Meeres-Städte: Schöner wohnen vor der Küste

Meeres-Städte: Schöner wohnen vor der Küste

von Benjamin Reuter

Zu Land siedelt der Mensch beinahe überall - nur auf dem Meer haben wir noch keine Städte gebaut. Das wird sich bald ändern.

Der Mensch siedelt so ziemlich überall. In Wüsten, im zerklüfteten Gebirge und im ewigen Eis der Arktis ist er sesshaft geworden und hat sich an die widrigen Bedingungen der Natur angepasst, so gut es geht. Eine letzte Grenze für Häuser, Dörfer und Städte gab es bisher aber noch: das Meer. Nun soll sich auch das ändern.

Auf der ganzen Welt arbeiten Architekten, Ingenieure und Abenteurer daran, die Ozeane bewohnbar zu machen. Wenn sie erfolgreich sind, könnte darin ein Teil der Lösung eines Jahrhundertproblems liegen: Städte, in denen sich die Menschen zunehmend den Platz streitig machen, könnten vor der Küste neuen Raum schaffen. Von steigenden Meeresspiegeln wären schwimmende Städte nicht betroffen. Und je nach System wären die Meeres-Siedlungen auch noch vorbildlich in Sachen Nachhaltigkeit.

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Das ambitionierteste Projekt verfolgen 22 Experten am Seasteading-Institut in San Francisco. Unterstützt von Internet-Milliardär Peter Thiel, einem der frühen Investoren beim Bezahldienst Paypal und dem Sozialnetzwerk Facebook, hat das Institut einen Wettbewerb für schwimmende Städte ausgelobt. Der Gewinner muss mit seiner schwimmenden Siedlung sehr weit sein: Den Poseidon-Award bekommt der erste, der gleichzeitig 50 Dauerbewohner zählt, dessen Projekt sich von allein lohnt, Immobilien frei auf dem Markt verkauft - und de facto politisch autonom ist.

Bis jemand alle Kriterien erfüllt, dürfte es noch dauern. Die Entwürfe sind aber bereits spektakulär: Einer sieht ein Hausboot vor, das 120 Meter lang und ebenso breit ist. Auf dem Koloss sollen mehrere Tausend Menschen leben und arbeiten. Ein weiterer erinnert an eine Bohrinsel mit Wohntürmen statt Stahlgerüsten. Für die Häuser kommen jede Menge Formen und Nutzungsmöglichkeiten in Betracht - etwa Büros, Hotels, Apartment-Häuser und Mehrzweckbauten. Mit einer modularen Bauweise flacher Plattformen könnten Architekten nach Playmobil-Art ganze Städte zusammenstecken. Auch an Umzüge mit dem ganzen Haus in andere Buchten schlägt das Institut in seinem jüngsten Report vor.

Schwimm-Städte mit SonnenstromDie schwimmenden Ministädte könnten sich zudem autark mit Strom aus Wind- und Solaranlagen versorgen. Der würde dann auch für die Meerwasser-Entsalzungsanlagen reichen. Wärmetauscher ("Ocean Thermal Energy Conversion"  - OTEC) wandeln die Kälte tiefer Gewässer in Wärme für die Apartments und Büros um. Die Technik ist bislang wie die Städte selbst aber kaum mehr als ein tolles Konzept ist. Schließlich sollen Bioraffinerien fortwährend Algen zu Treibstoff umwandel - eine Technik, an der etwa die US Navy schon arbeitet.

Auf dem Speiseplan der Seebewohner steht neben viel Fisch Salat und Gurken weiteres Gemüse von schwimmenden Äckern, die neben der Meeres-Stadt hertreiben.

Hier eine Auswahl der Design-Ideen, die Architekten beim Seasteading-Institut eingereicht haben (Copyright: Seasted Institute): [nggallery id=33]

Eins steht schon fest: Welche Idee sich auch durchsetzt - teuer sind sie alle. In einer Machbarkeitsstudie für das Bohrinsel-Design haben die Seasted-Experten Investitionskosten von mehr als 225 Millionen Dollar errechnet.

Gerade klingen die Ideen noch alle nach Utopien. Doch die Seasteading-Experten wollen sie nach und nach verwirklichen. Schon Ende 2013 sollten auf einem Kreuzfahrtschiff vor der kalifornischen Küste Hunderte Büros für Startups entstehen. Im dicht besiedelten japan hat die Shimizu Corporation ebenfalls Pläne für eine subsistente Siedlung vor der Küste vorgelegt. Aber auch ohne die Pläne der Amerikaner und Japaner schreitet die Besiedelung des Meeres voran: In Amsterdam wächst gerade das Stadtviertel IJburg auf dem Wasser heran. Mehr als 50 schwimmende Häuser zählt es schon - und jeden Monat kommen neue hinzu.

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