Meeres-Filter: Künstliche Koralle zieht Schwermetalle an

Meeres-Filter: Künstliche Koralle zieht Schwermetalle an

von Peter Vollmer

Korallen können Schwermetalle aufnehmen, aber auch daran sterben. Deshalb soll nun eine künstliche Koralle diese Aufgabe übernehmen.

Korallen sind wunderschön, nützlich und extrem bedroht. Vor allem durch die Erwärmung der Weltmeere: 50 Prozent aller Korallen sind bereits verschwunden – bei einem weiteren Temperaturanstieg könnten Riffe als Ökosystem 2050 tot sein.

Aber auch die Belastung mit Schwermetallen setzt den Tieren zu. Denn sie sind sehr effizient darin, diese aus dem Wasser zu absorbieren – sterben allerdings auch dadurch. Ein heroischer Tod, den chinesische Forscher nun überflüssig machen wollen.

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Die Wissenschaftler der Anhui Jianzhu University haben eine künstliche Koralle aus Aluminiumoxid entwickelt. Ein Material, das bereits als sogenannter Adsorbient für diesen Zweck getestet wurde – allerdings mit mäßigem Erfolg.

Die Forscher haben nun Nanopartikel aus dem Material so zusammengesetzt, dass sie in ihrem Aufbau einer Koralle gleichen. Der überraschende Effekt: Die künstliche Koralle kann Blei, Arsen und Quecksilber effizienter aufnehmen als ihr natürlicher Zwilling.

„Es ist interessant, Adsorbentien mit unterschiedlichen Strukturen zu entwerfen und zu schauen, wie sie sich verhalten“, sagt Xianbiao Wang, Mitautor der dazugehörigen Studie. „Besonders Materialien, die biologische Adsorbienten - wie etwa Korallen – nachbilden haben enorme Anwendungsmöglichkeiten.“ Die Studie erschien im Journal of Colloid and Interface Science.

Solche natürlichen Filter kämen nicht nur der maritimen Pflanzen- und Tierwelt zugute. Denn die Schwermetallbelastung bei Speisefischen betrifft laut WHO auch den Menschen, vor allem Kinder. Quecksilber etwa kann sich in Gehirn und Rückenmark ablagern und das zentrale Nervensystem schädigen.

Die Weltmeere können vielen Aufgaben wie etwa Sauerstoffproduktion, Temperaturstabilisierung oder eben die Bereitstellung weniger belasteter Nahrungsmittel nicht mehr nachkommen, da die Belastung durch den Menschen zu groß ist. Der WWF berechnete unlängst den ökonomischen Wert der Ozeane, um auf die Problematik hinzuweisen.

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