Mobilität: Grün von Tür zu Tür: Neues Konzept soll für ökologischeres Reisen sorgen

Mobilität: Grün von Tür zu Tür: Neues Konzept soll für ökologischeres Reisen sorgen

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Die Stadtwerke Halle haben die Chipkarte auch zur Nutzung von Ladesäulen freigeschaltet (Bild: Kolbert, Stadtwerke Halle)

von Angela Schmid

Sachsen-Anhalt und Thüringen setzen sich gemeinsam für weniger Emission im Verkehr und ein Umdenken bei den Bürgern ein.

Jeden Tag müssen wir von A nach B, später nach C und vielleicht am Abend noch nach D. Ob zur Arbeit, zum Partner oder zu Freunden, ob mit Auto, Bus oder Bahn, ständig sind wir unterwegs. Daran lässt sich wohl nichts ändern, wohl aber an der Art, wie wir reisen. Denn das muss ökologischer gehen, hat man sich in Sachsen-Anhalt und Thüringen gesagt.

Die beiden Bundesländer haben sich das Ziel gesteckt, Bus, Bahn und Elektromobilität miteinander zu verknüpfen. Grüne Mobilitätskette nennen sie das Projekt, mit dem die Menschen zum Umsteigen bewegt werden sollen. Dafür werden E-Fahrzeuge, Energie, Informationstechnologie, der öffentliche Verkehr, Wohnen und Car-Sharing zusammengeführt. Acht Verkehrs- und Wirtschaftsunternehmen sowie Forschungseinrichtungen haben sich in dem vom Bundesverkehrsministerium geförderten Projekt zusammengeschlossen, um in Mitteldeutschland die Vision einer klimaschonenden Wegekette von Haustür zu Haustür zu schaffen.

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Das Leitbild ist die Verwirklichung von energieeffizienter, emissionsarmer und bezahlbarer Mobilität in den Städten samt Umland. Ideen gibt es reichlich. Nicht jede erweist sich als praxistauglich. Ein Beispiel: In einem Mehrfamilienhaus sollten die Bewohner von Elektromobilität profitieren. Ein eigens angeschafftes Elektroauto inklusive Ladesäulen in einer Garage stand über Carsharing zur Verfügung. Das Interesse war aber eher gering. Woran es lag, ist noch nicht geklärt.

In erster Linie soll der Umstieg für die Menschen bequem sein. Was eignet sich da heutzutage besser als eine App? Darüber ist ein Auskunftssystem abrufbar, das nicht nur alle Bus- und Bahnverbindungen in den beiden Bundesländern anzeigt, sondern auch die 229 öffentlich zugänglichen Ladesäulen und Park & Ride-Plätze. In Halle teilt die App zudem mit, ob diese besetzt oder frei sind. Um die Nutzung möglichst einfach zu gestalten, haben die Stadtwerke Halle die Chipkarte, die bisher für Bus und Bahn benutzt wird, zum Freischalten von Ladesäulen ergänzt.

Elektromobilität und ÖPNV werden über ein Auskunftssystem integriert (Bild: Montage, Wikipedia, Fernandez, CC BY-SA 3.0 DE)

Elektromobilität und ÖPNV werden über ein Auskunftssystem integriert (Bild: Montage, Wikipedia, Fernandez, CC BY-SA 3.0 DE)

„Charge & Ride funktioniert in ganz Sachsen-Anhalt und Thüringen – aber noch nicht alle Betreiber von Ladesäulen senden die Informationen zur Zentrale, um sie in das Informationssystem aufzunehmen“, erklärt Hannes Pries, Projektmitarbeiter vom Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt – der sich kurz NASA nennt. Über die App können Fahrscheine gekauft oder Autos und Fahrräder gemietet werden – sie vereint somit Bikesharing- und eCarsharing-Angebote mit Bussen und Bahnen. „Das ist technisch hochkomplex, weil sehr unterschiedliche Partner und Schnittstellen berücksichtigt werden müssen - das darf man nicht unterschätzen.“

Für Pries ist es wichtig, den ÖPNV und die Elektromobilität als Partner zu begreifen. „Elektroautos haben ein Problem mit der Reichweite und in Städten lösen sie die zentralen Probleme des Individualverkehrs wie fehlende Parkplätze und überlastete Infrastruktur nicht.“ Die Kombination mit dem ÖPNV sei daher eine wichtige Ergänzung. Die Verbindung von Elektroautos mit Carsharing macht für ihn daher Sinn. Im Alltag funktioniert das aber noch nicht richtig gut. Die Anbieter haben keine guten Erfahrungen mit den Stromern gemacht und nachgefragt wurden sie auch kaum.

Neue Geschäftsmodelle mit Ladesäulen zu entwickeln, gestaltet sich ebenfalls schwierig. In absehbarer Zeit wird niemals so viel Strom verkauft, dass damit die Investitionen gedeckt, geschweige denn ein Gewinn erzielt wird. Zurzeit fahren in den beiden Ländern lediglich 350 reine Elektroautos. „Es wird über Koppelungsgeschäft wie zum Beispiel eine höhere Sichtbarkeit nachgedacht. Das heißt: Auch wenn die Ladesäule selbst nicht profitabel ist, gewinnt der Betreiber dadurch ein besseres Image und eine höhere Bekanntheit“, erklärt Pries.

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