Mobilität: Mittels App: "Grüne Welle" für Radfahrer

Mobilität: Mittels App: "Grüne Welle" für Radfahrer

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Vorfahrt für Zweiräder - mit einer neuen App vielleicht bald in deutschen Städten Alltag. (Foto: Siemens)

von Angela Schmid

Siemens will in Deutschland Radfahrer im Straßenverkehr bevorzugen. Ein Blick nach Amsterdam zeigt, dass das System funktionieren kann.

Mit dem Rad von der Haustür bis zur Uni oder zur Arbeit ohne auch nur ein Mal anzuhalten. Eine App von Siemens könnte das bald möglich machen, denn sie soll Fahrradfahrern eine grüne Welle bescheren. Vorfahrt für umweltfreundliche Verkehrsteilnehmer ist das Ziel. In der Praxis sieht das so aus: Nähert sich ein Fahrradfahrer mit der „SiBike-App“ einer Kreuzung, schaltet die Ampel binnen weniger Sekunden automatisch auf grün um oder verlängert eine Grünphase.

Das Smartphone des Fahrradfahrers bestimmt dabei via GPS die Position und prüft, ob das Fahrrad einen festgelegten virtuellen Auslösepunkt passiert, der sich rund 60 Meter vor der Ampel befindet. Das Signal wird an die Verkehrszentrale geleitet, die einen Befehl an die Ampelsteuerung sendet und so für die grüne Welle sorgt. An jeder Ampel stoppen, anstrengendes Losfahren und Zeitverlust gehören dann der Geschichte an. Kleiner Haken: Bisher funktioniert das System allerdings nur bei Siemens-Ampeln.

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Inspiriert wurden die Siemens-Entwickler vom Radfahrerparadies Amsterdam, wo auf bestimmten Strecken bereits seit 2007 eine grüne Welle installiert wurde. Wer in Amsterdam mit 15 bis 18 km/h radelt, wird von keinem Rotsignal gestoppt. In San Francisco gibt es ebenfalls Strecken mit einer freien Fahrt für Radfahrer. Und die dänische Hauptstadt Kopenhagen plant, bei Gruppen von mehr als fünf Radfahrern die Ampeln automatisch auf Grün umzustellen.

Über GPS wird der genaue Standort des Radfahrers bestimmt. (Grafik: Siemens)

Über GPS wird der genaue Standort des Radfahrers bestimmt. (Grafik: Siemens)

Eine Tendenz, die auch auf Deutschland überschwappt. „Es gibt europaweit einen Trend zum Radfahren – es wird wieder cool und hat eine bedeutende Rolle im Verkehrsaufkommen“, erklärt Siemens Produktmanager David Borst. Das macht auch das große Interesse auf der Verkehrsmesse Intertraffic deutlich. „Wir waren von dem Feedback überwältigt“, so Borst, der jetzt konkrete Gespräche über eine Zusammenarbeit mit mehreren größeren Städten führt, um das System im Spätsommer zum ersten Mal auf der Straße zu erproben. „Es ist für Städte interessant, in denen das Rad bereits eine bedeutende Rolle hat oder in denen es eine bedeutende Rolle bekommen soll.“

Nicht jede Strecke eignet sich dafür, da die Autofahrer in diesem Fall das Nachsehen haben. Die Strecke muss von den Kommunen genau definiert sein. Sinnvoll ist dies zum Beispiel auf typischen Wegen zu einer Universität, die von einer großen Zahl von Radfahrern genutzt werden. Den Vorteil der grünen Welle sieht Borst darin, dass mehr Menschen das Fahrrad als Verkehrsmittel entdecken und das Auto zu Hause stehen lassen, was Natur und Verkehr entlastet. „Wir geben Städten ein Werkzeug in die Hand, mit dem sie den Radverkehr fördern können.“

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