Metropolen: "Autos sind Städtekiller"

von Jürgen Klöckner

Fahrräder können Autos als führendes Verkehrsmittel verdrängen, glaubt Designer Mikael Colville-Andersen. Er berät Städte, wie das gehen kann.

Was Londons Bürgermeister Boris Johnson vor etwa einem halben Jahr ankündigte, muss für deutsche Fahrradfahrer wie von einem anderen Stern geklungen haben. Die britische Hauptstadt wird in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro in sogenannte Superhighways für Radler investieren. Eine Milliarde Euro - Projekte hiesiger Städte wirken dagegen wie ein platter Reifen.

Mikael Colville-Andersen hält die zaghaften Investitionen für einen der größten Fehler heutiger Stadtoberhäupter. Er ist Chef des Designstudios Copenhagenize Design Co., das Fahrradkonzepte für Metropolen entwirft. Derzeit arbeitet er an Projekten für die irische Hauptstadt Dublin und die Kleinstadt Winnipeg in Kanada. In einem Interview für das Internetportal Mashable rechnet er nun mit der autozentrierten Stadt ab - und erklärt, wieso das Rad Autos als Personenverkehrsmittel verdrängen muss.

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„Vor 7000 Jahren waren Straßen ein demokratischer Ort, der allen gehörte", sagte Colville-Andersen. Da müsse man wieder hin. Städtebauer hätten sich jahrzehntelang nur darauf konzentriert, Autos in die Stadt zu integrieren. In den Augen des kanadischen Designers ein großer Fehler.

Denn „Autos sind ein Städtekiller“, sagt er. Autos würden die Stadt verschmutzen und für die allgegenwärtige Furcht sorgen, dass Straßen ein unsicherer Ort sind. Alleine deswegen müsse man darüber nachdenken, wie man Fahrrädern wieder mehr Raum auf den Straßen bieten könne.

Das Rad als einziges Verkehrsmittel?Man müsse eine Stadt so umbauen, dass sie Wünsche der Fahrradfahrer erfüllt und nicht die der Autofahrer. Dann hätte das Rad „das Potential, das schnellste und einfachste Verkehrsmittel zu werden“, sagt er - egal bei welchem Wetter und über welche Distanzen (zumindest in der Stadt). Londons Superhighway etwa sei eine großartiges Beispiel dafür.

Er funktioniert wie eine Autobahn für Fahrradfahrer und verbindet das Zentrum durchgehend mit der Peripherie. So sollen auch Leute aufs Rad steigen, die weiter weg wohnen. Seit Londons Superhighways ausgebaut werden, hat sich die Zahl der Radfahrer verdoppelt.

Klingt danach, als wolle Colville-Andersen das Fahrrad zum einzigen Verkehrsmittel machen? Nein. „Es geht nicht darum, immer und überall radzufahren“, sagt er. Das Rad sei eher eine Form des öffentlichen Nahverkehrs und müsse neben Bussen und Bahnen in den Verkehr integriert werden. Bürgermeister sollten deswgen darüber nachdenken, ob sie eine alte Straße ausbessern oder eine neue Radstraße bauen. „Hier ist das Geld besser angelegt“, sagt er.

Colville-Andersens erklärt seine Vision der Fahrradstadt auch in einem Video für das Ideennetzwerk TED, das Sie hier anschauen können:

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