Meeresmüll: Initiative will die Ozeane von Plastik befreien

Meeresmüll: Initiative will die Ozeane von Plastik befreien

von Felix Ehrenfried

Abfall verschmutzt die Ozeane. Jetzt will ein Sockenunternehmen die Vermüllung aufhalten und alte Fischernetze zu Kleidung verarbeiten.

Tippt man bei Google "Verschmutzung" ein, spuckt die weltgrößte Suchmaschine als ersten Vorschlag "Verschmutzung der Meere" aus. Das machen die Suchalgorithmen von Google nicht ohne Grund, je häufiger ein bestimmeter Begriff eingetippt wird, desto weiter oben landet er auf der Vorschlagsliste. In regelmäßigen Abständen werden Studien über die Ozeane als wachsende Müllhalden veröffentlicht, sodass auch Menschen fernab jeglicher Gewässer sich des Problems bewusst werden.

Erst kürzlich schätzten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, dass jährlich rund 10 Millionen Tonnen an Plastikabfall in die Ozeane und Meere der Welt gelangen. Selbst in entlegendsten Ecken der arktischen Gewässer entdeckten die Forscher mittels einer Spezialkamera noch Müll, wie sie gegenüber der Rheinischen Post erklärten.

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Jetzt wollen sich mehrere Unternehmen und NGOs zusammen schließen, um zumindest einem Verschmutzungsfaktor der Meere Herr zu werden: den Fischernetzen. Diese werden von den Fischern im Wasser zurückgelassen. Ihr Kunststoff baut sich erstens schlecht ab, außerdem sind sie eine Gefahr für Fische, die sich in den riesigen Netzen verfangen und dort verenden.

Einem Bericht der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) und des United Nations Environment Programme (UNEP) zufolge, werden jährlich rund 640.000 Tonnen an Fischernetzen in den Weltmeeren zurückgelassen, was nach Schätzung von FAO und UNEP einem Zehntel der Meeresabfälle entspräche. FAO und UNEP sind zwei Agenturen der Vereinten Nationen, deren Ziele die weltweite Hungerbekämpfung und der Umweltschutz sind.

Aus Netzen mach SockenJetzt soll dieses Problem im Rahmen des Projekts "Healthy Seas" bekämpft werden. Die Teilnehmer des Projektes sind der Kunststoffproduzent Aquafil, das Naturschutzunternehmen ECNC Land & Sea Group und der niederländische Sockenhersteller Starsock. Letzterer Teilnehmer mag verwundern. Ein Sockenhersteller setzt sich für den Schutz der Ozeane ein?

Ja, denn die geborgenen Fischernetze sollen recycelt und in Socken, Strumpfhosen und andere Strickwaren umgewandelt werden. Das Projekt soll in drei Phasen für reinere Weltmeere sorgen. In der ersten Phase werden verschiedene Konzepte zur Bergung von Fischernetzen ausprobiert. Dazu gibt es drei Testgebiete: in der Nordsee, an der spanischen Mittelmeerküste und an der Adria. In der zweiten Phase sollen die erfolgreichsten Konzepte in weiteren Regionen erprobt werden. Die dritte Phase dient schlussendlich dazu, die erfolgreichsten Konzepte zu verfeinern und in möglichst vielen Gebieten einzurichten.

Daneben wird ein extra Fonds eingerichtet, mit dessen Geld die öffentliche Wahrnehmung über die Verschmutzung der Weltmeere erhöht werden soll.

Schon in der Vergangenheit sorgten mehrere Konzepte zur Meeresreinigung für Aufsehen, die sich eventuell auch auf das Projekt "Healthy Seas" übertragen liesen.

So ging die Erfindung eines 19-Jährigen kürzlich in den Nachrichten um die Welt. Er plant mittels schwimmender Roboter mit riesigen Fangnetzen Abfälle einzusammeln. Zu Nutzen machen will er sich dabei die Strömung, die den Müll den Robotern praktisch "in die Arme" treiben soll. Die Erfindung, die schon zahlreiche Preise gewonnen hat, wird aktuell in einer Machbarkeitsstudie geprüft.

Auch könnten Schiffe mit integrierten Recyclinganlagen dafür sorgen, dass die Verschmutzung der Meere abnimmt. Doch das ist vermutlich zu hoch gegriffen. Schon mit einem Konzept, dass den Anstieg der Meeresverschmutzung bremsen könnte, wäre ein riesiger Schritt getan.

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