Mehr Verkehr: Wieso Park-and-Ride oft nicht funktioniert

Mehr Verkehr: Wieso Park-and-Ride oft nicht funktioniert

von Jürgen Klöckner

Durch Park-and-Ride Infrastruktur wollen Städte den Verkehr im Zentrum reduzieren. Doch das System führt oft zum Gegenteil.

Eigentlich klingt das Park-and-Ride (P&R) System nach einem ziemlich guten Kompromiss. Die Stadt bietet günstige oder kostenlose Parkflächen am Stadtrand an, die aber gut an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen sind.

Pendler und Touristen müssen so nicht ewig einen Parkplatz im Stadtinneren suchen, dort herrscht zudem vergleichsweise wenig Verkehr. Das ist gut für die Umwelt und gut für den Geldbeutel. So zumindest die Theorie.

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Giuliano Mingardo hält nichts davon. Der Verkehrsexperte der Universität Rotterdam hat in einer aktuellen Studie das Gegenteil herausgefunden: P&R Systeme würden nicht für weniger, sondern mehr Verkehr (und damit CO2-Emissionen) sorgen. Die Studie erscheint in der kommenden Ausgabe des Journal of Transport Geography.

Dafür befragte er über 700 Autofahrer über Jahre hinweg in Rotterdam und Den Haag nach ihrem Verkehrsverhalten und wie sie in die Stadt fahren würden, wenn es kein P&R gäbe. Dabei fand er heraus, dass durch P&R...

  • ...Reisende häufiger nicht mehr für den ganzen Weg die Öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, sondern nur noch ab der P&R-Station.
  • ...Reisende, die sonst für einen Teil oder die ganze Strecke das Fahrrad nutzten, nun nur bis zur P&R fahren.
  • ...ein Rebound-Effekt entsteht: die Transportkosten sinken und so wird mehr gereist.
  • ... ein Park-and-Walk entstehen kann: Man parkt an der Station und geht dann zu Fuß weiter, sodass die Öffentlichen nicht optimal genutzt würden.

Nur ein Viertel der Befragten in Rotterdam, so das Ergebnis der Studie, würde die gesamte Strecke mit dem Auto fahren, wenn es kein P&R gäbe. Der Rest fällt in eine der oben genannten Kategorien. So würden alleine in Rotterdam über 1200 Auto-Kilometer mehr gefahren als ohne P&R-System.

Das bedeute allerdings nicht, dass P&R nicht funktionieren könne. Stationen am Stadtrand seien generell effektiver als jene in Zentrumsnähe. Außerdem fand Mingardo heraus, dass die Mehrheit der Autofahrer bereit wäre, mehr fürs Parken zu zahlen. „Die negativen Effekte könnten durch effektivere Preise vermieden werden“, heißt es so in der Studie. Die Preise dürften allerdings nicht so hoch sein, dass sich P&R nicht mehr lohne.

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