Müllentsorgung: Basel pfeift auf die Tonne

Müllentsorgung: Basel pfeift auf die Tonne

von Wolfgang Kempkens

100 unterirdische Müllcontainer sollen in der schweizer Stadt künftig nicht nur Geld sparen - sondern auch der Umwelt helfen.

Mülltonnen haben Seltenheitswert in Basel. Die Bürger der Rheinmetropole sammeln ihren Abfall im sogenannten Bebbi-Sagg, einer Mülltüte, die jeder kaufen muss. Zweimal pro Woche stellen sie ihre Beutel vor die Tür. Dann holt die Müllabfuhr sie ab. Manche stellen ihren Müll vorzeitig auf die Straße. Dann machen sich oft Tiere über den Inhalt her, der dabei weit verstreut wird. Außerdem, so meint die Stadtverwaltung, leidet das Stadtbild.

Künftig funktioniert die Entsorgung anders. Jeder Bürger bringt seinen Bebbi-Sagg zu einer von 100 unterirdischen Sammelstationen. Jederzeit können die Säcke hineingeworfen werden. Kein Basler muss ihn weiter als 100 Meter schleppen, so dicht soll das Netz der Unterflur-Müllcontainer werden.

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Weil die Bürger selbst als Sammler fungieren, kann die Stadt Müllfahrzeuge und 20 Mitarbeiter einsparen. Allerdings muss sie neue Spezial-Lkw anschaffen, die die Container leeren.  Sie werden aus dem Untergrund emporgehievt und über die Ladefläche geschwenkt.

50.000 Kilometer im Jahr sind die Müllsammler unterwegsDann öffnet sich, wie beim Leeren von Glascontainern, die untere Abdeckung und die Säcke purzeln heraus. Derartige Fahrzeuge sind allerdings weitaus billiger als Müllautos. In den nächsten fünf Jahren sollen 80 Sammelplätze eingerichtet werden, die restlichen 20 folgen in den darauf folgenden fünf Jahren.

Auch für die Umwelt ist zumindest eine kleine Entlastung drinnen: Das neue Konzept erspart jährlich rund 100 Fahrten von Müllfahrzeugen vollständig. Pro Jahr legen sie derzeit rund 50.000 Kilometer zurück. Das verursacht Lärm, Abgase und Staus. Um die Container zu leeren, sind außerdem deutlich weniger Fahrten nötig. Die Umweltbelastung reduziert sich, weil die Entsorgungsfahrzeuge nur wenige Punkte anfahren müssen.

26,5 Millionen Schweizer Franken (knapp 22 Millionen Euro) muss die Stadt investieren. Die Einsparung soll bei einer Million Euro pro Jahr liegen. Weil sich die Industriellen Werke Basel als Entsorger an den Gesamtkosten mit zehn Millionen Franken beteiligen, amortisiert sich die Investition nach einer noch zumutbaren Zeitspanne.

Schweizer zitieren SchweizerAls Gewinn kann die Stadt ein schöneres Stadtbild verbuchen, das allerdings weiterhin zeitweise von Abfällen am Straßenrand geprägt sein wird. Metall, Papier und Sperrmüll werden nach wie vor konventionell mit Müllfahrzeugen eingesammelt. Glas landet wie bisher in oberirdisch aufgestellten Containern.

Erfolgreich getestet wurde das System bereits im Stadtteil Erlenmatt, einem Neubaugebiet, das im Norden an die Innenstadt anschließt, und in Zürich. Dort stehen an den Sammelstellen Rollcontainer, allerdings bei weitem nicht flächendeckend.

Dass allzu viele Basler Bürger auf den Kauf der Säcke, die zwischen 1,20 Franken (17 Liter) und 3,30 Franken (60 Liter) kosten, verzichten und Säcke aus dem Supermarkt nutzen, glauben die Initiatoren nicht. „Frei nach Albert Schweizer“ fragt das Amt für Umwelt und Energie: „Sollen wir als Einzelne wieder mehr Verantwortung für unseren Abfall übernehmen?"

Sein Credo lautete: "Das Beispiel ist nicht der beste Weg, seine Mitmenschen zu beeinflussen – es ist der einzige Weg“. Wenn es aber doch schief geht, werden die Klappen elektronisch gesichert. Sie öffnen sich dann nur, wenn entsprechend markierte bezahlte Säcke eingeworfen werden.

Ob dieses Modell auch in Deutschland Schule machen könnte?

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