Marshallinseln: Ein Entwicklungsland gegen den Klimawandel

Marshallinseln: Ein Entwicklungsland gegen den Klimawandel

von Lisa Hegemann

Der Klimawandel bedroht die Marshallinseln. Nun will das Land die Industrienationen zum Umdenken bewegen.

Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich in Deutschland bisher kaum bemerkbar. Ein heißer Sommer oder einige stürmische Tage deuten zwar bereits an, was andere Länder bereits erleben, doch die Existenz unserer Republik ist (noch) nicht bedroht.

Auf den Marshallinseln ist das anders. Für die Inselgruppe im Pazifischen Ozean bedeutet der Klimawandel schon jetzt eine Gefahr. Die kleine Republik östlich von Australien liegt nur zwei Meter über dem Meeresspiegel. Steigt der Wasserstand durch die globale Erwärmung weiter an – so wie es Wissenschaftler prognostizieren –, werden die Marshallinseln überflutet.

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Das will die in Ozeanien liegende Republik verhindern – und legte kürzlich ambitionierte Klimaziele vor: Bis 2025 will die Inselgruppe ihre Kohlenstoffdioxid-Emissionen um ein Drittel senken. „Und wir zielen auf eine 45-Prozent-Reduzierung bis 2030“, sagte der Außenminister der Marshallinseln, Tony de Bruem, der Nachrichtenagentur AFP. Bis 2050 wolle man überhaupt keine Treibhausgase mehr verursachen.

„Unser Überleben ist bedroht“Die Marshallinseln sind damit die erste Inselgruppe, die ein Versprechen zur Drosselung ihres CO2-Ausstoßes abgibt. Die Zusicherung schlug auch deshalb weltweit Wellen, weil die Marshallinseln mit einem Bruttoinlandsprodukt von 175 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 nicht nur als Entwicklungsland gilt – sie machen etwa 0,0002 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus –, sondern auch, weil der Staat auch zu den ersten Entwicklungsländern zählt, die den Ausstoß tatsächlich reduzieren und nicht nur dessen Zunahme verlangsamen wollen.

Dass die Republik aus dem Pazifischen Ozean diese Entscheidung getroffen hat, dürfte auch daran liegen, dass das Land schon jetzt die ersten Auswirkungen spürt. In den vergangenen Jahren wurde der Staat mehrfach von Stürmen verwüstet, auch eine Dürre lässt sich nach Angaben von Wissenschaftlern auf den Klimawandel zurückführen. „Als Volk und als Nation ist unser Überleben bedroht von den Effekten des Klimawandels“, sagt Außenminister de Bruem.

Auch deshalb will der Minister auf der Klimakonferenz vom 30. November bis zum 11. Dezember in Paris keinen Kompromiss unterzeichnen. „Ich habe gesagt, dass ich kein Todesurteil für mein Land unterschreiben werde – wir werden keinem Klimavertrag zustimmen, der beschließt, dass wir untergehen“, so de Bruem im Gespräch mit „Spiegel Online“. Die bisherigen Ankündigungen reichten bei Weitem nicht, um die Marshallinseln zu retten.

Marshallinseln verdienen Geld mit Schiffen und ÖlAllerdings steht das Land vor einem Problem: Die Marshallinseln verdienen vor allem an der Schifffahrt und an der Registrierung von Bohrinseln, zwei der größten Belastungen für das Klima weltweit. „Die Marshallinseln brauchen das Geld aus der Schiffsregistrierung unbedingt für Krankenhäuser, Schulen und andere Einrichtungen“, versucht der Außenminister die Geschäfte zu rechtfertigen.

Zudem werden dem Klima nicht geholfen, wenn die Bohrinseln in anderen Ländern registriert würden, sagte er „Spiegel Online“. „Wie bei allem in der Klimapolitik benötigen wir auch hier eine globale Strategie.“

Den weltweiten Kohlenstoffdioxidausstoß wird das Land allerdings auch kaum reduzieren können, wenn es ohne diese beiden Industriezweige auskommt. Die Marshallinseln machen nur einen Bruchteil der globalen Emissionen aus. 2010 lagen die Kohlenstoffdioxidemissionen des Inselstaates pro Kopf bei 1,91 Tonnen. Zum Vergleich: In Deutschland kam jeder Bürger auf etwa neun Tonnen, in den USA sogar auf mehr als 17 Tonnen.

Doch dem kleinen Inselstaat geht es auch mehr um die Signalwirkung an die Industrienationen als um die Rettung der Welt. Außenminister de Bruem formuliert es so: „Unsere Nachricht ist einfach: Wenn eines der weltweit kleinsten, ärmsten und geografisch am meisten isolierten Länder das kann, dann könnt ihr das auch.“

Vor der großen Klimakonferenz in Paris kommt diese Botschaft hoffentlich auch noch in anderen Ländern an.

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