Mit GoPros: Geier suchen in Peru nach illegalen Mülldeponien

Mit GoPros: Geier suchen in Peru nach illegalen Mülldeponien

von Robyn Schmidt

Mit Kameras und GPS-Trackern ausgestattet sollen Geier in Lima illegale Müllhalden finden.

Geier haben ein Imageproblem. Sie sind nicht besonders hübsch oder sauber und dass sie sich von Aas ernähren, macht sie für viele nicht gerade sympathischer. Auch in Lima, der Hauptstadt von Peru - wo speziell Rabengeier keine Seltenheit sind - werden sie nicht gerne gesehen. Die Menschen sehen in den Vögeln ein Zeichen der Armut und Verwahrlosung in der Stadt.

Dabei übernehmen die Geier eine wichtige Rolle. Sie stoppen die Verbreitung von Krankheiten, indem sie tote Tiere fressen, bevor sie Verfaulen. Ihre Magensäure ist so stark, dass sie die Bakterien im Aas gut vertragen können - viele andere Tiere können das nicht.

Anzeige

In Lima haben sie jetzt noch eine zusätzliche Aufgabe übernommen. Capitán Huggin, Capitán Fénix, Capitana Aella und sieben weitere ihrer Geier-Kollegen drehen jetzt ausgerüstet mit GoPros und GPS-Trackern ihre Runden über der Stadt und sollen helfen, illegale Müllhalden zu finden. Das ist die Idee des Projekts "Gallinazo Avisa", das eine Zusammenarbeit zwischen dem peruanischen Umweltministerium und der United States Agency for International Development ist.

"Geier sind unsere Verbündeten bei der Verringerung von organischem Abfall", sagt Projekt Direktor Javier Hernandez der AFP. "Was sie bei ihrer Suche nach Essen tatsächlich machen ist, Orte zu identifizieren, wo organischer Abfall ist. Das Nutzen wir, um die GPS-Koordinaten zu bekommen und die Stellen zu überwachen." Die Bilder, die die Geier aufnehmen, werden per Stream zurück ins Hauptquartier geschickt und der Ort der illegalen Müllhalden vermerkt.

Ein Fünftel allen Abfalls landet auf illegalen MüllhaldenMüll ist ein großes Problem in Perus Hauptstadt. Lima hat knapp neun Millionen Einwohner, täglich produzieren diese über 8000 Tonnen an Abfall. Aber es gibt nur vier offizielle Müllhalden. Deshalb laden viele ihren Müll woanders ab. Rund ein Fünftel allen Abfalls landet auf illegalen Müllhalden.

Dieses strukturelle Problem liege auch daran, das viele Einwohner ihre Steuern nicht zahlen würden. "In Lima zahlen 70 Prozent der Einwohner nicht für die Müllabholung", sagt Leandro Sandoval, Direktor der peruanischen Organization for Sustainable Development. Auch ein wirkliches Recyclingprogramm gebe es nicht. Nur ein Prozent des Abfalls in Lima wird wiederverwertet.

Zwar sollen die Geier helfen, das Problem zu bekämpfen, doch ob am Ende tatsächlich etwas passiert, ist unsicher. Denn wenn eine illegale Müllhalde entdeckt wird, schreitet niemand direkt ein. Der Ort wird nur der Kommune gemeldet, die sich dann selbst darum kümmern muss, sie zu beseitigen.

So ist die Hauptaufgabe der Geier vielleicht nicht unbedingt, direkt mit den Kameras zu helfen, sondern vielmehr Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Das Projekt hat eine aufwendige Website, auf der man verfolgen kann, wo die einzelnen Geier gerade sind. Dazu gibt es noch ein dramatisches Video aus Sicht der Vögel. Und vielleicht, ganz vielleicht, steigt ja auch das Ansehen der Geier bei den Einwohnern durch diese Aktion.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%