Mobilität von morgen: In Pedal-Gondeln dem Verkehrschaos entfliehen

Mobilität von morgen: In Pedal-Gondeln dem Verkehrschaos entfliehen

von Felix Ehrenfried

Ein Startup will den Verkehr entlasten und Städter fit halten. Dafür hat es eine Gondelbahn mit Pedalantrieb entwickelt.

Der zunehmende Straßenverkehr in Metropolen weltweit lässt Stadtplaner immer kreativer werden. So setzen manche auf die kostenlose U-Bahn, um Menschen in die öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen. Doch auch deren Kapazität ist irgendwann erschöpft, sodass neue Verkehrskonzepte her müssen.

Wenn die Straßen verstopft sind und die Bahnen überfüllt, wohin dann mit den vielen Menschen, die an ihren Arbeitsplatz pendeln? Ab nach oben, denn dort ist noch Platz.

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So soll in Tel Aviv in zwei Jahren eine Magnetschwebebahn in Bau gehen, die ihre Fahrgäste in kleinen Gondeln ans Ziel bringt. In anderen Städten setzt man auf das klassiche Konzept der Seilbahn, um die Straßen zu entlasten.

Jetzt hat ein kanadisches Unternehmen ein Konzept vorgestellt, dass seine Fahrgäste nicht nur schneller als Bahn und Auto durch die Stadt transportiert, es hält sie auch fit.

Gondeln mit PedalenSkySmart besteht aus kleinen Gondeln, die in luftiger Höhe an einer Schiene hängen und durch Metropolen weltweit flitzen sollen. Der Clou an SkySmart: Die Fahrgästen treiben die Gondel mittels Muskelkraft selbst an. Möglich machen das Fahrradpedale im Inneren der Gondel. Ähnlich wie ein Tretboot geht es also umso schneller voran, je stärker die Fahrgäste die Pedale betätigen.

Doch jeder Fahrgast soll selbst entscheiden, ob er in die Pedale treten möchte oder nicht. Wer strampelt, soll allerdings einen Rabatt auf den Fahrtpreis erhalten, so der Plan. Will kein Fahrgast in den Kapseln, die für bis zu 12 Personen Platz bieten, die Beine bewegen, fährt die Gondel mittels elektrischem "Hilfsantrieb".

Dieser bezieht seine Energie aus Solarzellen, die an Stationen wie auch an den Schienen angebracht werden. Sie sollen gleichzeitig als Ladestationen für Elektrofahrzeuge genutzt werden. Mit dem Elektroauto zur SkySmart-Haltestelle und von dort in luftiger Höhe weiterfahren, das ist die emissionsfreie Fortbewegungsvision der Entwickler aus Kanada.

Das Unternehmen mit dem Namen Shweeb-Can, das hinter SkySmart steht, hat dafür bereits den Google Drive Innovation Award im Bereich Public Transport gewonnen und sieht in seinen Pedal-Gondeln die Lösung für Verkehrs-und Gesundheitsprobleme heutiger Städter.

Shweeb braucht 1 Million US DollarUm die Vision zu realisieren, hat Shweeb jetzt eine Crowdfundingkampagne ins Leben gerufen. Mit dem ehrgeizigen Fundingziel von einer Millionen US-Dollar wollen die Entwickler die Bekanntheit ihres Projekts vorantreiben und so weitere, größere Investoren ins Boot holen.

Auch wollen sie damit den Grundstein für ein erstes Pilotprojekt legen, das zeigen soll, das SkySmart auch in Städten funktioniert. Dass das Konzept der Schwebebahn mit Pedalantritt im kleinen Maßstab möglich ist, demonstriert Shweeb in einem Vergnügungspark in Neuseeland. Dort sind seit 2007 kleine Gondeln in Betrieb, die der Fahrgast nur mit Muskelkraft bewegt. Dort erreichten Testfahrer bis zu 70 Stundenkilometer.

Hier ein SkySmart-Werbeclip 

Für das Konzept im größeren Stil gibt es, so Shweeb, weltweit schon 23 Interessenten, die SkySmart gern in ihrer Stadt installieren würden.

Das Konzept von SkySmart klingt interessant, verbindet es doch die Vorzüge einer Gondelbahn mit den Fitnessaspekten des Fahrradfahrens. Jedoch wirft das Konzept auch Fragen auf, etwa: Ist in den Gondeln, die 12 Fahrgäste vorsehen, Pedalantrieb möglich? Wenn ja, wie sollen die Personen erkannt werden, die die Pedale betätigen? Wie werden "Gondelstaus" vermieden, wenn der Pedalantrieb ein individuelles Fahrtempo ermöglichen soll, doch vor allem: Inwieweit kann solch ein System wirklich etablierte Verkehrsmittel wie die U-Bahn entlasten?

Denn in einen U-Bahnwagon passen mehr Personen als in eine Gondel von SkySmart. Damit das System den Stadtverkehr wirklich entlastet, muss das Schienennetz engmaschig sein und enorm viele Gondeln befördern. So etwas aufzubauen kostet viel Geld und Überzeugungsarbeit. Ob Städte bereit sind, das Konzept zu testen, könnte auch davon abhängen, wie sehr die Menschen es leid sind, bis zu sechs Stunden täglich im Stau festzustecken.

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