Metropolen: Hamburg will Hauptstadt der Radler und Fußgänger werden

Metropolen: Hamburg will Hauptstadt der Radler und Fußgänger werden

von Sabrina Keßler

Hamburg soll sich in eine grüne Oase verwandeln. Das Ziel: Mehr Lebensqualität und Schutz gegen den Klimawandel.

Es wird noch eine Weile dauern, aber wenn es Realität wird, wäre es eines der spektakulärsten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland: Mit dem sogenannten „grünen Netz“ will Hamburg das eigene Stadtbild bis 2030 radikal verändern. Rund 40 Prozent der Stadt sollen schon bald aus Grünflächen, Spielplätzen, Gärten und Erholungsgebieten bestehen.

Ein Vorstoß, den es nach Angaben des Hamburger Landschaftsamts so noch nicht gab: „Viele Städte, darunter auch Köln oder London, haben zwar grüne Ringe, die die Außenbereiche der Stadt durchziehen“, sagt Angelika Fritsch, Sprecherin des Amts für Landes- und Landschaftsplanung in Hamburg. „Das „grüne Netz“ in Hamburg verbindet aber die gesamten äußeren Grünanlagen mit den innerstädtischen Grünflächen. Ein solches Netzwerk sei einzigartig in Europa.

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Durch die neuen Verbindungen sollen sich Hamburger und Touristen in Zukunft ungestört vom Straßenverkehr zu Fuß oder mit dem Rad durch die Stadt bewegen können – vom Zentrum bis in die freie Landschaft am Rande der Metropole.

Dazu werden die bereits bestehenden grünen Ringe, die rund zehn Kilometer vom Rathaus entfernt liegen, mit den Landschaftsachsen des Stadtrands und der Innenstadt verbunden. Ein Konzept, das ankommt: Bereits jetzt, so eine Umfrage des Hamburger Abendblatts, ist die Mehrheit der Bewohner dafür, die Innenstadt  für private Autos zu sperren. Dadurch könnten sich auch heimische Tiere gefahrloser bewegen und ihren Lebensraum vergrößern.

Die Nordsee beeinflusst das Hamburger Klima

Das „grüne Netz“ soll allerdings nicht nur die Lebensqualität von Mensch und Tier, sondern vor allem das Hamburger Klima beeinflussen. Dazu erarbeiteten Wissenschaftler eine Stadtklimaanalyse, die die Entwicklung des Bioklimas, die Wärmebelastung und die Durchlüftung der Stadt bis 2055 umfasst.

„Im Vergleich mit anderen Städten wie Berlin, Stuttgart oder Karlsruhe ist die Belastung des Stadtklimas in Hamburg bisher noch relativ niedrig“, sagt Geograf Dirk Funk, der an der Analyse mitgewirkt hat. Grund dafür sei der doppelte Standortvorteil der Stadt: Die Lage an der Nordsee und die vorherrschenden Westwinde ließen die Temperatur weniger schnell steigen.

Zudem habe Hamburg viele Grünflächen und gut durchgrünte Wohnquartiere, die helfen, Extremtemperaturen im Sommer zu mindern.

Trotz günstiger Standortbedingungen wird aber auch in Hamburg die Zahl der heißen Tage sichtbar steigen. Wie Analysen des Instituts für Küstenforschung (HZG) belegen, erlebte Hamburg im vergangenen Jahr fünf heiße Tage über 30 Grad.

Im Sommer 1952 waren es lediglich zwei. „Diese Temperaturanstiege führen vor allem für gesundheitlich empfindliche Bevölkerungsgruppen, wie alte Menschen und kleine Kinder,  zu deutlichen Belastungen“, sagt Funk.

Gefahr durch Flutwellen

Die größten Mikroklima-Veränderungen, so prognostizieren die Wissenschaftler, werde es in dicht bebauten Siedlungen geben. Diese entwickelten sich im Sommer durch fehlende Grünflächen und mangelnde Luftzirkulation zu regelrechten Wärmeinseln.

Doch auch am Hafen wird der Klimawandel deutlich zu spüren sein: Der Meeresspiegel der Nordsee stieg nach Angaben des HZG in den vergangenen 60 Jahren um 20 Zentimeter. Damit könnten die Flutwellen bis zum Jahr 2100 auf 110 Zentimeter steigen. „Hamburg als Küstenstadt ist damit stark gefährdet“, sagt Funk.

Das grüne Netzwerk soll diesen klimatischen Veränderungen entgegen wirken. Bereits jetzt arbeiten mehr als 30 städtische Mitarbeiter an der Umsetzung der Idee. „Das Projekt steckt trotzdem noch in den Kinderschuhen“, sagt Stadt-Sprecherin Fritsch.

"Künftig aber wollen wir Besuchern und Touristen zeigen, wo sie schwimmen und wandern können, welche Parks sie besuchen sollten und wo sie Tiere in der Natur erleben können.“ Denn dadurch stiege nicht nur die Lebensqualität der Menschen - sie verzichteten auch öfters auf ihr Auto, was der Umwelt langfristig helfe.

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