Maritime Apotheke: In Meeresorganismen stecken Wirkstoffe gegen Krebs

Maritime Apotheke: In Meeresorganismen stecken Wirkstoffe gegen Krebs

von Susanne Kutter

Sie produzieren Substanzen, die gegen Krebs und Schmerzen helfen: Seescheiden oder die tödlichen Kegelschnecken.

Als José Maria Fernández Sousa-Faro vor fast 28 Jahren verkündete, im Meer Medikamente gegen Krebs finden zu wollen, schimpften ihn Experten einen Spinner. Doch der heute 68-jährige Biochemie-Professor und Chef des spanischen Pharmakonzerns Zeltia machte weiter.

In den Ozeanen lebt eine solche Vielfalt an Organismen, da musste es einfach nützliche medizinische Wirkstoffe geben, war sich Fernández sicher. Er konzentrierte sich auf Schwämme und Seescheiden, die fast unbeweglich auf dem Meeresgrund festsitzen.

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Da sie nicht davonschwimmen können, müssen sich diese wirbellosen Organismen mit chemischen Stoffen gegen Fressfeinde wehren. "Diese Substanzen wollte ich im Labor isolieren und dann synthetisch nachbauen", erklärt Fernández.

150 000 Proben in Gefriertruhen2007 war es soweit: Die von Fernández ausgegründete PharmaMar brachte mit Yondelis das weltweit erste Krebsmedikament auf den Markt, das auf einem maritimen Wirkstoff basiert - dem Gift einer knallorangenen, zweieinhalb Zentimeter großen Seescheide namens Ecteinascidia turbinata.

Seither entdecken auch andere Pharmafirmen die Ozeane als Heilquelle. So brachte das irisch-amerikanische Biotech-Unternehmen Elan mit Prialt fast zeitgleich zu Fernández ein Schmerzmittel auf den Markt, das aus dem Gift einer Kegelschnecke gewonnen wird. Sie lähmt damit ihre Beute.

Forscher von Wirkstoffzentren und Universitätsausgründungen, etwa das KiWiZ in Kiel oder die Marinomed in Wien, sammeln Proben vielversprechender Wirkstoffe und bieten sie Unternehmen an. Fernández Firma hält heute 1400 Patente. 150 000 Organismen warten in Gefriertruhen auf ihre Untersuchung.

Aplidin, ein Wirkstoff gegen einen Knochenmarkkrebs, steht kurz vor der Zulassung. Die Einnahmen durch das Mittel könnte Fernández gut gebrauchen. Denn im Mutterhaus, dem Pharmaunternehmen Zeltia, läuft es weniger gut. Dennoch ist Fernández zuversichtlich, das Familienimperium mithilfe der maritimen Arzneimittel wieder flottzubekommen: "Andere Wettbewerber ziehen nach, aber wir haben die Nase vorn."

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In einer Mini-Serie beleuchtet WiWo Green in den kommenden Tagen die fantastische Unterwasserwelt mitsamt ihrer ökonomischen Perspektiven. Darüber haben wir berichtet:



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