WHO-Grenzen waren 87 Prozent der Stadtbewohner betroffen. (Nach EU-Zahlen wiederum nur acht Prozent.)

Bei den Grenzwerten für die Stickoxidbelastung hingegen sind sich EU und WHO einig. Danach waren 89 Prozent der Stadtbewohner, die an viel befahrenen Straßen leben, von zu hohen Konzentrationen betroffen. Insgesamt waren es neun Prozent. Einer zu großen Menge an krebserregendem Benzo(a)pyren waren 25 Prozent der EU-Bürger ausgesetzt, vor allem in Osteuropa. Die EEA-Experten schätzen, dass die Schadstoffbelastung der Luft 430.000 Menschen das Leben kostete.

Motoren und Öfen sind HauptverursacherAls Verursacher haben die behördlichen Umweltbeobachter vor allem den Verkehr ausgemacht. Die Belastung durch Stickoxide, die vor allem in hochgezüchteten Dieselmotoren entstehen, sei seit 1990 nicht zurückgegangen. Die Konzentrationen an Feinstaub, den vor allem Dieselmotoren und häusliche Öfen und Heizkessel ausstoßen, die Kohle und Biomasse verbrennen, hat in den vergangenen zehn Jahren sogar zugenommen. Daran haben auch die umstrittenen Umweltzonen nichts ändern können. Verkehr und Haushalte sind auch die Hauptverursacher von Benzo(a)pyrenen, dessen Konzentration im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls zugenommen hat.

Hohe Schadstoffkonzentrationen sind nicht nur für Menschen gefährlich. Sie verschlechtern auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln, weil beispielsweise Ozon die Ernteerträge reduziert und die Wälder schädigt. Im Jahr 2012 waren 27 Prozent der EU-Agrarflächen zu hohen Ozonkonzentrationen ausgesetzt, vor allem in Südeuropa. Waldflächen waren zu 67 Prozent betroffen.

Stickoxide, Ammoniak, das bei der Zersetzung von tierischen Exkrementen frei wird – die der Menschen werden in Kläranlagen entschärft – und Schwefeldioxid sorgen zudem fürs Versauern von Gewässern, das Tieren und Wasserpflanzen zu schaffen macht. Betroffen sind sieben Prozent des gesamten Ökosystems der EU.

Es ist nicht alles schlechtÜber einen längeren Zeitraum gesehen gibt es allerdings eine Reihe von positiven Entwicklungen. Zufrieden war die Organisation mit der Belastung durch Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid, Benzol und Schwermetalle. Die geht nämlich kontinuierlich zurück.

So ist die Luftbelastung durch Schwefeldioxid zwischen 2004 und 2013 um 60 Prozent gesunken. Bei den Stickoxiden verzeichnet die Studie ein Minus von 30 Prozent, ebenso beim Kohlenmonoxid. Auch die Belastung mit anderen Schadstoffen ist gesunken, allerdings nur mäßig. Die gleiche Beobachtung machten die EEA-Statistiker bei Schwermetallen. Die Belastung durch Benzo(a)pyren ist allerdings im beobachteten Zeitraum generell um rund zehn Prozent gestiegen.

Schaut man sich die einzelnen Bereiche an, müsste der Transportsektor überraschenderweise mindestens die Note „Zwei“ bekommen. Die Emissionen gingen um 40 bis 65 Prozent zurück. Haushalte, Handel und Institutionen hätten hingegen eine „Fünf“ verdient, denn die Emissionen sind auf zu hohem Niveau in etwa gleichgeblieben, in einigen Fällen sogar angestiegen, etwa beim Feinstaub, bei Stickoxiden und Benzo(a)pyren.

Die Industrie verbucht ein Minus von 20 bis 40 Prozent, der Energiesektor legte beim Feinstaub und den Stickoxiden noch leicht zu. Die übrigen Schadstoffe nahmen um 25 bis 65 Prozent ab. Für die Landwirte gäbe es ebenfalls eine „Fünf“, denn deren Emissionen stagnierten oder nahmen noch zu. Lediglich Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid nahmen ab, mit rund 50 Prozent allerdings deutlich.

Nach Regionen gesehen lag die Feinstaubbelastung vor allem in Osteuropa und im Alpenraum besorgniserregend hoch. Ozon war in erster Linie ein Problem für die Mittelmeeranrainer. Deutschland verzeichnete ebenfalls eine hohe Belastung, ebenso wie das übrige Mitteleuropa. Insgesamt gesehen litten die Stadtbewohner besonders stark unter dem Phänomen, selbst in Skandinavien.

Die konkreten Belastungen können Sie in der Studie selbst nachlesen, die Sie (in Englisch) hier finden.

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